Auf den Spuren von Jenn Bennetts ‘Anatomie der Nacht’ (1)

Kapitel 1:

[...] Mein älterer Bruder Heath hatte mich in völliger Fehleinschätzung mit Tickets für ein Singalong von The Little Mermaid (Leuchtstäbe, Muschel-BHs) im Castro Theatre aufmuntern wollen und nach einem mitternächtlichen Imbiss in einem heruntergekommenen Pub hatten wir die letzte Bahn verpasst. [...]

 

Kapitel 5:

[...] Wir beendeten unsere Tour schließlich in der Legion of Honour - in San Francisco ist das ein Kunstmuseum, keine Bruderschaft irgendwelcher Ritter oder was auch immer die Ehrenlegion in Frankreich ist. [...]

Kapitel 5:

[...] Irgendwann meckerte und stöhnte und gähnte uns Heath zum Mittagessen in das überteuerte Museumscafé. Da es dort ziemlich das gleiche Essen wie an der Feinkosttheke bei Alto gab, hatte ich auf nichts richtig Lust. Wir bestellten trotzdem und ergatterten Plätze auf der Außenterrasse.[...]

Ich verpasste ihm Rippenstöße, bis er lachte, und bat Mom um Geld. „Ich gehe noch mal rein und hole mir für zehn Dollar einen Erdbeerkuchen“, erklärte ich ihr, als ich ihre Kreditkarte nahm. „Und ihr zwei sorgt in meiner Abwesenheit dafür, dass wir weiter auf den Weltuntergang zusteuern.“

Sie blödelten weiter herum, während ich mich zwischen Tischen und hundert pickenden Vögel durchschlängelte, die diesen Ort – angesichts der köstlichen Krümel, die von den Museumsbesuchern herumgeworfen wurden - wahrscheinlich für ein Vogel-Shangri-La hielten. Ich konnte sie bestens verstehen. Es war echt nett hier draußen, vor allem unterhalb der Terrasse; die Nachmittagssonne vertrieb den Nebel über den berühmten orange-zinnoberroten Bögen der Golden Gate Bridge, die sich über die blaue Bucht spannten. [...]

Kapitel 10:

[...] Wie versprochen führte mich Jack nach einer Bahnfahrt durch den Sunset Tunnel und ein paar Stationen mit dem Bus über eine vollgeparkte Straße zu einem kleinen Eckladen zwischen Castro und Mission. Er lud mich in eine Tea Lounge ein, die, wer hätte das gedacht, Tee und kleine Gerichte servierte. Es war eins dieser lässig-versnobten Lokale, die vermutlich schweineteuer waren und eine schräge Mischung aus Theaterbesuchern und Hipstern anlockten. Heath wäre begeistert gewesen; Mom hätte die Nase gerümpft. Mein Herz raste zu sehr, als dass ich mir eine Meinung gebildet hätte.

Aus den hohen Fenstern schimmerte warmes Licht. Wir traten aus der eisigen Abendluft in einen warmen dunstigen Raum, der berauschend nach Gewürzen und Kräutern und Zitrus duftete. Die Lounge war nicht übermäßig voll – vermutlich, weil es halb neun an einem normalen Wochentag war. Trotz der hohen Decke war es drinnen gemütlich und strahlte etwas eklektisch Östliches aus, viel zimtfarbenes Orange, teures Holz und Bonsaibäumchen.

„Ich bin nicht sicher, ob ich mein Schicksal herausfordern möchte.“ Das stimmte wirklich, außerdem waren nirgendwo Speisekarten, aber das hielt Jack nicht ab. Er bestellte „Einmal Maurische Teevariation und ein paar Datteln“ und dazu noch eine Kanne irgendeines japanisch klingendenTees. [...]

 

Kapitel 10:

[...] Wir lachten über unsere blöden Witze und stellten fest, dass wir etliche Gemeinsamkeiten hatten: wir waren beide in der Stadt geboren; wir hatten beide Schulausflüge nach Alcatraz unternommen und es gehasst, und bei Amoeba Music stöberten wir lieber bei den Filmen und alten Rockpostern herum als bei der aktuellen Musik. [...]

Kapitel 13:

[...] Das Zen Center ist ein altes Backsteingebäude in Hayes Valley. Ich war wahrscheinlich schon tausendmal daran vorbeigelaufen und hatte nie darauf geachtet. [...] Links neben dem Haupteingang und eine Rollstuhlrampe hoch verwies ein handgemaltes Schild stumm auf den Buchladen.[...]

[...] Der Buchladen sah ziemlich genau so aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, gemütlich und ruhig und sehr, sehr ordentlich. Ein paar Kunden stöberten in den Holzregalen mit Titeln über Dharma und Buddha und Dōgen und Achtsamkeit. Es gab ein paar Matten und Kissen – wahrscheinlich zum Meditieren – und jede Menge Buddhastatuen und Glöckchen zu kaufen. Der ganze Raum roch schwach nach würzigem Rauch, vermutlich von den handgefertigten Räucherstäbchen, die sie im Angebot hatten. [...]

[...] Da ich die Buchrücken nur eine begrenzte Zeit lang anstarren konnte, schlenderte ich zu einem Tisch mit Mala-Gebetsketten in verschiedenen Ausführungen, wie Jack eine ums Handgelenk trug. Ich betastete einen langen Strang, der als Halskette gedacht war. [...]

Kapitel 29:

[...] Am zweiten Tag öffnete Mom beide Röntgentüren und sah mir vom Wohnzimmer aus zu, brachte mir Tee und meinen Lieblingskuchen: Pecan-Schnecken aus der Arizmendi Bakery zwischen Judah und Irving Street – ein Stück die Straße vom Golden Gate Park hinunter, wo Jack „Blühen“ gesprüht hatte. [...]