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    Zana Fraillon, Wenn nachts der Ozean erzählt
    March 2, 2017
    Aus dem Englischen von Claudia Max Originaltitel: The Bone Sparrow | Hachette Australia (28.06.2016) Gebundene Ausgabe: 288 Seiten | ISBN-10: 3570164764 | ISBN-13: 978-3570164761 Alter: 12 ab Jahre Erschienen bei: cbt Verlag (28.02. 2017) Keywords: Jugendbuch, Flüchtlingscamp, Freundschaft, Rebellion, Widerstand, Flüchtlingslager, Flüchtlingspolitik, Australien, Flüchtlingskind, Hoffnung, Solidarität, MenschlichkeitInhalt: Ein Buch über Freiheit, Hoffnung und die heilende Kraft von Geschichten. Subhi ist ein Flüchtlingskind, geboren in einem Auffanglager. Seine Welt beschränkt sich auf einen staubigen Flecken Erde hinter einem Maschendrahtzaun. Aber wenn alle schlafen, dann träumt Subhi vom Nachtmeer, das zu seinem Zelt kommt und ihm Schätze bringt. Eines Tages bringt es ihm Jimmie. Das Mädchen Jimmie lebt auf der anderen Seite des Zauns, fühlt sich jedoch genauso verloren und einsam wie Subhi. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird. Am Ende müssen beide mutiger sein als je zuvor, um sich und der Welt neue Hoffnung zu geben. Autorin: Zana Fraillon ist Grundschullehrerin und Autorin. In ihrem Heimatland Australien sind bereits mehrere Bücher von ihr erschienen. Sie wünschte, dass sie dieses hier nie hätte schreiben müssen. Aber wenn es auch nur ein paar Menschen wachrüttelt, ist vielleicht schon viel gewonnen. Zana Fraillon lebt mit ihren drei Söhnen, ihrem Mann und zwei Hunden in Melbourne. Leseprobe Shakespeare Duck Flüchtlingscamp Flüchtlingscamp Camp Darwin Camp Darwin Gold-Akazie
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    Wesley King, Daniel is Different
    January 19, 2017
    Aus dem Englischen von Claudia Max Originaltitel: OCDaniel | Simon & Schuster (12. April 2016) Gebundene Ausgabe: 04 Seiten | ISBN-10: 3734847109 | ISBN-13: 978-3734847103 | Alter: 12 - 15 Jahre Erschienen bei: Magellan (18. Januar 2017) Keywords: Jugendbuch, Krimi, Zwangsstörung, Football, Liebe, Freundschaft, Außenseiter.Inhalt: Bloß nicht auffallen! Nach dieser Devise lebt Daniel, der einfach nur ein ganz normaler Dreizehnjähriger sein will. Deswegen hofft er die meiste Zeit, dass niemand seine komischen Angewohnheiten bemerkt – weder seine Familie noch sein bester Freund Max und schon gar nicht seine Traumfrau Raya. Als er plötzlich eine mysteriöse Nachricht erhält, ist es allerdings gar nicht mehr so leicht, sich zu verstecken. Denn das unbekannte andere Sternenkind braucht seine Hilfe. Auf einmal wird aus Daniels Leben ein richtiger Krimi. Autor: Wesley King ist ein mehrfach ausgezeichneter kanadischer Autor und Drehbuchautor und hat bislang fünf Bücher veröffentlicht, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Eigentlich wollte Wesley King unbedingt Jedi-Ritter werden. Da sich dieser Wunsch im echten Leben aber als ebenso unpraktisch herausstellte wie eine Karriere als Ninja-Turtle oder X-Man, träumte er sich einfach beim Schreiben zu Superhelden und ins Weltall. Dass seine Geschichten gelesen werden, deutet wohl auf seine Bestimmung als Autor hin. Wobei er den Jedi-Ritter auch noch nicht ganz aufgegeben hat... Daniel is Different basiert auf eigenen Erfahrungen des Autors mit Zwangsstörung. Wesley King spricht auch immer wieder öffentlich über seinen andauernden Kampf mit der psychischen Erkrankung. Leseprobe
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    Vanessa Altin, Tränen unter dem Granatapfelbaum
    September 28, 2016
    Aus dem Englischen von Claudia Max Originaltitel: The Pomegranate Tree | Blanket Press (13. Oktober 2015) Gebundene Ausgabe: 288 Seiten mit 103 schwarz-weiß-Abbildungen | ISBN 978-3-86873-974-9| Alter: Ab 12 Jahre | Erschienen bei Knesebeck Verlag (21.09.2016) Keywords: Jugendbuch, Syrien, Türkei, Krieg, Flucht, Islamischer Staat, Kurden, FreundschaftInhalt: Das 13-jährige kurdische Mädchen Dilvan lebt mit ihrer Familie in einer Kleinstadt in Syrien. Als eine Partisanengruppe dort die Macht übernimmt, ist nichts mehr wie vorher. Ihr Vater und ihre Brüder verschwinden im Krieg, Mutter und Schwester verliert Dilvan bei einem Bombenangriff aus den Augen. Nun ist Dilvan ganz auf sich gestellt und muss stark und mutig sein. Doch die Hoffnung, ihre Familie wiederzusehen, gibt sie nie auf. Mit der Kämpferin Rehanna gelingt ihr die Flucht – aber um ihre kleine Schwester zu retten, muss sie noch einmal in ihre Heimatstadt zurückkehren. Inspiriert durch persönliche Erfahrungen und durch wahre Begebenheiten erzählt Vanessa Altin vom Schicksal eines kurdischen Mädchens im Syrien-Krieg. So gibt sie den syrischen Kindern eine Stimme, die den Leser ganz unmittelbar berührt. Autorin: Vanessa Altin berichtet als Nachrichtenjournalistin hautnah aus den Krisengebieten und den Flüchtlingslagern in der Türkei. Vom Schicksal der Familien dort bewegt, startete sie eine Online-Spendenkampagne. Mit diesem Roman möchte sie den Kindern aus den Flüchtlingslagern eine Stimme geben, die den Rest der Welt erreicht. Twitter | Leseprobe
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    Jenn Bennett, Annähernd Alex
    September 28, 2016
    Aus dem Englischen von Claudia Max Originaltitel: Alex, Approximately | Simon Pulse (4. April 2017) Gebundene Ausgabe 432 Seiten | ISBN: 978-3-551-56035-3 | Alter: Ab 14 Jahren | Erschienen bei Königskinder Verlag (29. September 2016) Keywords: Jugendbuch, Liebe, Surfen, Freundschaft, Drogen, Erster Sex, Kalifornien, Forties, Film, ChatInhalt: Seinem Online-Schwarm im echten Leben zu begegnen kann böse Überraschungen mit sich bringen. Was, wenn er ein Idiot ist? Oder ein Langweiler? Mink erzählt Alex aus dem Film-Forum deswegen erst mal nicht, dass sie in genau den kalifornischen Küstenort zieht, in dem er wohnt. Sie erzählt auch nichts von ihrem furchtbaren Ferienjob in der Tourifalle von Museum, bei dem sie sich jeden Tag halb tot schwitzt. Und erst recht nichts erzählt sie von Porter, Surfwunder und Aufschneider zugleich. Als Mink und Porter nachts im Museum eingeschlossen werden, kommen sie einander näher. Und langsam dämmert es Mink: Porter ist Alex. Annähernd. Eine moderne Verwechslungskomödie mit äußerst sympathischen Protagonisten am sonnigen Schauplatz Kalifornien Autorin: Jenn Bennett wurde in Deutschland geboren, zog dann aber in die USA. Sie reist gern, u.a. nach Europa und Südostasien. Jenn Bennett arbeitet hauptberuflich als Autorin und hat u.a. eine sehr erfolgreiche Fantasy-Serie geschrieben. Nach „Die Anatomie der Nacht“ ist „Annähernd Alex“ ihr zweites Jugendbuch. Sie lebt mit ihrem Mann in Georgia. Leseprobe
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    Rebecca Serle, Famous in Love - Blitzlichtgewitter
    July 26, 2016
    Aus dem Englischen von Claudia Max Originaltitel: Truly Madly Famously (Famous in Love 2) | Macmillan Children's Book Gebundene Ausgabe 304 Seiten | ISBN-978-3-551-31392-8 Alter: Ab 13 Jahren | Erschienen bei Carlsen Verlag (28. Juli 2016) Keywords: Jugendbuch, Mädchen, Romance, Young Hollywood, BerühmtseinInhalt: Beim Filmdreh auf Hawaii war Paige von der Welt abgeschottet. Mit Rayner an ihrer Seite kehrt sie nun in die Öffentlichkeit zurück – und lernt in Los Angeles schnell die Schattenseiten des glitzernden Showbiz kennen. Die beiden werden auf Schritt und Tritt von Paparazzi verfolgt, jede noch so kleine Geste wird festgehalten. Von Jordan hingegen hat Paige seit der Premiere ihres Films nichts mehr gehört. Sie versucht ihn zu vergessen und sich ganz auf Rayner zu konzentrieren. Doch Jordan geht ihr einfach nicht aus dem Kopf… Band 2 der Serie um Paige, die mittlerweile weltweit ein Superstar ist. Ein spannender Blick hinter die Kulissen von Hollywood. Autorin: Rebecca Serle schreibt Kolumnen für die Huffington Post und für die Vulture-Website des New York Magazine. Sie hat in Los Angeles studiert und in New York, wo sie inzwischen lebt. Sie liebt Kaffee und Yoga – und manchmal tut sie so, als sei sie Britin. Website | Leseprobe
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    Natalie Standiford, Ein Baum voller Geheimnisse
    May 27, 2016
    Aus dem Englischen von Claudia Max Originaltitel: The Secret Tree | Scholastic Press Gebundene Ausgabe 304 Seiten | ISBN-10: 3551556504 | ISBN-13: 978-3551556509 | Alter: 10 - 14 Jahre | Erschienen bei Carlsen Verlag (27. Mai 2016) Keywords: Kinder-/Jugendbuch, Freundschaft, Mobbing, Roller Derby, Voodoo, Alkoholismus, VerwahrlosungInhalt: Ein Baum mitten im Wald. Mit einem Loch im Stamm, in dem jede Menge Geheimnisse versteckt sind. Es sind Sommerferien und Minty hat alle Zeit der Welt, herauszufinden, von wem diese Geheimnisse stammen. Aber nicht allein. Zusammen mit Raymond, der ganz allein in einem leeren Haus wohnt, spioniert sie so ziemlich allen in der Nachbarschaft hinterher. Und am Ende des Sommers hat sie nicht nur viel über Geheimnisse gelernt, sondern auch über sich selbst. Und einen neuen Freund hat sie außerdem gefunden. Autorin: Natalie Standiford wurde in Baltimore geboren. Sie studierte Russische Literatur und verbrachte ein Jahr in Sankt Petersburg. Danach arbeitete sie in New York in einer Buchhandlung und in einem großen Verlag. Heute ist sie hauptberuflich Schriftstellerin. In ihrer Freizeit spielt sie Bassgitarre in einer Schriftstellerband. Website | Leseprobe      
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    Dave Rudden, Tenebris - Die Allianz der Schattenjäger.
    April 28, 2016
    Aus dem Englischen von Claudia Max Originaltitel: The Knights of the Borrowed Dark | Random House Books for Young Readers Gebundene Ausgabe 352 Seiten | ISBN-10: 3737352178, ISBN-13: 978-3737352178 | Alter: Ab 12 Jahren | Erschienen bei Fischer Sauerländer (27. April 2016) Keywords: Jugendbuch, Fantasy, Abenteuer, Freundschaft, Ritter, MagieInhalt: Flucht ist zwecklos. Den Schattendämonen entrinnt keiner. Sie kommen aus dem Reich Tenebris, einem düsteren Paralleluniversum, und bringen Chaos und Zerstörung. Seit Jahrhunderten steht nur eins zwischen diesen finsteren Mächten und der Menschheit: die Allianz der Schattenjäger! Von alldem wusste der 13-jährige Denizen bisher nichts. Sein Leben in einem Waisenhaus in Irland war alles andere als ein großes Abenteuer. Doch plötzlich steckt er mittendrin im Kampf der Schattenjäger. Er soll sich ihrem Geheimbund in Dublin anschließen und ihre geheime Magie erlernen. Denn eine neue Bedrohung ist aus Tenebris gekommen – und bringt die ganze Welt in Gefahr! Für alle Fans von Skulduggery Pleasant, Percy Jackson und Artemis Fowl. Der packende Auftakt zu einem Action-Fantasy-Epos, das man nicht mehr aus der Hand legen kann! Autor: Dave Rudden ist 27 Jahre alt und lebt als Autor, Geschichtenerzähler und Schauspieler in Dublin, Irland. Er hat den Studiengang Kreatives Schreiben am University College Dublin mit Auszeichnung abgeschlossen, und seine Gedichte und Kurzgeschichten wurden bereits in mehreren Zeitschriften veröffentlicht und für Preise nominiert. ›Tenebris – Die Allianz der Schattenjäger‹ ist sein erstes Buch für junge Leser. Website | Instagram | Leseprobe Presse: Independent Irish Times The Anglo-Celt The Guardian
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    Susin Nielsen | Die hohe Kunst, unterm Radar zu bleiben
    February 8, 2016
    Aus dem Amerikanischen von Claudia Max. Originaltitel: The Reluctant Journal of Henry K. Larsen | Originalverlag: Tundra Books (11. September 2012) Taschenbuch: 256 Seiten | ISBN-10: 3570310345 | ISBN-13: 978-3570310342 | Alter: ab 12 Jahren | Erschienen bei cbt Kinder- und Jugendbuchverlag, 08.02.2016 [cbt Kinder- und Jugendbuchverlag] Keywords: Jugendbuch, Therapie, Außenseiter, Suizid, Amoklauf, Dicksein, Freundschaft, Wrestling, Tagebuch, Mobbing, Schule, FamiliengeschichteInhalt: In der neuen Schule, in der fremden Stadt, bei den neuen Nachbarn heißt Henrys (13) Devise: bloß nicht auffallen. Denn wehe, es kommt raus, was sein Bruder getan hat. Weil Henry, seit ES passiert ist, nur noch Robotersprache spricht, hockt er viel beim Seelendoc. Seine Gefühle jedoch, und nicht nur die, frisst er weiter in sich hinein. Als er Alberta trifft, die zwar auch nicht normal, aber ziemlich toll ist, fragt er sich, ob da mehr daraus werden könnte. Und ob das bedeutet, dass es für ihn tatsächlich ein Leben DANACH gibt. Autorin: Susin Nielsen begann ihre Karriere als Köchin beim kanadischen Fernsehen. Ihr Essen kam nicht gut an, aber ihr Talent für Texte: 16 Folgen der Erfolgsserie »Degrassi Junior High« stammen aus ihrer Feder. Nielsens Jugendbücher erhielten von Anfang an begeisterte Rezensionen und zahlreiche Auszeichnungen; ihr letztes Buch gewann den renommierten Governor General’s Literary Award und wurde Kinderbuch des Jahres der Canadian Library Association. Die Autorin lebt mit ihrer Familie und zwei zerstörungswütigen Katzen in Vancouver. Website | Leseprobe
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    Stephenie Meyer: Bis(s) in alle Ewigkeit
    October 12, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max (Kapitel 1-8), Friedrich Pflüger und Wolfram Ströle Ab 14 Jahren | Erschienen 17. Oktober 2015 |848 Seiten | Hardcover, EBook ISBN 978-3-551-58500-4 Keywords: Liebe, Vampire, Übersinnliches, All Age In der Sonderdoppelausgabe zum zehnten Jubiläum von ‚Twilight‘ ist sowohl der erste Band von Stephenie Meyers „Biss“-Saga als auch eine überraschende Neuerzählung des Romans enthalten – „Biss in alle Ewigkeit“. Das Buch ist als Wendebuch konzipiert. Inhalt: In „Biss in alle Ewigkeit“ erzählt Stephenie Meyer die Geschichte über Bella und Edward mit umgekehrten Vorzeichen und lässt die Leser den Kultroman auf ganz neue Weise erleben: ein Junge und eine Vampirin verstricken sich in eine Liebe gegen jede Vernunft – und bieten „Biss“-Fans neuen Lesestoff mit Suchtpotenzial. Stephenie Meyer: Homepage | Carlsen | Leseprobe
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    Geoff Rodkey | Die Legenden der blauen Meere, Band 3: Der Teufelspickel
    October 2, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max Ab 12 Jahren | Erschienen September 2015 |496 Seiten | Hardcover. pdf, ePub ISBN 978-3-551-55643-1 Keywords: Abenteuer, Fantasy, Piraten, Liebe, SpannungInhalt: Der ferne Planet Krypton ist dem Untergang geweiht. Um ihren Sohn zu retten, schicken der Wissenschaftler Jor-El und seine Frau ihn hinaus ins Weltall. Als sein Raumschiff auf der Erde notlanden muss, wird der Junge von den Farmern Jonathan und Martha Kent entdeckt, die ihn bei sich aufnehmen – und bald herausfinden, über welch seltsame Kräfte der Neuankömmling verfügt …Michael Dahl: hat bereits über 200 Bücher für Kinder und Jugendliche verfasst und ist ein gefragter Experte für Jungsbücher.Homepage | Amazon | Fischer Verlag
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    Jenn Bennett | Die Anatomie der Nacht
    May 2, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max Originaltitel: The Anatomical Shape of the Heart ab 14 Jahre | erschienen April 2015 | Königskinder Verlag | 352 Seiten | ISBN 978-3-551-56011-7 | HardcoverKeywords: Liebe, Patchworkfamilie, Erwachsenwerden, Geschwister, Homosexualität, San Francisco, Graffiti, Anatomisches Zeichnen, SchizophrenieInhalt: Vielleicht lernt man solche Jungen ja nur zu später Stunde kennen. Im Nachtbus, wenn man die letzte Bahn verpasst hat und nur hoffen kann, dass Mom auch noch nicht zu Hause ist. Wenn ganz andere Leute unterwegs sind als sonst. Zum Beispiel dieser Typ mit den schwarzen Klamotten, der aussieht, als wolle er den nächsten Schnapsladen ausrauben. Doch Bex stellt fest: Jack ist kein Kioskräuber. Er ist der Graffitikünstler, der seit Wochen San Franciscos Bauwerke mit riesigen goldenen Buchstaben verziert. Aber das hält nicht jeder für Kunst; genauso wie nicht jeder Bex‘ anatomische Studien schön findet. Bei Tag und bei Nacht, auf den Dächern der Stadt und in den Tunneln der U-Bahn wächst ihr Vertrauen zueinander. Und zwischen ihnen erblüht die Liebe. Jenn Bennett: Homepage | Königskinder Verlag[Textprobe]
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    Rebecca Serle | Famous in Love, Bd. 1
    May 1, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max. ab 13 Jahre | erschienen März 2015 | Carlsen Verlag | 320 Seiten | ISBN 978-3-551-58320-8 | Klappenbroschur Keywords: Mädchen, Romance, Celebrities, Freundschaft Inhalt: Paige Townsen ist ein ganz gewöhnliches Mädchen. Dann ergattert sie die Hauptrolle in einer Filmtrilogie und plötzlich kennt jeder ihren Namen. Doch zwischen einer Highschool-Bühne und einem Hollywood-Projekt liegt ein himmelweiter Unterschied. Die Presse dichtet Paige sofort eine Beziehung mit ihrem Filmpartner Rayner Devon an. Und als Bad-Boy Jordan Wilder auftaucht, ist die Dreiecksbeziehung perfekt, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Paige muss herausfinden, wer sie ist und was sie will – während der Rest der Welt ihr dabei zuschaut. Rebecca Serle: Homepage | Carlsen Verlag [Textprobe]
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    Susin Nielsen, Glücklich für Anfänger
    April 30, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. Originaltitel: We Are All Made Of Molecules | Originalverlag: Random House US ab 12 Jahre | erschienen Mai 2015 | cbt Verlag | 288 Seiten | ISBN: 978-3-570-16359-7 | HardcoverKeywords: Patchworkfamilie, Erwachsenwerden, Geschwisterstreit, Homosexualität, Homophobie, Zivilcourage, Nerd, TrauerInhalt: Als Stewart (13) und sein Vater aus ihrem Hippiehäuschen samt Kater und Häkeldecke ins gestylte Designerheim von Ashley (14) und ihrer Mom ziehen, sind nicht alle gleich glücklich. Während Stewart doch nur eine gute Geschwisterbeziehung aufbauen will, geht Ashley der nerdige Patchworkbruder total auf die Nerven. Denn womöglich könnte »Spewart« ihr peinlichstes Geheimnis ausplaudern: dass ihr Vater schwul ist und deshalb die Familie verlassen hat. Nach harten anfänglichen Auseinandersetzungen geraten die Geschwister in einen Strudel von Ereignissen, der sie einander näher bringt, als sie sich je hätten träumen lassen.Susin Nielsen: Homepage | cbt Verlag[Textprobe]
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    Kate Brian | Shadowlands
    April 29, 2015
    Übersetzt aus dem Englischen von Claudia Max. ab 14 Jahre | erschienen Januar 2015 | Coppenrath Verlag | 304 Seiten | ISBN 978-3-649-61664-1 | HardcoverKeywords: ThrillerInhalt: Auf dem Patchwork-Bettüberwurf lag eine einzelne rote Rose. Unter ihren dornigen Stiel hatte jemand eine Grußkarte geschoben. Es schnürte mir die Kehle zu. Auf der Karte standen in allzu vertrauten Großbuchstaben und dreimal unterstrichen fünf unheilvolle Worte: WIR WERDEN ZUSAMMEN SEIN. BALD. Rory ist auf der Flucht. Nachdem sie nur mit sehr viel Glück dem Serienkiller Steven Nell entkommen ist, wird sie zusammen mit ihrer Familie in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Mit ihrem Vater und ihrer Schwester Darcy zieht sie in ein Haus auf einer kleinen versteckten Ferieninsel. Rory und Darcy finden schnell Anschluss im Ort, werden auf Strandpartys eingeladen und können das Leben wieder genießen. Doch irgendetwas sagt Rory, dass sie dem Frieden nicht trauen darf. Immer noch fühlt sie sich von Steven Nell verfolgt. Als plötzlich Menschen von der Insel verschwinden und niemand außer Rory etwas bemerkt, verhärtet sich ihr Verdacht, dass mit dem scheinbar so idyllischen Ort etwas nicht stimmt. Was haben die Bewohner zu verbergen? Als eines Tages auch Darcy verschwindet, steht für Rory fest, dass Steven Nell hinter dem Ganzen steckt. Doch was sie dann herausfindet, erschüttert alles, woran sie bisher geglaubt hat, in seinen Grundfesten …Kate Brian: Homepage | Coppenrath Verlag | Wikipedia[Textprobe]
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    Geoff Rodkey | Die Legenden der Blauen Meere Bd. 2 – Die Faust des Ka
    April 28, 2015
    Übersetzt aus dem Englischen von Claudia Max. ab 12 Jahre | erschienen Dezember 2014 | Carlsen Verlag | 384 Seiten | ISBN 978-3-551-55642-4 | Hardcover, pdf, ePubKeywords: Abenteuer, Fantasy, Piraten, Liebe, SpannungInhalt: Das Piratenabenteuer um Egg, seinen einhändigen Freund Guts und die reizende Millicent geht in die nächste Runde. Diesmal sind die drei auf dem Weg in die Neuen Länder, wo sie sich Hilfe beim Entziffern ihrer Schatzkarte erhoffen. Doch wenn man nicht mehr als ein paar Schimpfwörter in der Landessprache beherrscht, gestaltet sich die Verständigung äußerst schwierig. Zudem sind sie nicht die einzigen, die es auf die sagenumwobene Faust des Ka abgesehen haben …Geoff Rodkey: Homepage | Carlsen Verlag[Textprobe]  [Originaltext]
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    Donald Lemke + Eric Stevens | Lexikon der Superhelden und Schurken
    April 27, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max, Leo H. Strohm, Christian Dreller 2./3. Klasse | erschienen Dezember 2014 | Fischer KJB | 169 Seiten | ISBN 978-3-596-85666-4Keywords: Lexikon, ‚nur für Jungs‘Inhalt: Welche Superkräfte hat Mister Freeze? Wie lautet der richtige Name von Scarecrow? Wo liegt die geheime Festung von Superman? Wer verbirgt sich hinter dem Riddler? In diesem Buch stecken die Antworten auf diese und viele weitere Fragen rund um die stärksten Superhelden und die fiesesten Schurken des DC-Comics-Universums. Biographische Fakten, Superkräfte, Hintergrundinformationen und viele farbige Illustrationen – dieses Lexikon enthält alles, was man über Batman, Superman und Co. wissen muss!Donald Lemke: BiographieEric Stevens: lebt als Autor in St. Paul, USA.
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    Natalie Standiford | Verflixt, vertauscht, Verliebt
    April 26, 2015
    Übersetzt aus dem Englischen von Claudia Max. ab 12 Jahre | erschienen Dezember 2014 | Carlsen Verlag | 240 Seiten | ISBN 978-3-551-58320-8 | TaschenbuchKeywords: Mädchen, Magisches, FreundschaftInhalt: Scarlet und Lavender könnten unterschiedlicher nicht sein. Scarlet ist hübsch, sportlich und beliebt, Lavender hingegen das genaue Gegenteil. Es gibt nur eine Gemeinsamkeit: Sie haben beide am selben Tag Geburtstag. Bisher hat sie das einander nicht nähergebracht. Dann aber gehen ihre Geburtstagswünsche auf unerwartete Weise in Erfüllung und am Morgen danach wacht jede im Körper der anderen auf. Um zurücktauschen zu können, müssen sie aber erst einmal herausfinden, wie es ist, jemand ganz anderes zu sein.Natalie Standiford: Homepage | Carlsen Verlag[Textprobe]
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    Lili Peloquin | Sweet Lies – In gefährlicher Gesellschaft
    April 25, 2015
    Übersetzt aus dem Englischen von Claudia Max. ab 12 Jahre | erschienen Januar 2015 | Ravensburger Verlag | 320 Seiten | ISBN 978-3-473-40122-2 | Hardcover Keywords: Thriller, Mädchen, Liebe, Freundschaft Inhalt: Teure Kleider, Partys, Privatstrände. Seit ihre Mutter reich geheiratet hat, gehören die Schwestern Alice und Charlie zur High Society. Sie genießen das neue Leben in vollen Zügen. Doch hinter der glitzernden Fassade liegt ein Netz aus Lügen … Alice und Charlie sind grundverschieden: Scheu, kühl und blond die eine, dunkelhaarig und unerschrocken die andere. Doch nichts kann die Schwestern trennen – so scheint es. Als die beiden mit ihrer Mutter nach Serenity Point zu ihrem reichen Stiefvater ziehen, genießen sie das neue Leben in vollen Zügen. Doch hinter der glitzernden Fassade liegt ein Netz aus Lügen. Die Suche nach der Wahrheit stellt die Liebe der Schwestern zueinander auf eine harte Probe … Lili Peloquin: Homepage | Ravensburger Verlag [Textprobe] [Textprobe PDF]
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    Superman: Die spannendsten Abenteuer
    April 24, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max: Superman: Metallo erwacht Superman: Die Spielzeuge des Schreckens Superman: Gefahr aus dem Weltraum2./3. Klasse | erschienen 20.02.2014 | Fischer KJB | 184 Seiten | ISBN 978-3-596-85559-9Keywords: Sammelband, Erstleser, Comic, ‚nur für Jungs' Fischer Verlag[Textprobe PDF]
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    Rick Riordan | Der Schatten der Schlange
    April 23, 2015
    Übersetzt aus dem Englischen von Claudia Max. ab 12 Jahre | erschienen Dezember 2013 | Carlsen Verlag | 464 Seiten | ISBN 978-3-551-55590-8 | HardcoverKeywords: Fantasy, Kinder- und JugendliteraturInhalt: Der Weltuntergang steht bevor – schon wieder bleibt es an Sadie und Carter Kane hängen, das Ende der Welt zu verhindern und die Chaosschlange Apophis aufzuhalten. Aber alles wäre etwas einfacher, wenn Thot, der Gott des Wissens, nicht immer in Rätseln sprechen würde; wenn der Sonnengott Re nicht so schrecklich senil wäre; und wenn ihnen nicht dauernd fremde Götter in die Gedanken quatschen würden. Werden es die Kane-Geschwister auch diesmal schaffen, die Welt zu retten?Rick Riordan: Biographie | Homepage | Wikipedia
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    Rick Riordan | Der Sohn des Sobek
    April 22, 2015
    »Bonusgeschichte« Der Sohn des Sobek | Aus dem Englischen von Claudia Max [In: Helden des Olymp: Das Zeichen der Athene | Aus dem Englischen von Gabriele Haefs ab 12 Jahren | 2013, Carlsen Verlag | 640 Seiten | ISBN 978-3-551-55603-5 | Hardcover]e-book: 2013, Carlsen Verlag | 40 Seiten | ISBN 978-3-646-92696-5Inhalt: Percy Jackson trifft Carter Cane! Und ein riesiges Krokodil auf Long Island ….Rick Riordan: Homepage | Carlsen | Wikipedia[Textprobe PDF]Rick Riordan | Der Sohn des SobekVon einem Riesenkrokodil gefressen zu werden, war schon mies genug.Aber der Typ mit dem leuchtenden Schwert machte alles noch schlimmer.Vielleicht sollte ich mich vorstellen.Ich heiße Carter Kane – Teilzeitneuntklässler, Teilzeitmagier und Vollzeitsorgenmacher wegen der ganzen ägyptischen Götter und Ungeheuer, die mich ständig umzubringen versuchen.Na gut, Letzteres ist ein bisschen dick aufgetragen. Nicht alle Götter wollen mich tot sehen. Die meisten allerdings schon – das gehört einfach dazu, schließlich bin ich ein Magier des Lebenshauses. Wir sind so eine Art Polizei der altägyptischen übernatürlichen Kräfte und passen auf, dass sie in der modernen Welt nicht allzu viel Chaos anrichten.An diesem Tag war ich jedenfalls auf Long Island hinter einem gefährlichen Monster her. Unsere Wahrsageschalen hatten seit Wochen magische Störungen in dieser Gegend gemeldet. Dann tauchten in den Lokalnachrichten Berichte auf, dass in den Teichen und dem Sumpfgebiet entlang des Montauk Highway ein großes Wesen gesichtet worden war – ein Wesen, das Wildtiere fraß und die Anwohner in Angst und Schrecken versetzte. Ein Reporter hatte es sogar als Sumpfmonster von Long Island bezeichnet. Spätestens, wenn die Sterblichen anfangen, Alarm zu schlagen, ist klar, dass man eingreifen muss.Normalerweise hätten mich meine Schwester Sadie oder ein paar unserer anderen Initianden aus dem Brooklyn House begleitet. Doch sie waren alle im ersten Nomos in Ägypten bei einem Seminar über die Bändigung von Käsedämonen (ja, so was gibt es wirklich, und glaubt mir, mehr wollt ihr nicht darüber wissen), deshalb war ich allein unterwegs.Ich befestigte unser fliegendes Schilfboot an Freak, meinem Hausgreifen, und wir verbrachten den Vormittag damit, die Südküste nach Auffälligkeiten abzusuchen. Falls ihr euch fragt, warum ich nicht einfach auf Freaks Rücken flog, stellt euch zwei kolibriähnliche Flügel vor, die schneller und heftiger schlagen als die Rotorblätter eines Helikopters. Wenn man nicht geschreddert werden möchte, ist es wirklich ratsamer, das Boot zu nehmen.Freak hatte eine ziemlich gute Nase für Magie. Nach ein paar Stunden auf Erkundungstour kreischte er: "FRIIIIIIIIEK!", drehte scharf nach links ab und kreiste über einer grünen sumpfigen Einmündung zwischen zwei Wohnsiedlungen."Dort unten?", fragte ich.Freak zitterte und krächzte und schlug nervös mit seinem Stachelschwanz um sich.Unter uns konnte ich nicht viel erkennen – bloß einen braunen Fluss, der sich zwischen Sumpfgras und knorrigen Baumgruppen glitzernd in der heißen Sommerluft wand und in die Moriches Bay mündete. Der Anblick erinnerte mich ein wenig an das Nildelta in Ägypten, außer dass die Sümpfe hier links und rechts an Wohngebiete mit reihenweise graugedeckten Häusern grenzten. Etwas weiter nördlich krochen Autos im Schritttempo auf dem Montauk Highway vorwärts – Urlauber, die vor den Menschenmassen der Stadt flohen, um in den Genuss der Menschenmassen in den Hamptons zu kommen.Falls es sich unter uns tatsächlich um ein fleischfressendes Sumpfmonster handelte, war es vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis es Appetit auf Menschen bekam. Wenn das passierte ... tja, dann konnte er sich an einem All-you-can-eat-Buffet bedienen."Okay", sagte ich zu Freak. "Setz mich am Ufer ab." Sobald ich aus dem Boot gestiegen war, stieß Freak einen Krächzer aus und hob wieder ab, das Boot im Schlepptau."Hey", brüllte ich ihm nach, aber es war zu spät.Freak verliert schnell die Nerven. Fleischfressende Ungeheuer schlagen ihn meistens sofort in die Flucht, genau wie Feuerwerk, Clowns und der Geruch von Sadies komischer englischer Ribena-Limo. (Letzteres kann man ihm echt nicht verübeln. Sadie ist in London aufgewachsen und hat dort ein paar ziemlich seltsame Vorlieben entwickelt.) Ich würde also dieses Monsterproblem in Angriff nehmen und anschließend nach Freak pfeifen müssen, damit er mich abholte.Ich überprüfte die Ausrüstung in meinem Rucksack: ein Stück Zauberseil, mein geschwungenes Zaubermesser aus Elfenbein, ein Klumpen Wachs, um eine magische Uschebti-Statuette herzustellen, mein Kalligraphie-Set und ein Heiltrunk, den meine Freundin Jaz vor einiger Zeit für mich zusammengebraut hatte. (Sie weiß, dass ich mich ständig verletze.)Es fehlte nur noch eine Sache.Ich konzentrierte mich und griff in die Duat. Im Laufe der letzten Monate war ich zwar besser darin geworden, Notfallausrüstung im Schattenreich zu verbunkern – zusätzliche Waffen, saubere Kleider, Fruchtgummi und gekühlte Sixpacks Malzbier – trotzdem fühlte es sich nach wie vor komisch an, meine Hand in eine magische Dimension zu stecken; es war, als würde ich mich durch Schichten kalter, schwerer Vorhänge vorarbeiten. Ich umfasste den Griff meines Schwerts und zog es heraus – ein massives Chepesch, dessen Klinge wie ein Fragezeichen gekrümmt war. Mit Schwert und Zaubermesser bewaffnet war ich für einen Spaziergang durch den Sumpf gerüstet, um das hungrige Monster aufzuspüren. Gibt es was Schöneres?Als ich ins Wasser watete, versank ich augenblicklich bis zu den Knien. Der Grund des Flusses fühlte sich an wie fest gewordenes Gulasch. Meine Schuhe gaben bei jedem Schritt derart obszöne Geräusche von sich – tschrpp-plopp, tschrpp-plopp –, dass ich froh war, dass meine Schwester Sadie nicht dabei war. Sie hätte sich vor Lachen überhaupt nicht mehr eingekriegt.Aber noch schlimmer war die Gewissheit, dass es mir so nie im Leben gelingen würde, mich geräuschlos an irgendein Monster heranzupirschen.Überall waren Moskitos. Mit einem Mal war ich nervös und fühlte mich sehr allein.Könnte schlimmer sein, redete ich mir zu. Ich könnte auch gerade was über Käsedämonen lernen.Richtig überzeugend fand ich das allerdings nicht. In der nahegelegenen Siedlung hörte ich Kinder rufen und lachen, vermutlich spielten sie irgendwas. Ich fragte mich, wie das wohl wäre – ein normaler Jugendlicher zu sein und am Nachmittag mit meinen Freunden abzuhängen.Die Vorstellung war so schön, dass sie mich völlig aus dem Konzept brachte. Ich bemerkte das Kräuseln des Wassers erst, als ungefähr fünfzig Meter vor mir etwas die Oberfläche durchbrach – eine Reihe ledriger schwärzlich-grüner Höcker. Es tauchte zwar sofort wieder unter, aber nun wusste ich, womit ich es zu tun hatte. Ich hatte zwar schon öfter Krokodile gesehen, aber das hier war abartig groß.Ich erinnerte mich an El Paso im vorletzten Winter, als meine Schwester und ich vom Krokodilgott Sobek angegriffen worden waren. Es war definitiv keine schöne Erinnerung. … »Bonusgeschichte« Der Sohn des Sobek | Aus dem Englischen von Claudia Max [In: Helden des Olymp: Das Zeichen der Athene | Aus dem Englischen von Gabriele Haefs ab 12 Jahren | 2013, Carlsen Verlag | 640 Seiten | ISBN 978-3-551-55603-5 | Hardcover]
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    Zoë Marriott | Frostblüte
    April 21, 2015
    Übersetzt aus dem Englischen von Claudia Max. ab 14 Jahre | Oktober 2013 | Carlsen Verlag | 464 Seiten | ISBN: 978-3-551-31270-9 | Softcover Keywords: Fantasy, Liebe, Abenteuer, Freundschaft Inhalt: Frost lässt keinen an sich heran – aus gutem Grund: Sie trägt einen Wolfsdämon in sich, der immer dann hervorbricht und sie wahllos töten lässt, wenn sie verletzt oder von Gefühlen überwältigt wird. Als sie sich notgedrungen einer Schar Krieger anschließt, die das Königreich vor Aufständischen schützen, weckt sie schnell das Interesse von Luca, dem Anführer, und das Misstrauen von Arian, seinem besten Freund. Beide Männer spüren, dass sie etwas verbirgt. Und Frost ahnt bald, dass einer von ihnen das Feuer ihrer Gefühle entfachen wird. Doch zu welchem Preis? Zoë Marriott: Homepage | Carlsen Verlag [Textprobe]  
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    Geoff Rodkey | Die Legenden der Blauen Meere – Dreckswetter und Mörgenröte
    April 20, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max. ab 12 Jahren | Oktober 2013, Carlsen Verlag | 368 Seiten | 978-3-551-55641-7 | Laminierter Pappband Keywords: Abenteuer, Fantasy, Echtes Leben, Familie, Liebe, Spannung Inhalt:  Egbert ist nicht zu beneiden. Mit zwei fiesen Geschwistern – Venus und Adonis – und einem miesepetrigen Vater lebt er auf der öden Insel Dreckswetter, wo er auf der Stinkfruchtplantage aushelfen muss. Dass der Vater eines Tages alle Kinder einfach so auf die sonnige Nachbarinsel Morgenröte einlädt, kann eigentlich nicht wahr sein! Doch vor lauter Marmeladenkuchen und Krocketspielen mit der umwerfenden Millicent hat Egbert kaum Zeit, sich darüber zu wundern. Dann verschwindet seine Familie bei einem Ballonunfall, und auch ihm trachtet man nach dem Leben. Hat das alles mit dem legendären Schatz des Hutmatozal zu tun? Geoff Rodkey: Biographie | Homepage | Interview | Wikipedia [Textprobe]  [Originaltext] © 2013, by Geoff Rodkey. | Deutsche Übersetzung: Claudia Max. Besprechung der Übersetzung in der SZ vom 08.10.2013 … Ein Cliffhanger, der weitere Spannung verspricht, die auch durch die vorzügliche Übersetzung gesichert ist.…
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    Anna Carey | Eve & Caleb, Band 2: In der gelobten Stadt
    April 19, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 14 Jahre | erschienen August 2013 | Loewe Verlag | 320 Seiten | ISBN 978-3-7855-7104-0 | TaschenbuchKeywords: Dystopie, Liebe, Abenteuer, FreundschaftInhalt: Eve gerät in die Fänge der Soldaten des Neuen Amerika und wird aus dem sicheren Califia in die Stadt aus Sand verschleppt. Hier erfährt sie, dass ihr Freund Caleb noch lebt, und weshalb der König so unerbittlich nach ihr suchen ließ. Gefangen im Palast ist es lebensgefährlich, mit Caleb und den Rebellen Kontakt aufzunehmen. Doch Eve wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder mit Caleb vereint zu sein. Bald wird sich zeigen, ob sie bereit ist, dafür alles zu riskieren. "In der gelobten Stadt" ist der zweite Band der Eve & Caleb-Trilogie. Anna Carey: Homepage | Loewe Verlag [Textprobe]  
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    Mark Cotta Vaz | Seelen – Das offizielle Buch zum Film
    April 18, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max und Birgit Schmitz. ab 14 | erscheint April 2013, Carlsen | 144 Seiten | ISBN 987-3-551-58313-0 | Softcover Keywords: Filmbuch Inhalt: Mit zahlreichen Bildern und Exklusivberichten vom Set, vielen persönlichen Erinnerungen der Crewmitglieder und Interviews mit den Stars – darunter Saoirse Ronan, Jake Abel, Max Irons und Diane Kruger, William Hurt und Frances Fisher Mark Cotta Vaz gewährt uns einen spannenden Blick hinter die Kulissen: Wie kann man im Studio einen reißenden Fluss nachbilden? Gibt es diese weit verzweigten Höhlen wirklich? Und wie erging es den Darstellern und Crewmitglieder bei dem Dreh mitten in der heißen Wüste? Mark Cotta Vaz: Biographie | Amazon  
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    Rick Riordan | Die Kane Chroniken – Der Feuerthron
    April 17, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max. ab 12 | erschienen März 2013, Carlsen Verlag | 528 Seiten | ISBN 978-3-551-55589-2 | Hardcover + epub Keywords: Fantasy, Kinder- und Jugendliteratur Inhalt: Der finstere ägyptische Gott Seth ist besiegt! Carter und Sadie Kane könnten sich also ganz ihrer neuen Aufgabe widmen: der Ausbildung von Nachwuchs-Magiern. Doch schon wieder kommt etwas dazwischen. Die Chaos-Schlange Apophis erhebt sich und strebt nach der Weltherrschaft. Der Einzige, der sie zurückschlagen könnte, ist der Sonnengott Re. Sadie und Carter müssen ihn unbedingt auf ihre Seite bringen. Allerdings wirkt der Gott etwas – nun ja – unmotiviert. Um ihn aus seiner Lethargie zu wecken, brauchen die Kane-Geschwister mehr als ihre magischen Kräfte. Siehe auch: Die Rote Pyramide | Band 1 Rick Riordan: Homepage | Wikipedia [Textprobe] © 2013, by Rick Riordan. | Deutsche Übersetzung: Claudia Max.
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    Siobhan Vivian | Nur eine Liste
    April 16, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 12 Jahre | Januar 2013 | Ravensburger Buchverlag | 410 Seiten | ISBN: 978-3-473-40092-8 | Hardcover Als gebundenes Buch bei Bertelsmann | EAN: 9783473400928 | 416 SeitenKeywords: Coming of Age, Mädchen, High School, Liebe, Freundschaft, Schönheit, MobbingInhalt: Jedes Jahr wird an der Mount Washington Highschool eine Liste veröffentlicht, die acht Mädchen zu den hübschesten oder hässlichsten ihres Jahrgangs kürt. Aber nicht nur für die vermeintlich hässlichsten Mädchen ist die Nominierung eine schwere Bürde. Auch die als hübsch benannten Mädchen haben zu kämpfen – sei es, das einmal erreichte Ziel von normierter Schlankheit zu erhalten oder sich gegen die Missgunst ihrer Klassenkameradinnen und Freundinnen zu verteidigen. Die zerstörerische Kraft der Liste trifft alle in der Schule. Wer hat sie verfasst?Ein wichtiger Beitrag zum Thema Schönheitswahn und Normierungszwang unter Jugendlichen und Mobbing in der Schule.Siobhan Vivian: Homepage | Amazon[Textprobe]
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    Natalie Standiford | Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern
    April 15, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max ab 14 Jahren | erschienen Oktober 2012, Carlsen Verlag| 384 Seiten | ISBN 978-3-551-58274-4 | Hardcover Keywords: Mädchen, Coming-of-Age, Jugendliteratur Inhalt: Die Sullivan-Schwestern haben ein Problem: Ihre reiche, tyrannische Großmutter fordert ein schriftliches Bekenntnis all ihrer Missetaten. Andernfalls will sie die ganze Familie enterben. Also beichten die drei: Norrie hat sich beim Schnelllesekurs in Robbie verliebt. Der ist sieben Jahre älter als sie. Aber ist das denn so schlimm? Jane schreibt einen Blog über ihre Familie: myevilfamily.com. Aber was kann sie für ihre Vorfahren? Und Sassy glaubt, dass sie unsterblich ist. Mehrmals wird sie vom Auto angefahren, und nie passiert etwas. Aber muss jemand anders nun für ihre Unsterblichkeit bezahlen? Und darf sie so was überhaupt denken? Drei energische, unerschrockene und ganz unterschiedliche Mädchen bekennen ihre kleinen Sünden, die vielleicht gar keine sind. Natalie Standiford: Amazon | Rezension [en] | Rezension [de] [Textprobe PDF] Online-Publikation der übersetzten Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des Carlsen Verlags. Publication of translated excerpts by courtesy of the Carlsen Verlag.
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    Michael Dahl | Superman 09: Kryptons letzter Sohn
    April 14, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. 2./3. Klasse | erschienen November 2012 | Fischer Schatzinsel | 58 Seiten | ISBN 978-3-10-402476-9 Keywords: Erstleser, Comic, ‚nur für Jungs' Inhalt: Der ferne Planet Krypton ist dem Untergang geweiht. Um ihren Sohn zu retten, schicken der Wissenschaftler Jor-El und seine Frau ihn hinaus ins Weltall. Als sein Raumschiff auf der Erde notlanden muss, wird der Junge von den Farmern Jonathan und Martha Kent entdeckt, die ihn bei sich aufnehmen – und bald herausfinden, über welch seltsame Kräfte der Neuankömmling verfügt … Michael Dahl: hat bereits über 200 Bücher für Kinder und Jugendliche verfasst und ist ein gefragter Experte für Jungsbücher. Homepage | Amazon | Fischer Verlag [Textprobe PDF]
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    Blake A. Hoena | Superman 05: Gefahr aus dem Weltraum
    April 13, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. 2./3. Klasse | erschienen August 2012 | Fischer Schatzinsel | 58 Seiten | ISBN 978-3-596-85515-5 Keywords: Erstleser, Comic, ‚nur für Jungs' Inhalt: Ein außerirdisches Raumschiff hat zwischen Sonne und Erde ein Lichtnetz aufgebaut, das alle Sonnenstrahlen abfängt. Ohne diese Strahlen verliert Superman seine Kräfte – und das wollen sich Kalibak und seine finsteren Aliens zunutze machen, um Superman auszuschalten und die Erde zu erobern. Kann Superman seine Kräfte zurückerlangen und sie aufhalten? Blake A. Hoena: Als Kind schrieb Blake A. Hoena gerne Geschichten über Trolle, die den Wald hinter seinem Haus unsicher machten. Als Erwachsener hat er bereits über 30 Kinderbücher veröffentlicht. Homepage | Amazon [Textprobe PDF]
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    Eric Stevens | Superman 04: Metallo erwacht
    April 12, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. 2./3. Klasse | erschienen August 2012 | Fischer Schatzinsel | 58 Seiten | ISBN 978-3-596-85514-8Keywords: Erstleser, Comic, ‚nur für Jungs'Inhalt: Der Verbrecher John Corben glaubt, an einer tödlichen Krankheit zu leiden. Um sein Leben zu retten, lässt er sich von den Wissenschaftlern des Schurken Lex Luthor operieren – und erwacht als Metallo, halb Mensch und halb Roboter. Metallo soll mit einer Geheimwaffe Superman aus dem Weg räumen. Doch schon bald stellt er fest, dass Luthor und die Wissenschaftler ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt haben …Elizabeth-Chandler: lebt als Autor in St. Paul, USA. Amazon[Textprobe PDF]
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    Michael Dahl | Superman 03: In der Hand des Bösen
    April 11, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. 2./3. Klasse | erschienen August 2012 | Fischer Schatzinsel | 58 Seiten | ISBN 978-3-596-85513-1Keywords: Erstleser, Comic, ‚nur für Jungs'Inhalt: Die Reporter Clark Kent und Lois Lane berichten gerade über die Eröffnung des neuen Naturkundemuseums, als das riesige Skelett eines Blauwals plötzlich zum Leben erwacht. Doch das ist noch längst nicht alles, denn Mister Mxyptlk ist aus der fünften Dimension zurückgekehrt, um seine gemeinen Späße zu treiben – und gegen seine magischen Kräfte scheint selbst Superman machtlos zu sein …Michael Dahl: hat bereits über 200 Bücher für Kinder und Jugendliche verfasst und ist ein gefragter Experte für Jungsbücher.Homepage | Amazon[Textprobe PDF]
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    Chris Everheart | Superman 02: Die Spielzeuge des Schreckens
    April 10, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. 2./3. Klasse | erschienen August 2012 | Fischer Schatzinsel | 58 Seiten | ISBN 978-3-596-85512-4 Keywords: Erstleser, Comic, ‚nur für Jungs' Inhalt: Als der Verbrecher Bruno Mannheim bei einer Parade Weihnachtsgeschenke an Kinder verteilt, kommt das den Reportern Clark Kent und Lois Lane äußerst verdächtig vor. Als die Spielzeuge dann plötzlich beginnen, Menschen anzugreifen, scheint die Sache klar. Doch in Wahrheit steckt jemand ganz anderes dahinter, und der ist noch viel gefährlicher: Toyman, der Spielzeugmann! Chris Everheart: lebt als Autor mit seiner Familie in Minneapolis, USA. Homepage | Amazon [Textprobe PDF]  
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    Anna Carey | Eve & Caleb –Band 1: Wo Licht war
    April 9, 2015
    Übersetzt aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 14 Jahre | erscheint Januar 2013 | Loewe Verlag | 304 Seiten | ISBN: 978-3-7855-7103-3 | TaschenbuchKeywords: Dystopie, Liebe, Abenteuer, FreundschaftInhalt: Seit ihre Mutter während der Pestepidemie vor 16 Jahren gestorben ist, lebt Eve in einer Schule des Neuen Amerika. Hier wird sie zu einem wertvollen Mitglied der neuen Gesellschaft ausgebildet – glaubt sie zumindest. Als Eve erkennt, wofür sie und die anderen Mädchen missbraucht werden sollen, flieht sie. Doch auf ein Überleben in der Wildnis und auf die Flucht vor den Soldaten des Regimes ist Eve nicht vorbereitet. Unerwartet hilft ihr Caleb, ein junger Rebell, der aus einem der Arbeitslager des Regimes geflohen ist. Kann Eve ihm trauen? Sie weiß, die Soldaten werden die Suche nach ihr nicht aufgeben, und Caleb ist ihre einzige Möglichkeit zu überleben. Sie muss ihr Leben in die Hände eines Fremden legen. Anna Carey: Homepage | Loewe Verlag [Textprobe]  
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    Rick Riordan | Die rote Pyramide
    April 8, 2015
    Aus dem Englischen von Claudia Max. ab 12 | erschienen Dezember 2011, Carlsen | 608 Seiten | Hardcover | ISBN 978-3-551-55587-8 | Januar 2014 | Taschenbuch | ISBN 978-3-551-31284-6 Keywords: Fantasy, Kinder- und Jugendliteratur Inhalt: Ein Besuch im Museum? An Heiligabend? Eine bescheuerte Idee, findet Sadie. Sie sieht ihren Vater, den berühmten Ägyptologen Dr. Julius Kane, ja ohnehin nur zwei Mal im Jahr – und dann muss er sie und ihren Bruder Carter ausgerechnet ins British Museum schleppen. Aber ihr Vater will ihnen gar keine verstaubten Sarkophage zeigen – er plant nicht weniger, als den ägyptischen Gott Osiris zu beschwören. Doch das geht schief, und er wird von einem unheimlichen glutroten Typen entführt. Um ihn zu befreien, müssen Sadie und Carter es mit der gesamten ägyptischen Götterwelt aufnehmen. Rick Riordan: Homepage | Wikipedia [Textprobe] © 2011, by Rick Riordan. | Deutsche Übersetzung: Claudia Max.  
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    Elizabeth Chandler | Saved by an Angel
    April 7, 2015
    Aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 13 | erschienen Januar 2012, Loewe Verlag | 272 Seiten | ISBN 978-3-7855-7075-3 Keywords: Fantasy, Liebesgeschichte, Coming of Age, Jugendliteratur Inhalt: Wem kannst du noch trauen, wenn du dir selbst nicht mehr trauen kannst? Wo bist du noch sicher, wenn dein Mörder in deinem Haus ein und aus geht? Und wenn deine große Liebe gestorben ist, kannst du dann je wieder glücklich sein? Gibt es eine Liebe nach dem Tod? Ivy ist einem neuen Anschlag des Mörders nur knapp entgangen. Doch alle glauben, Ivy hätte in ihrer Trauer um Tristan versucht, sich das Leben zu nehmen. Nur Tristan und ihr kleiner Bruder Philip wissen, was wirklich geschehen ist. Denn sogar Ivy selbst fehlt jede Erinnerung an den grauenhaften Vorfall. Sie ahnt nicht, wie nah ihr der Mörder tatsächlich ist. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er seine Schlinge endgültig zuzieht!. Elizabeth-Chandler: Amazon [Textprobe PDF] © 2011, by Elizabeth-Chandler | Deutsche Übersetzung: Claudia Max. Online- Publikation der übersetzten Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des Loewe Verlag. Publication of translated excerpts by courtesy of the Loewe Verlag.
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    Elizabeth Chandler | Loved by an Angel
    April 6, 2015
    Aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 14 | erschienen Oktober 2011, Loewe Verlag | 238 Seiten | ISBN 978-3-7855-7369-3 Keywords: Fantasy, Liebesgeschichte, Coming of Age, Jugendliteratur Inhalt: Als Stewart (13) und sein Vater aus ihrem Hippiehäuschen samt Kater und Häkeldecke ins gestylte Designerheim von Ashley (14) und ihrer Mom ziehen, sind nicht alle gleich glücklich. Während Stewart doch nur eine gute Geschwisterbeziehung aufbauen will, geht Ashley der nerdige Patchworkbruder total auf die Nerven. Denn womöglich könnte »Spewart« ihr peinlichstes Geheimnis ausplaudern: dass ihr Vater schwul ist und deshalb die Familie verlassen hat. Nach harten anfänglichen Auseinandersetzungen geraten die Geschwister in einen Strudel von Ereignissen, der sie einander näher bringt, als sie sich je hätten träumen lassen. Susin Nielsen: Biographie | Homepage | cbt Verlag [Textprobe]
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    Robin Wasserman | Wired
    April 5, 2015
    Aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 16 | erschienen September 2011, Script 5 | 380 Seiten | ISBN 978-3-8390-0115-8 Als Taschenbuchausgabe bei Ravensburger | 384 Seiten | ISBN-13: 978-3473584703 Keywords: Science Fiction, Dystopie, Coming of Age, Bildungsroman, Gesellschaftsroman, Jugendliteratur Inhalt: Nach dem gewaltsamen Zusammenstoß mit der Bruderschaft in Crashed tritt Lia nun als Botschafterin von BioMax auf, um für Toleranz und Verständnis für die Mechs zu werben. Viele Mechs stehen ihrem Engagement kritisch gegenüber. Ein grausamer Zwischenfall – bei dem Rileys Identität unwiderruflich ausgelöscht wird - macht Lia schließlich klar, dass BioMax doppeltes Spiel mit ihr spielt. Wenig später finden die Mechs heraus, dass BioMax ihre virtuellen Identitäten benutzt hat, um Kriegsmaschinerie mit künstlicher Intelligenz zu produzieren. Da ihnen die Mechs zunehmend lästiger werden, plant der Konzern den letzten Schlag: die komplette Vernichtung aller virtuellen Mech-Identitäten. Unter dem Vorwand helfen zu wollen, treibt BioMax die Mechs in konzentrationslagerähnliche Einrichtungen, um am Tag X sämtliche Daten zu löschen und die Mechkörper zu entsorgen. Jude und Lia unternehmen einen verzweifelten Rettungsversuch. Beim großen Showdown in einer der gigantischen Serverfarmen muss sich Lia jedoch der Wahrheit stellen: Sie kann die Mechs gegen den übermächtigen Konzern nicht retten. Aber: Sie kann zum virtuellen Weltgewissen werden… Robin Wassermann: Homepage | Amazon [Textprobe PDF]   Schluss mit Geheimnissen »Sei einfach unwiderstehlich.« Das ist alles nicht echt. »Das ist alles echt«, sagte ich, weil die Stimme in meinem Kopf mir das so befahl. Weil Maschinen Befehle befolgen und ich eine Maschine bin. Das bin nicht ich. »Das bin ich«, sagte ich. Weil man mir das Lügen einprogrammiert hatte. Man sieht alles, nur das Entscheidende nicht. »Was drauf steht, ist auch drin«, sagte ich lächelnd. Was man sieht: perfekte Lippen, zu einem perfekten Lächeln verzogen. Perfekte Haut, die sich straff über einen perfekten Körper spannt. Was man sieht: Hände, die zugreifen, Beine, die sich beugen, Augen mit verständnisvollem Blick. Man sieht eine Maschine, die die Rolle spielt, für die man sie gebaut hat. Man sieht eine lebende Tote. Man sieht einen Freak, einen Tabubruch, eine Sünde, eine Heldin. Man sieht eine Mech; man sieht einen Skinner. Man sieht, was man sehen will. Nur mich sieht man nicht. »Es macht dir also nichts aus, dass Tausende von Menschen dich auf Schritt und Tritt beobachten?«, fragte die Interviewerin. Sie schwitzte unter dem Licht der Scheinwerfer – ich nicht. Maschinen schwitzen nicht und frieren nicht; wir stehen Dinge durch. Diese Moderatorin stand im Ruf, ihre Interviewpartner reihenweise zum Heulen zu bringen, aber in meinem Fall hätte sie vermutlich eher einem Toaster Tränen entlockt. Sie musste also mit etwas anderem aufwarten. Musste besonders viel Gefühl zeigen, um meinen Mangel an selbigem auszugleichen. Brauchte feucht schimmernde Augen, im passenden Moment rosige Wangen, um Wut oder Leidenschaft anzudeuten, und ein wirkungsvolles Schaudern, wenn wir über die wirklich blutigen Details sprachen: was nach dem Unfall kam, das Hochladen matschiger Hirnmasse in sterile Hardware, das Sterben und Wiedererwachen. Ich muss zugeben, dass sie eine bessere Show abzog als ich. Andererseits lässt sich Menschlichkeit natürlich leichter spielen, wenn man tatsächlich ein Mensch ist. »Hast du nicht das Gefühl, dass du für uns eine Show abziehen musst? Willst du nicht auch etwas für dich behalten, etwas, das nur dir gehört?« Künstliche neuronale Synapsen feuerten; elektrische Impulse sausten durch künstliche Kanäle und verpassten künstlichen Nervenzellen einen elektrischen Schock. Meine perfekten Schultern zuckten. Meine perfekte Stirn verzog sich zu einem Stirnrunzeln, das einer menschlichen Gefühlsäußerung ziemlich nahekam. »Warum sollte ich?«, fragte ich. Seit zwei Wochen ging das jetzt so. Zwei Wochen, in denen ich mich für sie auftakelte und vor ihren Kameras posierte, ihre Worte nachsprach, ihre Befehle befolgte. In denen ich mich immer tiefer in mich verkroch und verzweifelt nach einem versteckten Zufluchtsort suchte, in den ihre Kameras nicht eindringen konnten, irgendeinen dunklen und sicheren und leeren Ort, der nur mir gehörte. Reiß die Augen auf. Leg den Kopf schief. Lächle. »Ich habe ja nichts zu verbergen.« Tag eins. »Die Befehle werden direkt in dein auditorisches Zentrum geleitet und es wird sich anhören, als käme die Stimme aus deinem Kopf«, erklärte Ben und prüfte ein letztes Mal die Ausrüstung, ganz der Mitarbeiter der Woche, als den ich ihn kannte. Der beste Ausbesserer kaputter Mechs bei BioMax – Ausbesserer, Wartungsprofi , gelegentlich Konstrukteur, aber nicht Arzt, darauf legte er großen Wert. Ärzte kümmerten sich um echte, lebendige Orgs, Ben hingegen brachte kaputte Maschinen in Ordnung, die bloß wie Menschen aussahen. In den letzten sechs Monaten hatte sich jede Einzelheit in meinem Leben bis zur Unkenntlichkeit verändert, nur Ben war der Alte geblieben: dieselben geschmacklosen, geschniegelten Anzüge, dasselbe gegelte Haar, dieselbe maskenhafte Attraktivität. Dieselbe Masche falscher Bescheidenheit, so nach dem Motto: Ach, Quatsch, ich bin überhaupt nicht wichtig, niemand, vor dem man Angst haben muss, ganz bestimmt niemand, der dir etwas verheimlichen oder dich beeinflussen und erpressen oder über Leben oder Tod deines erstaunlich naturgetreuen Körpers entscheiden würde. Ich bin einfach ein Typ wie jeder andere, du kannst mich also Ben nennen. »Manche Leute lassen sich von der Stimme verunsichern –« »Ich komm damit schon klar«, erwiderte ich knapp. Ich hatte bereits früher Stimmen in meinem Kopf gehabt. Zu den zahlreichen Vorzügen, die das Dasein als Mech bot, gehörte die Möglichkeit, »sich aufrüsten« zu lassen. Zum Beispiel mit einem neuronalen Implantat, über das ich lautlos mit anderen Mechs sprechen und ihre Stimmen in meinem Kopf empfangen konnte. Oder mit Infrarotsicht und einem eingebauten Navi und all der anderen nichtmenschlichen Zusatztechnik, die man mir entfernt hatte, als ich wieder bei meinen Org-Eltern und meiner Org-Schwester einzog und vorgab, in mein Org-Leben zurückzukehren. Als könnte ich die Augen schließen, mir etwas wünschen und plötzlich wieder organisch sein, plötzlich wieder die lebendige Lia Kahn sein, die vor einem Jahr ins Auto stieg, auf die Autobahn fuhr, in einen Speditionslaster krachte und in tausend verkohlte, blutige Stücke zerfetzt wurde. »Ich will sichergehen, dass du verstehst, wie alles funktioniert«, fuhr Nenn-mich-Ben gewohnt penetrant fort. »Wenn es erst einmal losgeht, haben wir keine Gelegenheit mehr, uns so zu unterhalten.« »Wie bedauerlich.« Er überhörte meine Bemerkung. »Falls du noch Fragen hast, frag lieber jetzt.« »Wenn Lia sagt, dass sie damit klarkommt, dann kommt sie damit klar.« Das war Kiri Napoor, die PR-Chefin und sozusagen mein persönlicher Draht zu den Mächtigen von BioMax. Sie zwinkerte mir zu, das hieß in Kiri-Sprache: Ich weiß, er ist ein Langweiler, aber spiel einfach mit. Kiri war mein Wachhund und dafür verantwortlich, dass ich hundertprozentig die Konzernpolitik vertrat. Als sie mir das erste Mal von ihr erzählten, erwartete ich eine weibliche Version von Nenn-mich-Ben, irgendeine Labertante mit ordinären Extensions und straff gezurrter Haut, die ein paar Mal zu oft geliftet worden war, eine Nervensäge, die mir den ganzen Tag hinterherlaufen und jedes Wort von mir umgehend an die Oberherren bei BioMax weitertratschen würde. Stattdessen entpuppte sie sich als Kiri, mit glattem lila Haar, Dauergrinsen und einem unfehlbaren Geschmack, der punkig genug war, um sie unangestrengt cool aussehen zu lassen (Bei unserem ersten Treffen trug sie ein Etuikleid im Retro-Slumstil und dazu Stiefel, die mit dem Network verlinkt waren und Mangarock-Vids abspielten). »Du hast behauptet, du willst den Mechs helfen«, hatte sie an jenem ersten Tag gesagt. »Also gehe ich davon aus, dass es dir ernst ist. Ich bin hier, um dir zu helfen, nicht um dir hinterherzuspionieren.« Das klang sehr nach den Sprüchen, mit denen mich Nenn-mich-Ben volltextete, seit ich bei BioMax eingestiegen war. Aber bei Kiri deutete etwas in ihrer Stimme an, dass sie von dem Konzern ebenso wenig hielt wie ich und dass es ihr mit dem Blödsinn, der aus ihrem Mund kam, nicht anders ging. Dann hatte sie Nenn-mich-Ben hinausgeworfen und ihm erklärt, künftig müsse er, wenn er mich nerven wolle, zuerst sie nerven. Damit war unser Deal besiegelt. Nur wegen Kiri hatte ich mich überhaupt auf diese bescheuerte Aktion eingelassen. Es war ihre Idee gewesen, also konnte es nicht völlig daneben sein. Zumindest wollte ich das glauben, als sie mich dazu überredete. In einem VidLife aufzutreten bedeutete, mich mit Mikrokameras und Mikrofonen verkabeln zu lassen, sodass jeder, der Lust hatte, jede Bewegung von mir verfolgen konnte. Schlimmer noch, es bedeutete, dass ich jede Rolle spielen musste, die meine Zuschauer von mir verlangten. Es war die perfekte Mischung aus Melodrama nach Drehbuch und totaler Realität, Tag für Tag, rund um die Uhr. So hatten sie es in der Werbung angepriesen, als es mit den VidLifes losging. Deine Lieblingsfiguren sprechen deinen Text, den du ihnen zuvor ins Ohr geflüstert hast, dröhnen sich mit deinem Lieblings­stimmungs­modifizierer zu, fangen was mit dem Typen an, den du gut findest, leben ihr Leben nach deinen Regeln und ruinieren es zu deiner persönlichen Unterhaltung. Ich redete mir ein, das VidLife sei auch nichts anderes als das, was ich die letzten sechs Monate als Paradebeispiel einer rundum glücklichen Mech von BioMax gemacht hatte; als ich getan hatte, was sie mir sagten, gesagt hatte, was sie mir befahlen, als ich bei Vorstandstreffen und Pressekonferenzen und Gesetzgebungsausschüssen gekatzbuckelt hatte; kurz: als ich an ihren Fäden hing. Angefangen hatte ich damit, weil mich mein Vater darum gebeten hatte, und noch immer machte ich gute Miene zum bösen Spiel und hielt mich an unseren Handel – ich bekam all den Bonus, den ich brauchte, um Riley zu helfen, und mein Vater bekam seine Tochter zurück. Oder zumindest einen annehmbaren Abklatsch derselben. Und nachdem ich die Pflichtauftritte absolviert hatte, um die er mich bat, machte ich einfach weiter. Ich war schon immer eine gute Schauspielerin gewesen und dieses Mal diente das Theater wenigstens einem guten Zweck. Kleine Schritte, so sah der Plan aus. Überzeuge die Orgs davon, dass die Mechs keine Bedrohung darstellen, dass sie niemandem schaden wollen. Dass wir nicht anders sind als sie. Dass wir jung und dumm sind – aber auch relativ reif. Sorglos, aber auch verantwortungsbewusst. Berechenbar, aber genau wie gleichaltrige Orgs anfällig für belanglose Zankereien und Partys. Es bedeutete, sich auf einem schmalen Grat zu bewegen und unterschiedlichen Zuhörern nach dem Mund zu reden. Kiri entwarf passgenau die nüchternen Vorträge, die ich vor Vorständen hielt, oder die Rolle als grinsende Idiotin, in die ich mich in Werbefi lmen verwandelte: Jede Figur wurde sorgfältig auf die Umstände abgestimmt – dass keine davon zu mir passte, war anscheinend egal. Das VidLife ging mit der Schauspielerei noch einen Schritt weiter. Wir würden ihnen den Beweis liefern – Tag für Tag, in Farbe –, dass ich ebenso harmlos und oberflächlich wie eine durchschnittlich ausgeflippte reiche Tussi war. Wir würden sie dazu bringen, sich über meine Streitereien und Flirts Gedanken zu machen, über heilige Pakte und Liebesverrat. Ohne sich dessen bewusst zu sein, würden sie glauben, dass ich mir Gedanken machte, dass ich fühlte. Dass ich mich in den klein karierten Melodramen meines täglichen Lebens nicht von ihnen unterschied, oder zumindest nicht von den anderen VidLifern. Bei BioMax gab es Mitarbeiter, die nicht nachvollziehen konnten, wie ich irgendjemand von meinem »wahren« Ich überzeugen wollte, indem ich eine Rolle spielte – aber das dachten nur die, die sich keine VidLifes ansahen. Die anderen kannten die peinliche Wahrheit. Gleichgültig, wie bewusst einem war, dass man lebenden Marionetten dabei zusah, wie sie die Fantasien der Massen auslebten – je länger man am Leben der VidLifer teilnahm, umso mehr kaufte man ihnen ihre Rolle ab. Denn darum ging es schließlich bei den VidLifes: die Fantasie zu vergessen und sie als Realität anzuerkennen. Den Unterschied zwischen »Reality« und »Wirklichkeit« zu vergessen. »Fertig?«, fragte mich Nenn-mich-Ben. Ich nickte und er tauschte ein paar Gesten mit dem VidLife-Vertreter, dann bedeutete er mir mit hochgehaltenem Daumen, dass alles in Ordnung war. Das war's. Willkommen im VidLife. Nichts schien verändert. Nichts fühlte sich verändert an. Das Summen der Mikrokamera, die mir über die Schulter sah, hätte ebenso gut von einer Fliege stammen können. Sei einfach unwiderstehlich, rief ich mir in Erinnerung und wartete darauf, dass etwas passierte. Bereitete mich darauf vor, zu strahlen und zu sprühen, harmlos und unwiderstehlich zu sein, die alte Lia Kahn, die nicht mit wiederaufladbaren Akkus betrieben wurde. Wir sind dieselben wie früher, log ich auf jedem Meeting mit breitem Keramiklächeln. Wir sind perfekte Kopien unseres früheren Selbst. Wir sind genau wie ihr. Als die Stimme schließlich sprach, klang sie ausdruckslos und austauschbar. Im Wilding steigt eine Party, sagte die Stimme. Soweit ich wusste, war im Wilding immer Party. Der Club lief von früh bis spät auf Hochtouren und dann wieder bis früh: die Tänzer und Vollgedröhnten kapselten sich in einer Dauerfantasie ab. Such dir Klamotten und schau dir an, was abgeht. »Wissen Sie was?«, fragte ich strahlend. »Ich hab Lust zu tanzen. Vielleicht seh ich mich mal um, wo was läuft.« Und ohne eine Antwort abzuwarten, verdrückte ich mich aus dem bunkerähnlichen Büro und ging in Gedanken schon meine Kleider durch. Was wohl für das Wilding passte? Und was die Stimme wohl von mir verlangte, sobald ich drinnen war? Vor allem aber: Wer wohl zusah? Tag drei. Mechs werden nicht müde. Technisch gesehen brauchen wir keinen Schlaf. Natürlich müssen wir auch nicht essen und trinken oder die Beine hochlegen, wenn wir uns stundenlang mit schlenkernden Armen und zurückgeworfenem Kopf im flackernden Neonlicht drehen, während dröhnende Bässe die Wände wackeln lassen und der Boden unter den Füßen bebt, Körper sich an Körper pressen, klebrige verschwitzte, salzige Haut sich an Haut reibt – ich mittendrin. Zweiundsiebzig Stunden lang hatte ich im Wilding zugesehen, wie Tänzer herein- und hinausströmten, wie Quallen, die an Land gespült und dann wieder von der Flut hinausgezogen werden, erschöpft und ausgedörrt nach Stunden in der prallen Sonne. Bloß gab es hier im Wilding keine Sonne, keinerlei Hinweis darauf, dass die Zeit verging, oder dass außerhalb der mitternächtlichen Wände die Welt des Tageslichts existierte. Im Wilding galt offenbar nur eine Regel: Alles ist erlaubt. Das kam mir gelegen, denn ich hatte mehr als genug Geschichten über Mechs gehört, die zusammengeschlagen worden waren, weil sie sich in Clubs zu schmuggeln versuchten, in die nur Orgs durften. Aber hier war die zugedröhnte Menge zu sehr mit ihrem Getanze, ihren Shockern, ihren Dreiern und Vierern, ihrem Gelecke, ihren Zungenküssen und ihren Prügeleien beschäftigt, um mitzubekommen, was ich in Wirklichkeit war, oder um sich darüber überhaupt Gedanken zu machen. »Du brauchst einen Kerl«, brüllte mir Felicity mit einem Kichern, das fast echt klang, ins Ohr. Alles, was sie sagte, klang fast echt – dasselbe galt für Pria und Cally, die beiden anderen Stamm-VidLifer, die mich sofort in ihren Kreis aufgenommen hatten. Die Fly-Cams, die über unseren Köpfen surrten, leuchteten auf, sobald sie in Reichweite der anderen Kamera kamen, und wie auf Kommando lachten und quietschten die Lifer, strichen mir übers Haar, wirbelten mich in wilden Schleifen über die brechend volle Tanzfläche und schienen sich nicht daran zu stören, dass ich eine Mech war – das hieß natürlich nur, dass es den Figuren, die sie spielten, egal war. Cally packte meine Schultern und knetete mit den Daumen das SynFlesh durch. »Du brauchst definitiv einen Kerl«, stimmte sie zu. »Du bist viel zu verspannt.« »Ich bin bloß müde«, rief ich zurück, mein Körper wippte noch immer im Takt der Musik; Arme, Beine, Hüften funktionierten auf Autopilot, während wir auf den Wellen des SynthMetal hin- und herhüpften. »Findest du es niemals … ermüdend?« Ich meinte damit nicht müde vom Tanzen. Und das wussten sie. »Nein, nie«, antwortete Felicity und drehte sich auf der Stelle. Ihr rotes Haar bauschte sich wie eine Feuerwolke um ihren Kopf. »Aber brauchst du nie …« Ich wählte meine Worte sorgfältig. Kameras oder Privatsphäre durften nicht erwähnt werden, nichts, was die kostbare, zerbrechliche VidLife-Blase zum Platzen bringen würde. »… mal eine Pause?« »Pause wovon denn? Das ist das Leben.« Pria kicherte, warf die Arme hoch und ließ sie wie Bänder im Wind flattern und wirbeln. Sie trat seit zwei Jahren ohne einen freien Tag in VidLifes auf und ich fragte mich, ob sie überhaupt noch wusste, was echt war und was Fake. Was würde sie tun, wenn die Stimme in ihrem Kopf verstummte und sie sich selbst überlassen wäre? »Na los, such dir einen aus«, drängte mich Pria. Sie drehte mich langsam im Kreis, ihr Finger hüpfte von einem heulenden Typen mit dickem Bizeps und tränengefüllten Hundeaugen zu einem Albinoblonden und dann zu einem kunstvoll schmuddelig gestylten Typen mit nacktem Oberkörper, der total mit Xtase zugedröhnt war und zufällig wie ein Doppelgänger von Walker, meinem Org-Ex, aussah. Auf keinen Fall. »Weißt du, ich hab schon –« Ich brach ab und rief mir in Erinnerung, dass Riley während dieser zwei Wochen nicht existierte – oder genauer gesagt, Riley und ich. Keiner wollte einen VidLifer, der eine Beziehung hatte, zumindest nicht mit jemandem, der nicht an der Show teilnahm, und schon gar nicht jemanden, der mit einem anderen Mech zusammen war, einem Trottel aus der Stadt, der noch nie einen Club von innen gesehen hatte oder, falls doch, den Abend in der Ecke gesessen hätte, still und stumm wie sein Stuhl. Es wäre natürlich etwas anderes gewesen, wenn Riley sich bereit erklärt hätte, das VidLife gemeinsam mit mir zu machen. Es hätte eine zugkräftige neue Show sein können, Mechs in Pärchen, eine Gruppe, die aufeinander abgestimmt und bereit und willens war vorzuführen, wie anatomisch korrekt – wie lustvoll, wie leidenschaftlich, wie menschlich – die Zombies sein konnten. Aber Riley wäre zu so etwas niemals bereit gewesen, also hatte ich ihn nicht gefragt. Den da, entschied die Stimme in meinem Kopf für mich, als mein Blick auf einen punkigen Typen fiel, der ein paar Jahre älter war als ich und wild vor sich hintanzte. Auf seinem Irokesen steckten Nieten – silberne Armreifen umschlossen beide Arme vom Handgelenk bis zum Ellbogen. Die silbernen Abziehbilder auf seinem Hals wiesen ihn als Skinnerhead aus, als einen dieser Fetischtypen, die vorgaben, sich nach einem ewigen Leben als Mech zu sehnen – sich dann aber doch nicht so sehr danach sehnten, um sich tatsächlich das Hirn aufschneiden und in einen Computer laden zu lassen. MechTech zu tragen war der neueste Trend, zumindest bei denjenigen, die nicht durch die Straßen zogen und nach einem Mech Ausschau hielten, den sie verprügeln konnten. Manchmal trugen es aber auch die, die auf Schlägereien aus waren – es war ein schmaler Grat zwischen Liebe und Hass. Dieser Loser hielt sich eindeutig für superhip. Für irgendjemand draußen im Network war er deshalb anscheinend mein perfektes Gegenstück. Na los, bagger ihn schon an. Es brauchte nicht viel. Mein Komm-rüber-Blick war eingerostet, aber er erfüllte seinen Zweck. Vielleicht lag es an dem stecknadelgroßen goldenen Licht in der Mitte meiner Pupillen, an den toten Mech-Augen, die unter dem Neon-Stroboskop aufl euchteten, an den neckischen kurzen Einblicken auf das SynFlesh unter dem FlashShirt, dessen Stoff ständig von durchsichtig zu blickdicht wechselte. Welcher Skinnerhead konnte schon einem Skinner widerstehen? Ich liebe Riley, dachte ich, als der Skinnerhead anfi ng, seine Hüften an meinen zu reiben. Aber: Sag ihm, dass du Lust auf ihn hast, befahl die Stimme in meinem Kopf. »Ich will dich«, hauchte ich. Der Skinnerhead lächelte wie ein Wolf. Er presste seine linke Hand – die Nägel waren selbstverständlich silbermetallic lackiert – auf meine nackte Schulter. Seine Finger tasteten sich meinen Rücken hinunter und ich hoffte, dass die Kameras mein Gesicht in der Dunkelheit nicht erkennen konnten. Er drehte mich herum, presste seine verschwitzte Brust an meinen Rücken, seinen Unterleib gegen meinen Hintern, schlang die Arme um mich, eine Hand umfasste meine Brust, die andere drückte meine Taille, seine Lippen berührten die Wölbung, wo mein Hals auf die Schulter traf, und er atmete meine künstliche Haut ein. Riley und ich hatten darüber geredet. Wir hatten über die Verpflichtungen geredet, Pro und Contra abgewogen, Grenzen gesetzt. Grenzen ließen sich im Voraus allerdings schwer festlegen. Ausziehen war tabu, okay. Aber was war mit einem Rock, der kaum die Rundung meines Schenkels bedeckte, was war mit silbrigen Fingerspitzen, die unter die Netseide krochen, was war mit Beinen, die sich um Beine schlangen … Armen, die sich um Oberkörper schlossen … wie sah es mit Lippen aus? Es ist bloß gespielt, hatte ich gesagt, hatten wir uns geeinigt, rief ich mir jetzt in Erinnerung. Es bedeutet nichts. Seine Lippen lagen auf meinen. Saugten. Sabberten. Seine Zunge in meinem Mund, etwas Nasses und Fremdes erforschte weiche Stellen, an denen es nichts zu suchen hatte. Ich zählte bis zehn. Ignorierte die schmatzenden und klatschenden Geräusche, konzentrierte mich auf die Musik. Zählte bis zwanzig, schloss die Augen, als seine Zunge mein Kinn hinunterschlabberte, meine Wange hinauf, mein Ohr erforschte, während sein Körper sich noch immer an meinem rieb, langsam, langsam, langsam, selbst als die Musik lauter und schneller wurde, ein Hurrikan aus Beats. Wir waren der Ruhepol in der Mitte. Ich zählte bis dreißig. Dachte an den Zweck des Ganzen und die Botschaft, die es vermitteln würde, eine weitere Schranke zwischen Mechs und Orgs würde fallen, es gäbe noch etwas, was wir gemeinsam hatten: Begehren, Bedürfnis, Sehnsucht. Dachte an den Computer, der mein Gehirn war, und den Körper, der bloß ein Körper war, an mechanische Gliedmaßen, durch die sich Drähte wanden, an falsche Nerven, die mich fühlen ließen, es jedoch nicht schafften, dass sich etwas echt anfühlte. Zählte bis vierzig, seine Zunge schmeckte nach nichts, denn ich konnte nichts schmecken; seine Haare, sein Hals, sein Schweiß rochen nach nichts, denn ich konnte nichts riechen. Ich zählte bis fünfzig, und als sich seine Lippen mein Brustbein hinab, zu dem dunklen Schatten darunter tasteten, warf ich meinen Kopf zurück und versuchte zu lächeln. Dann kam ich bei sechzig an und stieß ihn so heftig weg, dass er rückwärtstaumelte, mit den Armen ruderte, um das Gleichgewicht zu halten, und in ein Kaffeekränzchen aufgedonnerter Tussen torkelte, die sich gegenseitig abknutschten. »Muss mir für andere auch noch was aufheben!«, rief ich und ließ zu, dass die Menge sich zwischen uns drängte, und als er sich schließlich auf die Füße rappelte, war ich verschwunden. »Lass uns über die Bruderschaft der Menschen sprechen.« Die Interviewerin setzte ein Süßstofflächeln auf. »Es sei denn, es ist zu schwierig für dich.« Ich schüttelte den Kopf. Nach zwei Wochen im VidLife hatte »schwierig« eine neue Bedeutung angenommen; das hier zählte nicht dazu. »Ich bin hier, um zu reden«, erwiderte ich. »Über alles, worüber Sie reden möchten.« »Wir alle kennen die Geschichte, wie es mit der Bruderschaft anfing«, fuhr die Interviewerin fort, danach ignorierte sie augenblicklich ihre eigenen Worte und erfreute uns mit sämtlichen Einzelheiten: wie der Ehrwürdige Rai Savona edelmütig danach gestrebt hatte, die Heiligkeit menschlichen Lebens zu bewahren; wie er zugunsten einer kleinen Organisation, die Basisarbeit gegen die Skinner leistete, auf den Thron der Faither verzichtet hatte, den Armen half, den Hungrigen zu essen gab und sich, zufälligerweise, dafür einsetzte, dass diejenigen ausgerottet würden, durch deren künstliche Adern künstliches Blut floss. Während sich die Interviewerin zu dem Teil vorarbeitete, an dem die Ereignisse einen »tragischen Verlauf« nahmen, leuchteten auf dem VidScreen hinter ihr Bilder auf: gekidnappte Mechs, an die Altarsäulen in Savonas Tempel gebunden, die »mysteriöse« Explosion am Außenrand des Tempelkomplexes, die Zerstörung einer Einrichtung, die es überhaupt niemals hätte geben dürfen – und dann das letzte Bild, Savonas rechte Hand, wie er vor der bewundernden Menge steht und sich für die Vergehen des höchsten Anführers entschuldigt. Wie er eine freundlichere, gütigere Bruderschaft unter seiner freundlicheren, gütigeren Führung verspricht. Im Kampf gegen die Skinner war Auden Heller die beste Waffe der Bruderschaft, denn sein zerstörter Körper, seine künstlichen Gliedmaßen und beschädigten Organe waren eine ständige Mahnung, welchen Schaden wir anrichten konnten. »Lia, wie fühlte es sich an –« Ich wappnete mich und wartete darauf, dass sie mir Fragen über Auden stellen würde, auch wenn man ihr erklärt hatte, dass er tabu war. Oder über Riley, der bei der Explosion verbrannt, nun aber wieder zurück war, zwar in einem anderen Körper, aber mit demselben Gehirn, das bis auf die Erinnerung, wie er gestorben war, eine genaue Kopie aller Erinnerungen des früheren Rileys enthielt. Jeder Mech besaß einen Uplinker und wir benutzten ihn täglich, um für den Fall der Fälle eine Kopie unserer Erinnerungen auf einem sicheren Server zu speichern. Solange man sich jedoch nicht gerade in dem Moment hochlud, in dem der Körper zerstört wurde, konnte man sich daran nicht erinnern. »– als Bruder Savona wieder auftauchte und sich BioMax stellte?«, beendete sie ihren Satz. Dann beugte sie sich vor, als warte sie darauf – falsch über meine technischen Einzelheiten informiert –, dass ich losheulte. »Ich war überrascht.« »Weil du zu denen gehörtest, die davon ausgingen, er wäre bei der Explosion gestorben?« Gut, daraus ließ sich etwas machen. Ich nickte und wünschte mir, ich könnte ehrlich antworten. Denn das Einzige, was mich überrascht hatte, war die Tatsache, dass ein feiger Irrer wie Savona sich auf der Eingangstreppe von BioMax niederließ und um Verurteilung bettelte. Das Einzige, was ich fühlte, war die Enttäuschung, dass er noch immer atmete. »Und wie hast du dich gefühlt –« hier bitte ein Raubtierlächeln einfügen –, »als der Sicherheitsdienst des Konzerns ihn offi ziell von jeglicher Schuld an der Rolle freisprach, die er möglicherweise bei den unerfreulichen Ereignissen im Tempel gespielt hat?« BioMax hatte eine offi zielle Darstellung der »unerfreulichen Ereignisse« veröffentlicht, wonach die Bruderschaftsfanatiker um Haaresbreite ein Gebäude plattgemacht hatten, in dem sich viele ihrer eigenen Leute aufhielten, von einer Handvoll unschuldiger Mechs ganz zu schweigen. (Selbst­verständlich waren es die Mechs, die um ein Haar all diese Orgs niedergemetzelt hätten. Da diese Art Wahrheit aber kontraproduktiv war, hielten wir alle den Mund.) »Man muss Bruder Savonas früheres Benehmen gegen seine erklärte Bereitschaft abwägen, alles wieder­gut­zumachen.« Den Text auswendig zu lernen war einfacher gewesen, als ihn herauszuwürgen. »Bruder Savonas Stimme hat offensichtlich eine große Reichweite, und jetzt, wo ihm die Augen aufgegangen sind –« »Du beziehst dich vermutlich auf seine Äußerungen, dass er bedauert, wie er die Skinner behandelt hat, und auf seine Zusicherungen, Toleranz zu üben? Glaubst du, es ist ihm mit dem, was er sagt, ernst?« Ich glaubte, dass niemand Savona jetzt, da er für BioMax als Retter nützlicher war denn als Märtyrer, noch etwas anhaben konnte. Er war der Bruderschaft wieder als inoffi zieller Berater beigetreten – als rechte Hand seiner ehemaligen rechten Hand – und von uns wurde erwartet, dass wir vergaben und vergaßen. »Wir ziehen es vor, als Mechs bezeichnet zu werden«, stellte ich der Interviewerin gegenüber klar. »›Skiner‹ ist abwertend.« Aus meinem Augenwinkel, knapp hinter dem Bereich, den die Kamera erfasste, sah ich, wie Kiri mit der Hand ein Warnzeichen gab. »Selbstverständlich«, erwiderte die Interviewerin. »Es tut mir leid. Ich hatte nicht die Absicht –« »Ich weiß.« Niemand hat je die Absicht. »Und um auf Ihre Frage zurückzukommen, Bruder Savona und Bruder Auden vermitteln eine Botschaft der Toleranz und Gleichheit, der wir hoffentlich alle vertrauen können. Ich möchte den Menschen bloß zeigen, dass Mechs nicht anders sind als alle anderen – wir sind völlig normal. Wenn uns die Bruderschaft dabei hilft, hat sie meine volle Unterstützung.« »Du bist ein Mädchen mit einem großen Herzen«, bemerkte die Interviewerin. Ich hätte sie an den drahtlosen Energieumwandler erinnern können, der es sich an der Stelle gemütlich machte, wo eigentlich mein Herz sein sollte. Aber ich ließ es sein. Tag sieben. Die Hälfte hatte ich hinter mir. Ich kann nicht mehr. »Du Schlampe!«, brüllte Cally und stürzte sich auf Pria. »Ist doch nicht meine Schuld, wenn du ihm nicht bieten konntest, was er wollte«, kreischte Pria und nahm Kampfhaltung an, um sich gegen die Blondine zu verteidigen, die auf sie losging. Sie duckte sich und packte Cally um die Knie, drehte sie auf den Kopf. Damit war Cally in der perfekten Stellung, sie in den Oberschenkel zu beißen. Pria ging in die Knie. Hände umklammerten ein Wirrwarr blonder Haare und rissen daran. Lila Nägel kratzten über blasse Haut. Sie zischten, sie schlugen sich, Zähne wurden gefletscht, Buckel gemacht, Spucke flog. Man hörte ein paar sehr undamenhafte Grunzer. Bald waren die beiden ineinander verhakt, sich windende Körper rollten wie eine riesige achtbeinige Bestie über den Marmorboden des Herrenhauses. Manchmal endeten diese Kämpfe im Krankenhaus; manchmal im Bett (oder im Schrank, dem Pool, der Dusche, dem Vorleger – auf jeder denkbaren Oberfläche). Was immer die Zuschauer verlangten. Jetzt, befahl die Stimme. Sag es ihnen. »Ihr seid beide total bescheuert«, sagte ich. »Wollt ihr euch wegen Caleb den Schädel einschlagen? Nur zu.« Die Stimme gab mir Anweisungen, aber – normalerweise – wählte ich die Worte selbst. Ein klitze­kleines Stückchen Freiheit in meinem Zombieleben. »Wisst ihr, wem das wirklich gefallen wird?«, fügte ich hinzu. »Felicity. So kriegt sie ihn nämlich ganz für sich.« Das sich windende Tier erstarrte, dann teilte es sich wieder in zwei einzelne Körper, jedes Auge, Ohr und Molekül konzentrierte sich auf meine nächsten Worte. »Natürlich hat sie schon mit ihm rumgemacht«, fuhr ich fort. »Dieses Miststück!« »Diese Schlampe!« »Dieses Flittchen!« »Ich bring sie um.« »Nur, wenn ich ihr nicht als Erste den Hals umdrehe.« »Wenn du das versuchst, dann bring ich dich zuerst um.« Die Wahrheit: Felicity hatte Caleb nie angerührt. Ich wusste nicht, ob ich log, weil ich ihn für mich haben wollte, weil ich Cally oder Pria für mich haben wollte oder weil ich Stunk anfangen wollte. Die Stimme würde es mir früh genug sagen und das wäre dann die neue Wahrheit. Nachdem der Kampf fürs Erste eingestellt und Felicity dem Tode geweiht war, konnten wir uns dringlicheren Dingen zuwenden. »Mini oder maxi?«, fragte Pria und hielt zwei Kleider vor ihren üppigen Körper. »Heute Nacht geht es im Chaos richtig ab und wir sind dabei.« »Maxi«, erwiderte ich, »keine Frage.« Denn an diesem Tag sollte ich Pria hassen und in dem wogenden schwarz-weißen Kleid sah sie wie eine schwangere Kuh aus. »Das ist mein Kleid!«, schnaubte Cally und riss es ihr aus der Hand. Pria wirkte überrumpelt, allerdings nur einen Augenblick lang. Dann verwandelte sich ihr Gesicht – die Augen verengten sich zu Schlitzen, die Muskeln spannten sich an, ihre geschwollenen Lippen zogen sich leicht nach oben. Eine meisterhafte Andeutung blanker Bosheit. »Na und?«, knurrte sie. »Steht mir sowieso besser.« Es ist dein Kleid, entschied die Stimme. Also sagte ich es. Dann fügte ich noch den Teil mit der schwangeren Kuh hinzu. Und dann lag ich auf dem Boden, mein Haar in Prias Händen und meine künstliche Haut unter ihren Nägeln. Viel Spaß beim Zerkratzen der Haut, dachte ich und verpasste ihr einen leichten unerwarteten Hieb, der ihr jede Menge Stoff für die Kameras liefern würde. Man hatte mir erklärt, dass die Zuschauer auf Auseinandersetzungen standen. Vor allem, wenn der Skinner verlor. »Jeder Skinner – Entschuldigung, Mech – hat verständlicherweise ein belastetes Verhältnis zur Bruderschaft, aber ich wage zu behaupten, dass deines noch belasteter oder auf jeden Fall komplizierter ist als das der meisten«, behauptete die Interviewerin. »Immerhin ist ihr derzeitiger Anführer, Auden Heller, ein ehemaliger Klassenkamerad von dir, das stimmt doch, oder?« Du weißt, dass es stimmt, du verlogenes Miststück. Ich hätte Kiri nicht glauben sollen, als sie behauptete, die Interviewerin hätte meine Bedingungen akzeptiert. Hinter der Bühne lässt sich leicht erklären, dass über bestimmte Dinge nicht geredet wird – man lässt seinen heimtückischen Angriff lieber vom Stapel, sobald die Kamera läuft. Ich lächelte. »Ja. Wir sind ungefähr zehn Jahre lang zusammen zur Schule gegangen.« »Und standet ihr euch nahe?«, fragte sie. »Kurz.« »Bis zu jenem Tag am Wasserfall –« »Darüber rede ich nicht.« »Das kann ich verstehen«, beschwichtigte sie und klang mitfühlend. Sie tätschelte mein Knie. Ich ließ sie gewähren. Ich ließ sie sogar die Wasserfallgeschichte herunterleiern und wie Auden um ein Haar gestorben wäre, als er versuchte, mich zu retten, den Skinner, der nicht gerettet werden musste. Meine Schuld, und deshalb – in seinen Augen und den Augen der gehirngewaschenen Massen der Bruderschaft – die Schuld jedes Skinners. »Es muss so hart für dich sein«, sagte sie. »Du willst bestimmt mit ihm reden und dich für alles entschuldigen, was passiert ist. Gibt es etwas, was du ihm jetzt gern sagen würdest?«, fragte sie mit hungrigen Augen. »Irgendetwas?« Ich würde nicht alles kaputt machen, indem ich vor laufender Kamera in die Luft ging. Zwei Wochen Elend würden nicht in die Tonne wandern, nur weil ich mir den Luxus von Selbstmitleid gönnte. Oder Privatsphäre. Letztere hatte ich für zwei Wochen aufgegeben, Ersteres ein für alle Mal. Aber ich konnte nicht gute Miene zum bösen Spiel machen. Ich wandte den Blick kurz von der Kamera ab. Kiris Lippen bewegten sich, und als sei sie die Puppe eines Bauchredners, fing die Interviewerin zu sprechen an. »Sieht aus, als wäre unsere Zeit abgelaufen«, sagte sie steif. Erstaunlicherweise erstarrte der Schweiß, der ihr übers Gesicht lief, nicht zu Eis. »Es war uns ein Vergnügen, dich hier zu haben. Bitte komm wieder.« Ich lächelte, als meinte ich es ehrlich. »Jederzeit.« Vielleicht war ich ja trotz allem die bessere Schauspielerin. Tag fünfzehn. »Du hast es überlebt.« Kiri zog mich nach dem Interview weg. Das war Geheimsprache und bedeutete: Du hast es nicht vermasselt. Ich wusste nicht, ob sie das Interview oder die ganzen zwei Wochen meinte; ich war zu genervt, um mir den Kopf darüber zu zerbrechen. Noch eine Nacht, dann war ich frei. Ich konnte ihr nicht dafür danken, dass sie mich gerettet hatte –sonst würden die Zuschauer erfahren, dass sie eingeschritten war. Also zog ich lediglich eine Augenbraue hoch und sie tat dasselbe. Gern geschehen. »Sie wollte mich dazu bringen, über mich selbst zu reden«, zwitscherte ich. »Gibt es etwas Besseres?« Das bedeutete in Geheimsprache: Ich weiß, ich bin schon tot … aber gib mir jetzt den Rest. Bitte. »Aha, die Lia Kahn, die wir alle kennen und lieben«, erwiderte sie. »Bist du sicher, dass du nicht zu müde bist, um heute Abend auf diese Gala zu gehen?« Eine Nacht mit großem Staraufgebot, mit der Crème de la Crème der High Society. Einer Crème, bei der man gefl issentlich übersah, dass sie mit saurer Milch zubereitet war. Wir wussten beide, dass es nur eine akzeptable Antwort gab. »Ich? Eine Party auslassen? Niemals.« Niemand hatte mir gesagt, dass die Party unter Wasser stattfand. Eine transparente Blase zog uns unter Wasser. Die Orgs waren fasziniert, drückten sich gegen die durchsichtigen Wände, beobachteten, wie Fische vorbeizogen und Algen gegen das Glas schlugen. Für sie war das alles neu, ein Abenteuer. Aber ich war durch die Tiefe geschwommen; ich kannte das Gefühl, mich im lautlosen Dunkel des Wassers zu verlieren. Ich wusste, was sich unter der Oberfl äche des Meeres verbarg – ich hatte die toten Städte und die aufgedunsenen Körper gesehen – und ich wusste, dass nur Algen und Quallen in dem Badewasser aus Giftschlamm überlebten. Die durchsichtige Kuppel war jedoch von einem kunstvollen falschen Ökosystem umschlossen, das glitzernde Wasser war sauber genug, um Regenbogenkorallenriffe und fluoreszierende Fischschulen zu erkennen. Es war das perfekte Ebenbild des protzigen Unterwasserspektakels, das in der Kuppel stattfand, synthetische Algen wogten aus dem Boden, funkelnde Lichter schwebten durch die Luft, Sterne hingen so tief, dass man sie mit einem Finger antippen und zusehen konnte, wie sie durch den Raum trieben, als schwämmen wir alle und die Schwerkraft wäre vorübergehend aufgehoben. Von jeder Oberfl äche wurden Holografien von Riffen und Wellenkämmen projiziert, nur wenn von Zeit zu Zeit ein tanzendes Paar hindurchschwebte, wurde die Illusion zerstört. Dank des Auftriebsgenerators unter dem Boden, der die Tänzer auf einem Luftkissen emporhob, schwebten sie tatsächlich. Die Party war eine Gala, normalerweise bedeutete das prachtvolle Märchenroben, aber dieses Mal war – bei denen, die besser Bescheid wussten als ich – ein eher maritimer Stil angesagt. Meerjungfrauen trieben auf schwebenden Plateauschuhen vorbei, ihr Haar war hoch aufgetürmt, damit es sich über ihren Köpfen bauschte. Es gab Haie, die so groß wie Orgs waren und mit den Zähnen knirschten, und es gab natürlich auch wieder ein paar, die sich Mühe gaben, besonders nuttig auszusehen. In diesem Fall waren es speziell verkabelte hautfarbene Bodys, die schimmernde Schuppen über nackte Bauchmuskeln, Oberkörper und Hinterteile projizierten. Ich schlenderte umher und wartete auf meine Anweisungen, überlegte, was all diese Leute tun würden, wenn sie sähen, wie das Leben unter Wasser tatsächlich war, wie das Meer die Org-Welt verändert hatte: das bleiche, aufgedunsene Fleisch, die verrosteten Autos und zerbrochenen Fenster und der ganze Schutt eines Lebens, das ein jähes Ende gefunden hatte. Und dann stellte ich mir vor, wie die durchsichtige Kuppel über unseren Köpfen bersten würde, wie sich ein Spinnennetz aus zerbrochenem Glas über unserem Kuppelhimmel ausbreiten, wie das Wasser hereintropfen würde, als wäre es Regen, dann durchbräche – und wie schließlich ein Glashagel und ein Wasserschwall alles davonschwemmen würden. Ich stellte mir vor, wie die verkleideten Meerjungfrauen sich winden und um sich schlagen würden, gefangen in ihrem wirren Haar, wie sich ihre Wangen bei einem letzten Atemzug aufblähen, wie Blasen aus ihren Mündern und Nasen aufsteigen würden, bis ihnen schließlich die Luft ausginge. Ich stellte mir vor, wie ihre Leichname langsam an die Oberfl äche steigen, mich eine nach der anderen verlassen würde, bis ich mit dem Trümmerhaufen allein wäre. Als wäre ich der letzte Mensch beim Weltuntergang. Ich verdrängte diese Vorstellungen aus meinem Kopf. Das war nicht meine Fantasie, sondern seine. Judes. Eine Welt, die von Orgs gesäubert wäre. Gereinigt, hätte er gesagt. Ich wollte nicht über die Dinge nachdenken, die er gesagt oder von denen er geträumt hatte, aber ich dachte daran und zwar öfter, als ich zugeben wollte. Vielleicht hielt ich es deshalb zuerst für eine Einbildung. Ein Schopf silberner Haare wippte über der Menge. Die rasierklingenscharfen Wangenknochen, das unerträgliche Grinsen. Zusammengekniffene goldene Augen, die mich eine unmögliche Sekunde lang ansahen, sich abwandten – und dann war er verschwunden. Niemals da gewesen, redete ich mir ein und tanzte. Mein Mech-Gehirn nahm Musik als synkopierten Lärm wahr. Das Gefühl, alles loszulassen, mich mit Körper und Selbst in den hämmernden Klängen zu verlieren, gab es nicht mehr. Es gab nur noch lautlose Befehle vom Gehirn an die Gliedmaßen. Winde dich. Dreh dich. Spring. Winke. Lass die Füße schleifen. Wieg dich in den Hüften. Die Bewegungen schienen nahtlos ineinander überzugehen; das wusste ich, denn ich hatte vor dem Spiegel geübt. Es hatte sich herausgestellt, dass es nicht besonders schwierig war, sich eine glatte Oberfläche seines Ichs zuzulegen. Wenn man die Schritte kennt; wenn man weiß, welche Muskeln man anspannen muss; wenn man weiß, wie man lächeln und wie man sprechen muss; wenn man seinen Text kennt und seine Rolle spielt, dann ist es gleichgültig, was sich hinter der Pose verbirgt. Die Hände, die sich über meine Augen legten, waren kalt. Das Flüstern in meinem Ohr klang vertraut. »Hab ich dir gefehlt?« Denk dran, sie sehen zu. Ich packte seine Handgelenke und bohrte meine Nägel hinein. Ich wusste, dass es ihn zum Lächeln bringen würde. Dann drehte ichmich langsam um, auf meinem Gesicht lag ein künstliches gefrorenes Lächeln. Genau wie auf seinem. »Hatte nicht erwartet, dich so bald wiederzusehen«, bemerkte ich lässig. Denn er war auf der Flucht, man warf ihm vor, ein Labor voller Orgs in die Luft gejagt zu haben. Ich wusste, dass er schuldig war, schließlich hatte ich ihm geholfen – und ihn gestoppt. Es war nicht unbedingt das sichere, harmlose Gesicht, das ich der Welt zeigen wollte. Er nickte, seine Augen wanderten zu der FlyCam, die über meiner Schulter schwebte, und seine vollen Lippen zogen sich nach oben. »Ich war die ganze Zeit da«, erwiderte Jude. »Vielleicht hast du nicht so darauf geachtet.« Da Riley zusehen würde, verzog ich keine Miene. Riley, der nur die Geschichte kannte, die ich ihm erzählt hatte; ein Märchen, in dem er Jude niemals betrogen, niemals kalten Hass in den Augen seines besten Freundes gesehen hatte. Wärst du nur für immer verschwunden, dachte ich. Der Schlampenfisch entdeckte ihn und fing an, ihn eifrig zu umschwärmen. Mädchen, die sich nur durch ihre Haarfarbe voneinander unterschieden, rieben sich an ihm, und er sorgte dafür dass sie nicht aufhörten, grinste über die plumpe Flirterei, machte der einen schönen Komplimente über ihre Schuppen und einer anderen über ihre kunstvollen Flügel und verkniff sich erstaunlicherweise den Kommentar, dass Fische nicht fliegen können. Er zeigte ein merkwürdiges Talent, sie einzuwickeln, indem er ihnen seine Gunst bezeugte, sie mit einem Blick ansah, der tief genug war, um sie von dem besonderen Platz in seinem Herzen zu überzeugen, flüchtig genug, um noch Hoffnung in den Herzen der anderen zu schüren. Den willst du heute Nacht, befahl mir die Stimme. Dann diktierte sie mir meinen ersten Satz. »Hast du Lust zu tanzen?« Bevor ich die Frage zu Ende bringen konnte, umschlangen mich schon Judes Arme und wir schwebten über die Tanzfläche. »Dir gefällt also das Bonzenleben«, stellte ich vorsichtig fest. Jude drehte mich aus, aber unsere Finger waren so fest ineinander verschlungen, dass ich ihm nicht entkommen konnte. »Warum sollte es mir nicht gefallen?« Wir tanzten Runde um Runde. Über unseren Köpfen funkelte das Licht und ahmte das Glitzern von Sonnenlicht auf dem Wasser nach. »Man sieht dir deine Freude, mich wiederzuhaben, richtig an.« Ich konnte in diesen katzenhaft orangefarbenen Augen nichts erkennen. Ich wusste nur, dass er etwas wollte, Jude wollte schließlich immer etwas. Es ist zu unser aller Wohl, behauptete er immer. Zum Wohl der Mechs, nicht etwa zu Judes Wohl. Es war also bloß ein Zufall, wenn es häufig auf dasselbe hinauslief. »Wir haben viel zu besprechen.« Er neigte mich so weit nach hinten, dass mein Haar den Boden berührte. »Ich steh momentan nicht so auf Reden.« Ich warf einen schelmischen Blick in die Kamera, die über unseren Köpfen surrte. »Und die Welt seufzt erleichtert auf.« »Du weißt ja: Reden wird überschätzt.« Was bedeutete: Halt die Klappe. Keine Anweisung, die er je befolgen würde. »Wenn du dich gesprächiger fühlst, gib mir Bescheid. Ich wohne anderthalb Kilometer hinter dem menschlichen Leid, wo die Natur wiederaufersteht.« »Du bist ein Rätsel, das man in einen Schwachkopf gepackt und mit Überheblichkeit umhüllt hat«, antwortete ich, so zuckersüß ich konnte. »Ist mir ein Vergnügen, wenn ich gefalle. Und da das bei dir nicht anders zu sein scheint –« Er warf noch einen Blick in Richtung der schwebenden Kameras. Ich erstarrte und wartete darauf, dass er irgendwelchen Anti-Org-Quatsch ablassen und meine ganze Arbeit zunichtemachen würde. Er zog mich an sich, eine Hand lag fest um meine Taille, die andere umfasste meine Schulter. Seine Stimme war leise, aber die Mikrofone würden sie einfangen, so wie sie alles einfingen, und er wusste es. »Komm, wir geben den Zuschauern, was sie wollen.« Hätte ich gewusst, dass es passiert, hätte ich mich vielleicht wegducken können. Vielleicht wusste ich, dass es passierte. Ich duckte mich nicht. Nur für die Kameras, redete ich mir ein. Seine Lippen waren ebenso kalt wie meine, seine Augen offen, sie beobachteten mich. Auch nicht anders als die anderen, redete ich mir ein. Seine Lippen waren so weich. Seine Brust war reglos, ein Hohlraum presste sich gegen die Leere meiner eigenen Brust. Wir passten perfekt zusammen. Das ist harmlos, redete ich mir ein. Es konnte höchstens ein paar Sekunden gedauert haben. Und dann erinnerte ich mich an das, was ich in den zwei Wochen beinahe vergessen hatte: dass ich schauspielern konnte, dass die Marionette ihre Fäden manchmal selbst ziehen konnte – und dass die Leute auf Streitereien standen. Ich knallte ihm eine. Er sah, dass es passieren würde, genau wie ich; und er ließ mich gewähren, genau wie ich ihn. Man hörte ein hartes Knallen, aber er verzog keine Miene. Auf der synthetischen Haut blieb keine wütende rote Strieme zurück. Sie sah aus, als sei nichts geschehen. »Wenn du mich willst, weißt du, wo du mich findest«, flüsterte er. Und ließ mich los. Er verschmolz mit der Menge, bevor ich ihn aufhalten konnte. Nicht dass ich es versucht hätte. Ich redete mir ein, es sei mein Wunsch, dass er ging, dieses Mal für immer. Und fast glaubte ich es. © 2010, by Robin Wasserman. | Deutsche Übersetzung: Claudia Max. Online- Publikation der übersetzten Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des script 5. Publication of translated excerpts by courtesy of the script 5.  
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    Elizabeth Chandler | Kissed by an Angel
    April 4, 2015
    Aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 14 | erschienen Juni 2011, Loewe Verlag | 256 Seiten | ISBN 978-3-7855-7360-0 Keywords: Fantasy, Liebesgeschichte, Coming of Age, Jugendliteratur Inhalt: Ivy und Tristan sind das Traumpaar der High School – bis sie eines Tages zum romantischen Abendessen aufbrechen und einen Unfall haben. Als Tristan im Krankenhaus zu sich kommt, spürt er schnell, dass etwas mit ihm anders ist als vorher. Niemand im Krankenhaus nimmt ihn wahr, als er durch die Gänge läuft, niemand hört, was er sagt. Er gleitet durch Wände, kann durch andere Menschen hindurchgehen. Er ist ein Engel geworden. Ivy hingegen überlebt und versucht ihr Leben weiterzuleben, auch wenn der Verlust von Tristan für sie kaum zu ertragen ist. Schon bald wird Tristan klar, dass der Unfall kein Unfall, sondern ein Komplott war. Als Engel wacht er über die geliebte Ivy und versucht herauszufinden, wer ihr den Tod gewünscht haben könnte. Elizabeth-Chandler: Amazon [Textprobe PDF] | Buchtrailer »Ivy?«, flüsterte er. Sie presste den Mund auf seinen Hals. Gleichzeitig streckten sie die Hand nach dem Türgriff aus und öffneten die hintere Autotür … »Ich hätte nie gedacht, dass eine Rückbank so romantisch sein kann«, sagte Ivy, lehnte sich zurück und lächelteTristan an. Dann sah sie auf den am Boden liegenden Müll. »Vielleicht nimmst du deine Krawatte mal lieber aus diesem gammligen Burger-King-Becher.« Tristan griff nach unten und schnitt eine Grimasse. Er warf das tropfende Teil auf den Vordersitz und rückte neben Ivy. »Aua!« Der Geruch zerdrückter Blumen breitete sich aus. Ivy lachte los. »Was ist daran denn so lustig?«, fragte Tristan und zog die zerquetschten Rosen hervor, aber auch er musste lachen. »Wenn jetzt jemand vorbeigekommen wäre und den Kirchenaufkleber deines Vaters auf der Stoßstange erkannt hätte?« Tristan warf die Blumen auf den Vordersitz und zog Ivy wieder an sich. Er strich über den Seidenträger ihres Kleides, dann küsste er sie zärtlich auf die Schulter. »Dem hätte ich erzählt, dass ich mit einem Engel zusammen bin.« »Toller Spruch!« »Ivy, ich liebe dich«, sagte Tristan und wurde plötzlich ernst. Sie starrte ihn an und biss sich auf die Lippe. »Das ist kein Spiel für mich. Ich liebe dich, Ivy Lyons, und eines Tages wirst du es mir glauben.« Sie schlang die Arme um ihn und hielt ihn fest. »Ich liebe dich, Tristan Carruthers«, flüsterte sie kaum hörbar in seinen Nacken. Ivy glaubte ihm und sie vertraute ihm, wie sie sonst niemandem vertraute. Sie wusste, eines Tages hätte sie den Mut, ihm noch viel mehr zu sagen, laut und deutlich. Ich liebe dich, Tristan. Sie würde es aus dem Fenster rufen und ein Transparent quer über das Schwimmbecken in der Schule spannen. Sie brauchten beide einen Moment, bis sie ihre Kleider wieder halbwegs in Ordnung gebracht hatten. Ivy musste erneut lachen. Tristan lächelte und sah ihr bei dem Versuch zu, ihre verstrubbelten blonden Haare zu bändigen – eine sinnlose Anstrengung. »Letzter Blick auf den Fluss«, sagte er, nachdem sie wieder losgefahren waren. Dann bog er von dem holprigen Waldweg auf die schmale Landstraße. Die Strahlen der Junisonne fielen auf die Westseite der Hügel von Connecticut und tauchten die Baumwipfel in goldenes Licht. Die gewundene Straße verschwand in einem Tunnel aus Ahorn, Pappeln und Eichen. Ivy hatte das Gefühl, zusammen mit Tristan unter Wasser zu tauchen. Die untergehende Sonne glitzerte herrlich über ihnen, während sie durch die Schlucht aus Blau, Purpur und Dunkelgrün glitten. Tristan schaltete die Scheinwerfer an. »Du kannst dir wirklich Zeit lassen«, sagte Ivy, »ich bin nicht mehr hungrig.« »Hab ich dir den Appetit verdorben?« Sie schüttelte den Kopf. »Vermutlich bin ich einfach satt vor Glück«, sagte sie leise. Der Wagen jagte die Straße hinunter und ging scharf in die Kurve. »Wir müssen uns wirklich nicht beeilen.« »Das ist komisch«, murmelte Tristan. »Ich frag mich, was das –« Plötzlich sah er zu seinen Füßen. »Das fühlt sich nicht …« »Fahr langsamer, ja? Es ist egal, wenn wir ein bisschen später – Vorsicht!« Ivy deutete nach vorn. »Tristan!« Etwas war aus dem Gebüsch auf die Straße gesprungen. Sie hatte nicht gleich erkannt, was es war, sondern nur eine schnelle Bewegung in der aufziehenden Dunkelheit wahrgenommen. Plötzlich blieb der Hirsch stehen. Er drehte den Kopf, seine Augen starrten in die hellen Scheinwerfer des Wagens. »Tristan!« Sie rasten auf die glänzenden Augen zu. »Tristan, siehst du das nicht?« Sie rasten immer weiter. »Ivy, irgendwas –« »Ein Hirsch!«, rief sie. Die Augen des Tieres funkelten. Plötzlich blitzte hinter dem Hirsch ein heller Lichtkegel auf und man sah nur noch seine Silhouette. Aus der anderen Richtung kam ein Auto. Sie waren von Bäumen eingeschlossen und konnten weder links noch rechts ausweichen. »Halt an!«, schrie sie. »Ich –« »Halt an, warum hältst du nicht an?«, flehte sie. »Tristan, halt an!« – 13 – Als Tristan aufwachte, versuchte er, sich zu erinnern, welcher Wochentag war und was er den Teilnehmern des Ferienschwimmkurses an diesem Tag beibringen wollte. Dem Dämmerlicht in seinem Zimmer nach zu urteilen war es noch zu früh, um aufzustehen und sich für die Arbeit anzuziehen. Während er sich zurücklehnte, dachte er an Ivy – Ivy mit offenem Haar. Nach einer Weile nahm er die Schritte auf dem Flur wahr und das Geräusch von etwas, das vorbeigeschoben wurde. Er sprang auf. Was machte er hier – auf dem Boden in einem Krankenhauszimmer bei einem Mann, den er noch nie zuvor gesehen hatte? Der Mann gähnte und sah sich um. Tristans Anwesenheit schien ihn nicht im Geringsten zu überraschen; er benahm sich, als sähe er ihn überhaupt nicht. Dann fiel Tristan wieder der Unfall ein, die Fahrt im Krankenwagen, die Worte der Sanitäterin. Er war tot. Doch er konnte denken. Er konnte andere Leute beobachten. War er ein Geist? Tristan erinnerte sich an die alte Dame. Sie hatte behauptet, sie sähe sein Licht. Wahrscheinlich hatte sie deshalb gedacht, er sei ein … »Nein, auf keinen Fall.« Er sagte es laut, aber der Mann hörte es nicht. »Das kann einfach nicht sein.« Was immer er auch war, er konnte immerhin lachen. Er lachte und wurde fast hysterisch dabei. Und er weinte auch. Plötzlich öffnete sich hinter ihm die Tür. Tristan beruhigte sich, aber es machte keinen Unterschied. Die Schwester, die hereingekommen war, nahm ihn nicht wahr, obwohl sie so dicht neben ihm stand, dass ihr Ellbogen sich durch seinen schob, während sie das Krankenblatt des Mannes ausfüllte. »9. Juli, 3:45 Uhr«, las Tristan ab. Neunter Juli? Das konnte nicht sein! Es war Juni gewesen, als er Ivy zum letzten Mal gesehen hatte. War er zwei Wochen lang bewusstlos gewesen? Würde er wieder das Bewusstsein verlieren? Warum war er bei Bewusstsein, warum war er überhaupt da? Er dachte an die alte Frau, die ihre Hand nach ihm ausgestreckt hatte. Warum hatte sie ihn bemerkt, während die Krankenschwester und die anderen ihn nicht sahen? Ob Ivy ihn wohl sehen würde? Tristan schöpfte Hoffnung. Wenn er Ivy finden konnte, bevor er wieder in der Dunkelheit versank, hätte er eine Chance, sie von seiner Liebe zu überzeugen. Denn er würde sie immer lieben. Die Krankenschwester verließ das Zimmer und zog die Tür hinter sich zu. Tristan wollte sie öffnen, aber seine Hand griff durch die Türklinke. Er versuchte es immer wieder. Doch seine Hände hatten nicht mehr Kraft als Schatten. Nun musste er warten, bis die Schwester wiederkam. Er wusste nicht, wie lange er bei Bewusstsein bliebe oder ob er sich, wie die Geister in alten Märchen, im Morgengrauen auflösen würde. Er versuchte, sich daran zu erinnern, wie er es bis in dieses Zimmer geschafft hatte, und stellte sich die Korridore vor, durch die er von der Notaufnahme aus gelaufen war. Er sah deutlich die Ecke vor sich, an der der Pfleger durch ihn hindurchgegangen war. Kaum hatte er das gedacht, bewegte er sich durch die Flure zu dieser Stelle. Das war offensichtlich der Trick: Er musste sich einen Weg im Kopf vorstellen und sich dann auf sein Ziel konzentrieren. Bald stand er draußen auf der Straße. Er hatte nicht bedacht, dass er sich ja im Kreiskrankenhaus befand und irgendwie nach Stonehill zurückmusste. Er war die Strecke jedoch oft gefahren, um seine Eltern abzuholen. Der Gedanke an sie ließ ihn innehalten. Er dachte an seinen Vater auf der Unfallstation, wie er sich über ihn gebeugt und geweint hatte. Tristan hätte ihm so gern versichert, dass alles in Ordnung war, aber er wusste nicht, wie viel Zeit ihm blieb. Seine Eltern hatten einander; Ivy war allein. Als er an Ivys Haus ankam, wurde der Nachthimmel langsam hell. Im Westflügel schimmerten schwach zwei helle Rechtecke. Andrew arbeitete anscheinend in seinem Büro. Tristan lief ums Haus und sah, dass die beiden Glastüren offen standen, um die kühle Nachtluft hereinzulassen. In Gedanken versunken saß Andrew an seinem Schreibtisch. Tristan schlüpfte unbemerkt hinein. Andrews Aktenkoffer stand offen und überall lagen Unterlagen mit dem Collegewappen. Vor Andrew auf dem Schreibtisch lag jedoch der Polizeibericht. Schlagartig wurde Tristan bewusst, dass es der offizielle Bericht über seinen und Ivys Unfall sein musste. Daneben lag ein Zeitungsartikel über sie beide. Die gedruckten Wörter hätten ihm seinen Tod greifbarer machen sollen, aber das Gegenteil war der Fall: Sie ließen Dinge, die einmal wichtig gewesen waren – sein Aussehen, seine Schwimmrekorde, seine Schulleistungen –, bedeutungslos und klein erscheinen. Nur Ivy war noch wichtig für ihn. Sie musste erfahren, dass er sie liebte und sie immer lieben würde. Er überließ Andrew seinen Grübeleien, auch wenn er nicht verstehen konnte, warum Ivys Stiefvater sich so für die Einzelheiten des Berichts interessierte, und ging die Hintertreppe hinauf. Er schlüpfte an Gregorys Zimmer vorbei, das über dem Büro lag, und lief über die Galerie, die zu Ivys Zimmer führte. Er konnte es kaum erwarten, sie zu sehen, konnte kaum erwarten, dass sie ihn sah. Er zitterte, wie er vor ihrer ersten Schwimmstunde gezittert hatte. Ob sie wohl miteinander reden konnten? Wenn ihn überhaupt jemand sehen und hören konnte, dann Ivy – ihr Glaube war so stark! Tristan konzentrierte sich auf ihr Zimmer und schlüpfte durch die Wand. Ella setzte sich augenblicklich auf. Sie hatte auf dem Bett gedöst und ihr dichtes schwarzes Fell schmiegte sich an Ivys blonden Kopf. Jetzt starrte sie ihn, beziehungsweise die Leere, verständnislos an – für Katzen ist das normal, dachte Tristan. Doch als er zur anderen Seite von Ivys Bett lief, folgten ihm Ellas grüne Augen. »Ella. Was siehst du, Ella?«, fragte er ruhig. Die Katze fing zu schnurren an und er lachte. Er stand jetzt neben Ivy. Das Haar fiel ihr ins Gesicht. Er versuchte, es wegzustreichen. Mehr als alles andere sehnte er sich danach, ihr Gesicht zu sehen, aber seine Hände waren nutzlos. »Wenn du mir doch helfen könntest, Ella«, meinte er. Die Katze lief über die Kissen auf ihn zu. Er blieb ganz ruhig stehen und überlegte, was sie wohl sah. Ella kam näher, als wollte sie sich an seinem Arm reiben. Sie kippte um und jaulte. In diesem Moment rührte sich Ivy. Leise flüsterte er ihren Namen. Ivy drehte sich auf den Rücken, und er dachte, sie würde ihm antworten. Ihr Gesicht glich einem entrückten Mond, schön, aber bleich. Ihre blonden Wimpern leuchteten und ihre langen Haare umkränzten ihr Gesicht wie Strahlen. Ivy runzelte die Stirn. Er hätte gern ihre Sorgenfalten weggestreichelt, aber er konnte nicht. Plötzlich warf sie sich hin und her. »Wer ist da?«, fragte sie. »Wer ist da? Er beugte sich über sie. »Ich bin's, Tristan.« »Wer ist da?«, fragte sie wieder. »Tristan!« Die Falte auf ihrer Stirn wurde tiefer. »Ich kann nichts sehen.« Er versuchte, ihr die Hand auf die Schulter zu legen, und wünschte sich, sie würde aufwachen, denn dann würde sie ihn bestimmt sehen und hören. »Ivy, sieh mich an. Ich bin hier!« Für einen Augenblick öffnete sie die Augen und blinzelte, dann veränderte sich ihr Gesichtausdruck: Furcht überkam sie. Sie fing an zu schreien. »Ivy!« Sie hörte nicht auf zu schreien. Er versuchte, sie festzuhalten, und schlang die Arme um sie, aber sein Körper schlüpfte durch ihren hindurch. Er konnte sie nicht trösten. Die Zimmertür flog auf und Philip stürmte herein, Gregory folgte ihm auf den Fersen. »Wach auf, Ivy, wach auf!« Philip schüttelte sie. »Komm schon, Ivy, bitte.« Nun waren ihre Augen weit aufgerissen. Sie sah zu Philip, dann wanderte ihr Blick durchs Zimmer. Doch sie nahm nicht wahr, dass Tristan neben ihr stand, sondern schaute durch ihn hindurch. Gregory legte Philip vorsichtig eine Hand auf die Schulter und schob ihn sachte zur Seite. Dann setzte er sich aufs Bett und zog Ivy an sich. Tristan sah, dass sie zitterte. »Alles wird gut«, beruhigte Gregory sie und strich ihr das Haar zurück. »Es war nur ein Traum.« Ein schrecklicher Traum, dachte Tristan bitter. Und er konnte Ivy nicht helfen, konnte sie nicht trösten. Gregory schon. Tristan spürte, wie Eifersucht in ihm aufstieg. Er konnte nicht ertragen, sie in Gregorys Armen zu sehen. Gleichzeitig konnte er nicht ertragen, dass Ivy so verängstigt und durcheinander war. Auf einmal durchflutete ihn auch eine Art Dankbarkeit für Gregory und sie war für einen Moment genauso stark wie seine Eifersucht. Doch dann siegte wieder die Eifersucht. Tristan fühlte,wie die widerstreitenden Gefühle ihn schwächten. Schließlich kehrte er den dreien den Rücken zu und ging zu den Engeln, die in Ivys Regal standen. Ella folgte ihm vorsichtig. »Ging es in deinem Traum um den Unfall?«, fragte Philip. Ivy nickte, dann ließ sie den Kopf sinken und strich immer wieder über die zerknitterten Laken. »Willst du darüber reden?«, fragte Gregory. Ivy versuchte zu sprechen, dann aber schüttelte sie den Kopf und machte eine abwehrende Handbewegung. Tristan bemerkte die gezackten Narben auf ihrem Arm, die wie die Spuren von Blitzeinschlägen aussahen. Für einen Moment spürte er, wie sich die Dunkelheit wieder anschlich, aber er drängte sie zurück. »Ich bin hier, alles ist gut«, sagte Gregory und wartete geduldig. »Ich … ich hab auf ein Fenster gestarrt«, fing sie an. »Ich sah einen Schatten, aber ich war mir nicht sicher, wer oder was es war. Ich habe ›Wer ist da?‹ gerufen.« Tristan beobachtete sie durch den Raum hinweg, ihr Schmerz und ihre Angst bedrückten ihn. »Ich dachte, vielleicht ist es jemand, den ich kenne«, redete sie weiter. »Der Schatten sah irgendwie vertraut aus. Also ging ich immer näher heran. Aber ich konnte nichts erkennen.« Sie hielt inne und sah sich im Zimmer um. »Du konntest also nichts erkennen«, half ihr Gregory weiter. »Auf der Scheibe waren noch andere Bilder, Spiegelbilder, die mich verwirrten. Ich ging näher ran. Mein Gesicht berührte fast die Scheibe. Plötzlich zerbarst sie! Und der Schatten verwandelte sich in einen Hirsch. Er krachte durch die Scheibe und rannte davon.« Sie redete nicht weiter. Gregory umfasste ihr Kinn, hob ihr Gesicht und sah ihr tief in die Augen. Tristan rief nach ihr. »Ivy! Ivy, sieh mich an«, bat er. Doch sie erwiderte Gregorys Blick, ihr Mund zitterte. »Endet der Traum damit?«, fragte Gregory. Sie nickte. Gregory fuhr ihr sanft mit dem Handrücken über die Wange. Tristan wollte, dass jemand sie tröstete, aber – »An mehr kannst du dich nicht erinnern?«, fragte Gregory. Ivy schüttelte den Kopf. »Mach die Augen auf, Ivy! Sieh mich an!«, rief Tristan ihr zu. Dann bemerkte er Philip, der die Engelsammlung anstarrte – vielleicht auch ihn; er war sich nicht sicher. Tristan legte die Hand um den Wasserengel. Wenn er doch einen Weg fände, ihn Ivy zu geben! Wenn er ihr irgendein Zeichen geben könnte – »Komm her, Philip«, sagte Tristan. »Hol die Figur und bring sie Ivy.« Philip bewegte sich wie von einem Magnet angezogen auf die Regale zu. Als er nach dem Engel griff, berührte er Tristans Hand. »Sieh mal!«, rief Philip. »Sieh mal!« »Was ist denn?«, fragte Ivy. »Dein Engel, er schimmert.« »Philip, nicht jetzt«, bremste ihn Gregory. Philip nahm den Engel vom Regal. »Möchtest du ihn in deinem Bett haben, Ivy?« »Nein.« »Vielleicht verscheucht er die schlimmen Träume«, beharrte er. »Es ist bloß eine Figur«, sagte sie müde. »Aber wir können unser Gebet aufsagen, das wird der echte Engel hören.« »Es gibt keine echten Engel, Philip! Verstehst du das nicht? Wenn es sie gäbe, hätten sie Tristan gerettet!« Philip berührte die Flügel der Figur. Er betete leise und starrsinnig: »Engel des Lichts, Engel im Himmel, wach über mich heute Nacht. Wach über alle, die ich lieb habe.« »Sag ihr, dass ich hier bin, Philip«, bat Tristan. »Sag ihr, ich bin bei ihr.« »Sieh mal, Ivy!« Philip zeigte auf die Figuren, neben denen Tristan stand. »Sie schimmern!« »Jetzt reicht's, Philip!«, unterbrach ihn Gregory streng. »Geh ins Bett.« »Aber –« »Auf der Stelle!« Als Philip an ihm vorbeilief, streckte Tristan die Hand aus, doch der kleine Junge ergriff sie nicht. Aus seinem Blick sprach Verwunderung, er schien ihn nicht zu erkennen. Was konnte Philip sehen?, fragte sich Tristan. Vielleicht dasselbe wie die alte Frau: Licht, irgendein Schimmern, aber keine Gestalt. Er spürte, wie ihn die Dunkelheit wieder überkam. Tristan kämpfte dagegen an. Er wollte bei Ivy bleiben. Er ertrug es nicht, sie vor Gregory zu verlassen. Was, wenn er sie zum letzten Mal sah? Was, wenn er Ivy für immer verlor? Er wehrte sich verzweifelt gegen die Dunkelheit, aber sie hüllte ihn wie ein schwarzer Nebel von allen Seiten ein – von vorn, von hinten, von oben, und irgendwann gab er auf. – 14 – Als Tristan aus dem traumlosen Dunkel erwachte, schien die Sonne hell durch Ivys Fenster. Ihre Laken waren glatt gestrichen, darauf lag ein dünnes Federbett. Ivy war nicht mehr da. Zum ersten Mal seit dem Unfall sah Tristan Tageslicht. Er lief zum Fenster und staunte über die Zeichen des Sommers, die vielfältigen Formen der Blätter und wie der Wind durch das Gras strich und eine grüne Woge über den Bergkamm schickte. Der Wind. Obwohl sich die Vorhänge bauschten, konnte Tristan die Kühle des Windes nicht spüren. Obwohl das Zimmer sonnendurchflutet war, konnte er die Wärme nicht spüren. Ella konnte alles fühlen. Die Katze lag ausgestreckt auf einem von Ivys T-Shirts in einem Fleckchen Sonne. Sie begrüßte Tristan, indem sie ein Auge öffnete und leise schnurrte. »Hier liegt nicht viel schmutzige Wäsche für dich rum, was?«, fragte er und dachte daran, wie die Katze immer auf seine stinkigsten Socken und Trainingssachen abgefahren war. Die Stille im Haus ließ ihn leise sprechen, auch wenn er wusste, dass selbst wenn er noch so laut brüllte – laut genug, um Tote aufzuwecken, wie man so sagte –, ihn trotzdem keiner hören würde. Die Einsamkeit war überwältigend. Tristan hatte Angst, dass er für immer so allein sein würde, dass er umherwandern und von niemand bemerkt, gehört oder als Tristan wahrgenommen werden würde. Warum hatte er die alte Dame aus dem Krankenhaus nach ihrem Tod nicht mehr gesehen? Wo war sie hingegangen? Tote Menschen kamen auf den Friedhof, dachte er, als er über den Flur zu den Treppen ging. Dann blieb er wie angewurzelt stehen. Er hatte irgendwo ein Grab! Wahrscheinlich neben dem seiner Großeltern. Er eilte die Treppenstufen hinunter, neugierig, was sie wohl mit ihm gemacht hatten. Vielleicht würde er auch die alte Frau finden, oder jemanden, der kürzlich gestorben war und das alles verstand. Als kleiner Junge war Tristan mehrmals auf dem Friedhof Riverstone Rise gewesen. Er hatte ihn nie als traurigen Ort empfunden, vielleicht deshalb, weil die Gräber seiner Großeltern seinen Vater immer inspiriert hatten, Tristan interessante und lustige Geschichten über sie zu erzählen. Seine Mutter hatte währenddessen Unkraut gezupft und das Grab bepflanzt. Tristan war herumgerannt, auf Grabsteine geklettert, hatte Weitsprung über die Gräber geübt und den Friedhof als Spielplatz und Hindernisstrecke genutzt. Doch das schien ewig her zu sein. Es war komisch, jetzt durch die großen Eisentore zu schlüpfen – Tore, auf denen er früher wie ein kleiner Affe hin und her geschwungen war, wie seine Mutter immer erzählte – und nach seinem eigenen Grab zu suchen. Er war nicht sicher, ob er der Erinnerung oder seinem Instinkt folgte, aber er fand rasch den unteren Weg und die Biegung, an der die drei Pinien standen. Von dort waren es noch ungefähr fünf Meter und er bereitete sich auf den Schock vor, seinen eigenen Namen auf einem Grabstein neben dem seiner Großeltern zu lesen. Aber er warf nicht mal einen Blick darauf. Die Anwesenheit eines Mädchens, das es sich auf der frisch aufgeworfenen Erde gemütlich gemacht hatte, überraschte ihn zu sehr. »Entschuldigung«, sagte er, obwohl er genau wusste, dass niemand ihn hörte. »Du liegst auf meinem Grab.« Sie sah zu ihm hoch und er fragte sich, ob er wieder schimmerte. Das Mädchen war ungefähr in seinem Alter und kam ihm irgendwie bekannt vor. »Du bist bestimmt Tristan«, begrüßte sie ihn. »Ich wusste, du würdest früher oder später hier aufkreuzen.« Tristan starrte sie an. »Du bist doch Tristan, oder?«, fragte sie, setzte sich auf und deutete mit dem Daumen auf den Grabstein. »Vor Kurzem erst verstorben, stimmt's?« »Vor Kurzem noch am Leben«, korrigierte er sie. Sie hatte etwas an sich, das ihm Lust machte, sich mit ihr anzulegen. Sie zuckte mit den Achseln. »Das sieht jeder anders.« Er konnte nicht fassen, dass sie ihn hören konnte. »Und du?«, fragte er und betrachtete ihre eher ungewöhnliche Aufmachung. »Was ist mit dir?« »Na ja, nicht gerade vor Kurzem.« »Verstehe. Hat dein Haar deshalb diese Farbe?« Ihre Hand schnellte zu ihren Haaren. »Wie bitte?« Ihre dunkle Igelfrisur hatte einen seltsamen Rotstich mit lilafarbenen Schatten und sah aus, als wäre eine Hennatönung schiefgelaufen. »Es hatte diese Farbe, als ich gestorben bin.« »Aha. Tut mir leid.« »Setz dich«, sagte sie und klopfte auf die frisch aufgehäufte Erde. »Immerhin ist es ja deine Ruhestätte. Ich hab nur eine Weile hier gepennt.« »Du bist also … ein Geist«, stellte er fest. »Wie bitte?« Wenn sie doch bloß diesen nervigen Tonfall abstellen würde! »Hast du ›Geist‹ gesagt? Mann, du bist wirklich ein Frischling. Wir sind keine Geister, Schätzchen.« Sie tippte ihm ein paarmal mit einem langen, spitzen dunkellila Nagel auf den Arm. Ihm fiel auf, dass ihr Finger nicht durch seinen Arm glitt. Sie waren tatsächlich aus demselben Material. »Wir sind Engel, Süßer. So sieht es aus. Kleine Himmelshelfer.« Ihr Tonfall und die affektierte Art, auf die sie bestimmte Worte aussprach, gingen ihm allmählich auf die Nerven. Sie deutete Richtung Himmel. »Da hat jemand einen schrägen Sinn für Humor. Sucht sich immer die heraus, die nichts damit am Hut haben.« »Ich glaub es nicht«, sagte Tristan. »Ich glaub es nicht.« »Du siehst deine neue Bude also zum ersten Mal? Hast deine eigene Beerdigung verpasst, was? Das«, stellte sie fest, »war ein Riesenfehler. Ich hab von meiner Trauerfeier jede Sekunde genossen.« »Wo ist dein Grab?«, fragte Tristan und sah sich suchend um. In den Stein auf der einen Seite seiner Familiengrabstelle war ein Lamm gemeißelt – das passte nicht zu ihr. Auf der anderen Seite faltete eine gelassen blickende Frau die Hände vor der Brust und hob die Augen gen Himmel – das kam auch nicht infrage. »Ich wurde nicht begraben. Deshalb wohne ich bei dir zur Untermiete.« »Das versteh ich nicht«, erklärte Tristan. »Erkennst du mich nicht?« »Ähm, nein«, erwiderte er und befürchtete, sie würde ihm erklären, sie seien irgendwie miteinander verwandt, oder er habe sie in der sechsten Klasse mal angebaggert. »Schau mal von der Seite«, sie zeigte ihm ihr Profil. Tristan sah sie verständnislos an. »Junge, du hattest aber auch nicht viel Ahnung vom Leben, als du noch gelebt hast, oder?«, bemerkte sie. »Was willst du damit sagen?« »Du bist nicht häufig ausgegangen.« »Laufend«, antwortete Tristan. »Nicht ins Kino.« »Da war ich ständig«, widersprach Tristan. »Aber du hast dir nie einen Film mit Lacey Lovitt angeschaut.« »Klar, hab ich das. Das haben doch alle, bevor – Bist du etwa Lacey Lovitt?« Sie verdrehte die Augen. »Na hoffentlich hast du 'ne schnellere Auffassungsgabe, wenn es um deinen Auftrag geht.« »Vermutlich liegt es nur daran, dass dein Haar eine andere Farbe hat.« »Über meine Haare haben wir schon geredet«, unterbrach sie ihn und erhob sich dann umständlich vom Grab. Es war merkwürdig, sie vor den Bäumen stehen zu sehen. Die Weidenzweige bewegten sich im Wind, ihre Haare lagen jedoch so glatt an wie bei einem Mädchen auf einem Foto. »Jetzt erinnere ich mich«, sagte Tristan. »Dein Flugzeug ist über dem Meer abgestürzt. Man hat dich nie gefunden.« »Stell dir vor, wie ich mich gefreut habe, als ich im Hafen von New York an Land geklettert bin!« »Der Unfall war vor zwei Jahren, oder?« Als er das sagte, senkte sie den Kopf. »Na ja …« »Ich hab was über deine Trauerfeier gelesen«, fuhr Tristan fort. »Es waren ein Haufen Promis da.« »Und ein Haufen Möchtegern-Promis. Die Leute nutzen jede Gelegenheit, um im Rampenlicht zu stehen.« In ihrer Stimme lag Bitterkeit. »Du hättest meine Mutter sehen sollen, wie sie geheult und gejammert hat.« Lacey posierte wie die Marmorfigur der weinenden Frau in der nächsten Reihe. »Man hätte echt denken können, sie hätte jemanden verloren, den sie geliebt hat.« »Hat sie sicher auch, du warst doch schließlich ihre Tochter.« »Du bist echt naiv, oder?« Es war eher eine Feststellung als eine Frage. »Wenn du auf deiner eigenen Beerdigung gewesen wärst, hättest du was über Menschen lernen können. Vielleicht kannst du immer noch was lernen. Heute Morgen wird auf der Ostseite jemand beerdigt. Komm, da gehen wir hin«, forderte sie ihn auf. »Zu einer Beerdigung? Ist das nicht ein bisschen morbide?« Sie lachte ihm über die Schulter zu. »Wenn du erst mal tot bist, Tristan, ist alles oder nichts morbide. Außerdem sind Beerdigungen total unterhaltsam. Und wenn sie es nicht sind, sorge ich dafür, dass sie es werden, und du siehst aus, als könnte dir ein bisschen Aufheiterung echt nicht schaden. Los, komm.« »Ich glaube, ich passe.« Sie drehte sich um und musterte ihn eine Minute lang verblüfft. »In Ordnung. Wie wär's damit: Vorhin habe ich eine Gruppe Mädchen zum protzigeren Teil des Friedhofs laufen sehen. Vielleicht ist das ja lustiger für dich. Man findet nur selten ein gutes Publikum, vor allem, wenn man tot ist und die meisten einen nicht sehen können.« Sie fing an, im Kreis zu laufen. »Ja, das ist bestimmt viel besser.« Sie schien ebenso gern mit sich selbst zu sprechen wie mit ihm. »Dafür werde ich ein paar Punkte bekommen.« Sie sah zu Tristan. »Weißt du, Blödsinn auf Begräbnisfeiern zu machen, wird nicht unbedingt gern gesehen. Aber wenn ich die Mädels aufmische, erweise ich ihnen damit einen Dienst. Beim nächsten Mal denken sie zweimal darüber nach, ob sie sich den Toten gegenüber respektlos verhalten.« Tristan hatte eigentlich gehofft, dass jemand, der so war wie er, etwas Klarheit in die Sache bringen würde, aber – »Komm schon, lass dich nicht so hängen, Trauerkloß!« Sie setzte sich in Bewegung. Tristan lief langsam hinterher und versuchte, sich daran zu erinnern, ob er je gelesen hatte, dass Lacey Lovitt einen Knall hatte. Sie führte ihn zu einem älteren Teil des Friedhofs, wo die Familiengrabstätten der alteingesessenen, reichen Bewohner von Stonehill lagen. Auf der einen Seite des Wegs standen am Hang Mausoleen, deren Fassaden an kleine Tempel erinnerten. Gegenüber lagen quadratische Gartenstücke mit großen polierten Grabmalen und einer Vielzahl Marmorstatuen. Tristan war schon einmal dort gewesen. Auf Maggies Bitte hin war Caroline im Familiengrab der Baines beigesetzt worden. »Ganz schön protzig, was?« »Komisch, dass du bei mir zur Untermiete wohnst«, bemerkte Tristan. »Weißt du, ich hab zu Lebzeiten richtig Geld gescheffelt «, sagte Lacey. »Millionen. Aber im Grunde bin ich ein einfaches Mädchen von der Lower East Side in New York geblieben. Ich hab mit Soaps angefangen, das darfst du nicht vergessen – aber egal, lohnt sich nicht, darüber zu reden. Jetzt, nachdem du weißt, wer ich bin, fällt dir sicher wieder alles über mich ein.« Tristan machte sich nicht die Mühe, sie vom Gegenteil zu überzeugen. »Was, glaubst du, hatten diese Mädchen vor?«, fragte sie und blieb stehen, um sich umzusehen. Außer glatten Steinen, hellen Blumen und saftiggrünem Gras war nichts zu sehen. »Ich frage mich, was du vorhast«, erwiderte er. »Ach, ich werde einfach improvisieren. Du bist wahr195 scheinlich keine große Hilfe. Du hast ja noch keine Tricks drauf. Vermutlich stehst du nur rum und schimmerst, als wärst du irgendeine verdammte Christusstatue. Das heißt, dich bemerken höchstens die wenigen, die daran glauben.« »Daran glauben?« »Hast du das etwa immer noch nicht kapiert?« Sie schüttelte ungläubig den Kopf. Er hatte es schon verstanden; er wollte es bloß nicht zugeben, er wollte nicht, dass es wahr war. Die alte Dame im Krankenhaus hatte an Engel geglaubt. Genau wie Philip. Deshalb hatten ihn die beiden auch schimmern gesehen. Ivy jedoch nicht. Ivy hatte aufgehört zu glauben. »Kannst du mehr als nur schimmern?«, fragte Tristan hoffnungsvoll. Sie sah ihn an, als hielte sie ihn für einen totalen Vollidioten. »Was glaubst du, was ich die letzten zwei Jahre gemacht habe?« »Keine Ahnung«, erwiderte Tristan. »Erzähl mir nicht, erzähl mir bitte nicht, dass ich dir die ganze Sache mit den Aufträgen erklären muss!« Er überhörte ihren melodramatischen Ton. »Du hast das schon mal erwähnt. Was hat es mit den Aufträgen auf sich?« »Dein Auftrag, mein Auftrag«, erwiderte sie hastig. »Jeder von uns hat einen Auftrag. Und wir müssen ihn erfüllen, wenn wir dort hinwollen, wo alle anderen hin196 gegangen sind.« Sie lief weiter, ziemlich zügig, und er musste sich beeilen, um hinterherzukommen. »Aber was ist mein Auftrag?« »Woher soll ich das wissen?« »Irgendjemand muss mir das doch sagen. Wie soll ich was erfüllen, wenn ich keine Ahnung habe, wie mein Auftrag lautet?«, erklärte er frustriert. »Beschwer dich nicht bei mir!«, fuhr sie ihn an. »Das musst du selbst rausfinden.« Mit ruhigerer Stimme fügte sie hinzu: »Normalerweise ist es etwas, das im Leben noch nicht zu Ende gebracht worden ist. Manchmal ist es jemand, der deine Hilfe braucht.« »Ich hab also mindestens zwei Jahre, um –« »Na ja, so funktioniert das nicht unbedingt«, meinte sie und zog auf diese seltsame Weise den Kopf ein, die ihm schon vorher aufgefallen war. Sie ging vor ihm her, dann schlüpfte sie durch einen schwarzen Eisenzaun, dessen verschnörkelte, verrostete Spitzen ein seltsames Schattenmuster auf die Wände einer alten Steinkapelle warfen. »Mal sehen, wo die Mädels stecken.« »Warte«, bat er und streckte den Arm nach ihr aus. Sie war das Einzige, was er festhalten konnte. »Du musst mir das erklären. Wie genau funktioniert die Sache mit den Aufträgen?« »Nun … du solltest auf jeden Fall so bald wie möglich herausfinden, wie dein Auftrag aussieht und ihn erledigen. Manche Engel brauchen ein paar Tage, manche ein paar Monate.« »Und du schlägst dich schon zwei Jahre damit herum«, stellte er fest. »Wie lange brauchst du noch?« Sie fuhr sich mit der Zunge über die Zähne. »Keine Ahnung.« »Toll«, sagte er. »Toll! Ich hab keine Ahnung, was ich hier soll, und dann finde ich endlich jemanden, der Bescheid weiß, aber sie braucht achtmal so lang wie alle anderen.« »Doppelt so lang«, verbesserte sie ihn. »Ich hab mal einen Engel getroffen, der ein Jahr gebraucht hat. Weißt du, Tristan, ich lass mich leicht ablenken. Ich will mich um meinen Kram kümmern und dann bieten sich plötzlich all diese Gelegenheiten – und sie sind einfach zu gut, als dass ich sie mir entgehen lassen könnte. Manches davon wird nicht gern gesehen.« »Manches? Was denn?«, fragte Tristan misstrauisch. Sie zuckte mit den Schultern. »Einmal hab ich einen Bühnenkronleuchter in Richtung Kopf meines dämlichen früheren Regisseurs krachen lassen – natürlich knapp an ihm vorbei. Er war ein großer Fan von Phantom der Oper – das sind eben Gelegenheiten, die man nutzen muss. Und so läuft das normalerweise bei mir. Ich bin zwei Punkte weiter, dann passiert etwas und ich verliere wieder drei Punkte und bekomme meinen Auftrag nie so richtig auf die Reihe. Aber mach dir keine Sorgen – vielleicht bist du ja talentierter als ich. Für dich ist das sicher ein Klacks.« Irgendwann wache ich auf, dachte sich Tristan, und dieser Albtraum hat ein Ende. Ivy wird in meinen Armen liegen – »Was wetten wir, dass die Mädels in der Kapelle sind?« Tristan betrachtete das graue Steingebäude. Vor den Türen hingen, seit er denken konnte, dicke Ketten. »Kommt man da rein?« »Wir kommen immer irgendwie rein. Die Mädels klettern über ein zerbrochenes Fenster auf der Rückseite. Irgendwelche Sonderwünsche?« »Was?« »Irgendwas, was ich tun soll?« Weck mich auf, dachte Tristan. »Äh, nein.« »Keine Ahnung, was in deinem Kopf vor sich geht, Trist, aber du benimmst dich toter als tot.« Dann schlüpfte sie durch die Wand. Tristan folgte ihr. Durch ein leuchtend grünes Rechteck an der Stelle, wo das Fenster auf der Rückseite fehlte, drang schwacher Lichtschein, ansonsten war die Kapelle fast dunkel. Auf dem Boden lagen vertrocknete Blätter und abgeblätterter Putz, außerdem zerbrochene Flaschen und Zigarettenkippen. Die Holzbänke waren mit Initialen und schwarzen Symbolen bedeckt, mit denen Tristan nichts anfangen konnte. Die Mädchen, die er für elf oder zwölf hielt, saßen im Kreis vor dem Altar und kicherten nervös. »Okay, wen wollen wir zurückrufen?«, fragte eine von ihnen. Sie sahen sich gegenseitig an, dann schauten sie sich in der Kapelle um. »Jackie Onassis«, schlug ein Mädchen mit braunem Pferdeschwanz vor. »Kurt Cobain«, meinte eine andere. »Meine Großmutter.« »Meinen Großonkel Lennie.« »Ich habe eine Idee!«, rief eine kleine Blonde mit Sommersprossen. »Wie wär's mit Tristan Carruthers?« Tristan war verdutzt. »Zu blutig«, beschloss die Anführerin. »Stimmt«, gab ihr die Braunhaarige recht und spielte an ihrem Pferdeschwanz herum. »Wahrscheinlich steckt ihm ein Geweih im Kopf.« »Igitt, widerlich!« Lacey kicherte. »Meine Schwester ist voll auf ihn abgefahren«, meinte die sommersprossige Blonde. Lacey zwinkerte Tristan zu. »Einmal, als wir im Pool rumgeblödelt haben, hat er uns rausgepfiffen. Das war cool.« »Der war echt ziemlich süß!« Lacey steckte sich den Finger in den Hals und verdrehte die Augen. »Vielleicht trotzdem zu blutig«, meinte eine Rothaarige. »Wen könnten wir sonst noch rufen?« »Lacey Lovitt.« Die Mädchen sahen sich an. Wer hatte das gesagt? »Ich erinnere mich an sie. Sie hat in Dark Moon Running mitgespielt.« »Dark Moon Rising.« Das war doch Laceys Stimme, dachte Tristan. Sie klang vertraut, aber anders, so wie die Stimme eines Schauspielers im Fernsehen anders klingt, als wenn man ihm gegenübersteht. Irgendwie schaffte sie es, so zu reden, dass die Mädels sie hörten. Die Mädchen blickten sich um, sie wirkten ein wenig ängstlich. »Los, wir fassen uns an den Händen«, schlug die Anführerin vor. »Wir rufen Lacey Lovitt zurück. Wenn du hier bist, Lacey, gib uns ein Zeichen.« »Ich konnte Lacey Lovitt nie leiden.« Tristan sah, wie Laceys Augen aufblitzten. »Psst. Die Geister sind jetzt hier bei uns.« »Ich sehe sie!«, rief die kleine Blonde. »Ich seh ihr Licht! Sie sind zu zweit.« »Ich seh sie auch.« »Ich nicht«, sagte das Mädchen mit dem braunen Pferdeschwanz. »Ach kommt, wir nehmen jemand anderen als Lacey Lovitt.« »Ja, sie war eine Nervensäge.« Jetzt war es an Tristan zu kichern. »Ich mag dieses neue Mädchen in Dark Moon, das ihre Rolle übernommen hat.« »Ich auch«, stimmte die Rothaarige zu. »Sie spielt viel besser. Und sie hat schönere Haare.« Tristan hörte auf zu lachen, stattdessen sah er vorsichtig zu Lacey. »Aber die ist nicht tot«, stellte die Anführerin fest. »Wir rufen Lacey Lovitt! Wenn du hier bist, Lacey, gib uns ein Zeichen.« Zuerst wirbelte ein wenig Staub auf und Tristan sah, wie Lacey sich immer mehr auflöste. Dann legte sich der Staub und da war sie wieder, rannte um den Kreis herum und zog die Mädchen an den Haaren. Sie quietschten und griffen sich an die Köpfe. Sie kniff zwei von ihnen, dann nahm sie ihre Pullis und warf sie kreuz und quer durch die Kapelle. Da waren die Mädchen schon aufgesprungen. Sie schrien und rannten zu der Fensteröffnung. Über ihre Köpfe flogen leere Flaschen, knallten gegen die Kapellenwand und zerbrachen. Blitzschnell waren die Mädchen verschwunden, ihre Schreie hallten hinter ihnen her wie Vogelrufe. »Na ja«, meinte Tristan, als es wieder still war, »vermutlich können alle froh sein, dass hier kein Kronleuchter hängt. Geht's dir jetzt besser?« »Freche Biester!« »Wie hast du das gemacht?«, fragte er. »Ich hab diese neue Schauspielerin gesehen, sie ist scheiße.« »Bestimmt«, erwiderte Tristan, »ist sie nicht annähernd so dramatisch wie du. Du hast sie an den Haaren gezogen und Zeug durch die Gegend geworfen. Wie hast du das angestellt? Ich kann mit meinen Händen überhaupt nichts greifen.« »Find es selbst raus!« Sie war immer noch auf hundertachtzig. »Schönere Haare!« Sie zerrte an den lilafarbenen Strähnen. »Das ist mein ganz persönlicher Stil.« Sie warf Tristan einen bösen Blick zu. Er lächelte sie an. »Und was den Gebrauch meiner Hände anbelangt«, sagte sie, »bildest du dir ernsthaft ein, ich würde meine kostbare Zeit damit vergeuden, dir das beizubringen?« Tristan nickte. »Man findet selten ein gutes Publikum«, erinnerte er sie, »vor allem, wenn man tot ist und die meisten einen nicht sehen.« Er ließ sie schmollend in der Kapelle zurück. Wenn sie sich beruhigt hatte, würde sie ihn schon finden. Als er wieder in der Mittagssonne stand, blinzelte Tristan. Während er unterschiedliche Temperaturen nicht wahrnahm, schien er jedoch auf Licht und Dunkelheit ausgesprochen empfindlich zu reagieren. In der dämmrigen Kapelle hatte er die Aura jedes Mädchens deutlich wahrgenommen, doch jetzt, hier draußen im Schatten der Bäume, kamen ihm die Sonnenflecken blendend grell vor. Vielleicht hielt er den Besucher deshalb für Gregory. Die Art, wie er sich bewegte, das dunkle Haar und seine Kopfform bestärkten Tristan, dass es Gregory sein musste,der sich vom Familiengrab der Baines entfernte. Doch plötzlich drehte sich der Besucher um, als hätte er gespürt, dass ihn jemand beobachtete. Er war wesentlich älter als Gregory, um die vierzig, und sein Gesicht war schmerzverzerrt. Tristan streckte die Hand nach ihm aus, aber der Mann wandte sich ab und setzte seinen Weg fort. Auch Tristan ging weiter, aber erst, nachdem ihm die langstielige rote Rose auf dem frischen grünen Hügel von Carolines Grab aufgefallen war. © 2011, by Elizabeth-Chandler | Deutsche Übersetzung: Claudia Max. Online- Publikation der übersetzten Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des Loewe Verlag. Publication of translated excerpts by courtesy of the Loewe Verlag.
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    Stephen Emond | Happyface
    April 3, 2015
    Aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 12 | erschienen Februar 2011, Loewe Verlag | 320 Seiten | ISBN 978-3-78855-7213-9Keywords: Graphic Novel, Coming of Age, Entwicklungsroman, JugendliteraturInhalt: Happyface | SynopsisSein Vater ist ein berühmter Schriftsteller, hat aber ein Problem mit Alkohol, Seine Mutter lebt am Rande des Nervenzusammenbruchs. Sein Bruder Everett ist das Alphatier und bereitet den Mädchen schlaflose Nächte. Er ist der Familienloser, hat keine Freunde und verbringt seine Zeit damit, alles um sich herum zu zeichnen und seinen Tagträumen nachzuhängen. In seinem Skizzenbuch hält er alles fest, was passiert. Und genau diese Zeichnungen findet die wunderschöne Chloe toll – allerdings nur, bis sie seinen Bruder kennenlernt. Chloe und Everett haben ein heimliches Verhältnis, von dem er nichts ahnt. Bis Everett bei einer nächtlichen Tour verunglückt. Chloe überlebt, aber er kann ihr ihren Verrat nicht verzeihen. Als wäre das noch nicht genug, trennen sich seine Eltern. Der Vater macht eine Entziehungskur, und er zieht mit seiner Mutter in eine kleine schäbige Wohnung in einem anderen Viertel. Er muss lernen, in der neuen Umgebung klar zu kommen.An seiner Schule versteckt er sich hinter einem Dauergrinsen – er wird Happyface. Plötzlich hat er Freunde und mischt auf jeder Party mit. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein. Als seine neuen Freunde erfahren, dass er ihnen nur Lügen aufgetischt hat, wenden sie sich von ihm ab. Es dauert eine Weile, bis er lernt, über sich und seine Probleme zu reden, doch er merkt, dass ihn die anderen gerade dafür mögen – nicht für seine Show.Stephen Emond: Homepage | AmazonBuchtrailer Vorstellungsrunde | Seite 7-11 | pdf 212 kbNeues Zuhause | Seite 42-49 | pdf 232 kbDer fiese Mr Molly und das zweite Tagebuch | Seite 57-58 | pdf 152 kbMom | Seite 71-73 | pdf 128 kbGretchens Party | Seite 75-83 | pdf 284 kbLoser-Massaker am Valentinstag | Seite 240-246 | pdf 172 kbSchluss mit lustig | Seite 266-269 | pdf 100 kbThe End | Seite 310-311 | pdf 108 kb
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    Robin Wasserman | Crashed
    April 2, 2015
    Aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 16 | erschienen September 2010, Script 5 | 376 Seiten | ISBN 978-3-8390-0114-1 Als Taschenbuchausgabe bei Ravensburger |480 Seiten | ISBN-13: 978-3473584604Keywords: Science Fiction, Dystopie, Coming of Age, Bildungsroman, Gesellschaftsroman, Jugendliteratur Inhalt: Sechs Monate sind vergangen, seit Lias Wirklichkeit auf den Kopf gestellt wurde. Sechs Monate voller Zweifel, Angst und Auflehnung gegen die Tatsache, dass ihr Körper tot ist und Lia Kahn nur in einer menschenähnlichen Maschine weiterexistieren wird. Jetzt ist Lia bereit, ihr neues Dasein zu akzeptieren: Sie ist ein Mech und sie gehört zu ihresgleichen. Es ist eine wilde, sorglose Existenz, die sie führen, ohne Regeln, ohne Angst. Denn es gibt nichts zu fürchten, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Doch dann wird Lia von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sie muss eine Wahl treffen zwischen ihrem alten Leben und ihrer neuen Freiheit, zwischen den Menschen und den Mechs. Sie muss sich entscheiden zwischen dem Mädchen, das sie war, und dem Jungen, den sie einmal geliebt hat… Robin Wassermann: Homepage | Amazon [Textprobe PDF]   Abheben Lia Kahn ist tot. Ich bin Lia Kahn. Deshalb – denn das ist ja wohl ein logisches Problem, das sogar ein minderbemitteltes Kind lösen könnte – bin ich tot. Da ist nur eine Sache: Ich bin es nicht. »Keine Angst.« Es war die Stimme meines Vaters. Sie war es – und war es auch nicht. Sie klang komisch. Gedämpft und blechern und gleichzeitig irgendwie zu klar und zu deutlich. Ich hatte keine Schmerzen. Aber ich wusste – und zwar bevor ich überhaupt begriff, was mit mir los war –, ich wusste, dass ich Schmerzen hätte haben müssen. Etwas riss meine Augen auf. Die Welt war ein Kaleidoskop, Formen und Farben wirbelten durcheinander, sinnlos, ohne Muster, bis meine Augen schließlich ohne Vorwarnung wieder zuklappten; dann war alles vorbei. Kein Schmerz, kein Gefühl, keine Ahnung, ob ich lag oder stand. Es war nicht so, dass ich meine Beine nicht bewegen konnte. Es war nicht mal so, dass ich meine Beine nicht spüren konnte. Mit geschlossenen Augen konnte ich nicht mal sagen, ob ich überhaupt Beine hatte. Oder Arme. Oder irgendetwas anderes. Ich denke, also bin ich, dachte ich in einem Anflug von Hysterie. Am liebsten hätte ich gekichert, aber ich konnte meinen Mund nicht spüren. Ich bekam Panik. Gelähmt. Ich konnte mich an ein Auto erinnern. Und an ein kreischendes Geräusch, das wie ein Schrei klang, andererseits auch wieder nicht. Nicht Mensch, nicht Tier. Und Feuer. Etwas brannte. Der Geruch von etwas Brennendem. Daran erinnerte ich mich. Ich wollte mich nicht daran erinnern. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nicht sprechen. Ich konnte meine Augen nicht öffnen. Sie wissen nicht, dass ich hier drin wach bin. In Gedanken hörte ich den hämmernden Herzschlag, den ich nicht mehr spüren konnte, fühlte, wie sich imaginäre Lungen vor Entsetzen zusammenzogen, schmeckte das Salz unsichtbarer Tränen. Sie können es einfach nicht wissen. Für meinen Vater, für meine Mutter, die sich in meiner Vorstellung vor dem Krankenzimmer aneinanderklammerten und weinten, unfähig, hereinzukommen; für die Ärzte, die mein Vater sicherlich aus der ganzen Welt hatte einfliegen lassen; für Zoie, die eigentlich im Auto hätte sitzen sollen, die es eigentlich hätte treffen sollen – Für sie alle schien ich bewusstlos zu sein. Ahnungslos. Ich konnte mir vorstellen, wie die Zeit verging und die Stimme des Arztes das Schluchzen meiner Mutter übertönte. Noch immer keine Reaktion. Noch immer keine Bewegung, kein Laut, keine Augenreflexe. Noch immer kein Lebenszeichen. Meine Augen wurden wieder geöffnet, dieses Mal für längere Zeit. Die Farben flossen ineinander, lösten sich in verschwommene Formen auf, eine Unterwasserwelt. Am oberen Rand meines Blickfeldes entdeckte ich etwas Knolliges, Fleischiges, Finger, die meine Augenlider auseinanderzerrten. Über mir schwebte eine dunkle, unscharfe Gestalt, die mit der Stimme meines Vaters sprach. »Ich weiß nicht, ob du mich schon hören kannst.« Seine Stimme klang ruhig, seine Worte unbeholfen. »Es wird alles gut, ich verspreche es dir. Versuche, geduldig zu sein.« Mein Vater nahm seine Hand von meinem Gesicht, meine Lider klappten wieder herunter und sperrten mich hinter einer schwarzen Wand ein. Er blieb. Ich wusste es, denn ich konnte ihn atmen hören – nur mich selbst nicht. Was letzte Tage angeht, meiner war beschissen. Hätte ich mir einen letzten Tag aussuchen können – einen letzten Tag, wie ich ihn wirklich verdient hätte –, wäre auf jeden Fall mehr Schokolade im Spiel gewesen. Wesentlich mehr. Dunkle. Vollmilch. Weiße. Zartbitter. Mit Olivenstückchen. Karamellgefüllt. Trüffel. Ganache. Und Käse hätte es gegeben, weich, schmelzend, die Sorte, die im ganzen Zimmer stinkt, während sie dir die Kehle hinunterrinnt. Ich hätte den ganzen Tag im Bett gelegen und all das gegessen, was ich jetzt nicht mehr essen kann, hätte die Musik gehört, die mir mittlerweile egal geworden ist, hätte gefühlt. Die kratzige Baumwolle des Bettlakens. Das Kopfkissen, bei der ersten Berührung kühl, aber nach einer Weile warm an meine Wange geschmiegt. Den Mief aus der Lüftung, der mir den Pony in die Stirn gepustet hätte. Und Walker – hätte ich gewusst, was passieren würde, dann hätte ich ihn gefragt, ob er herüberkommt. Ich hätte gesagt: »Scheiß auf meine Eltern, vergiss meine Schwester, sei einfach hier, bei mir, heute.« Ich hätte die flaumigen Haare auf seinen Armen gefühlt und die kratzigen Bartstoppeln an seinem Kinn, denn er war zu faul, sich mehr als einmal pro Woche zu rasieren, da konnte ich sagen, was ich wollte. Ich hätte seine Fingerspitzen auf meiner Haut gespürt, ein Kitzeln, ein Streicheln, so leicht, dass es fast wehtat, weil es nur versprach und nichts davon einhalten wollte. Ich hätte Pfefferminz auf seinen Lippen geschmeckt und gewusst, dass er an diesem Morgen wieder einmal den Kaugummi der Zahncreme vorgezogen hatte; ich hätte ihn dazu gebracht, seine kurzen Nägel in meine Haut zu graben, nicht nur weil ich wollte, dass er mich festhielt, sondern weil ich im letzten schönen Moment meines Lebens auch noch ein letztes Mal Schmerz hätte fühlen wollen. Das kann einfach nicht passiert sein. Nicht mir. Da lag ich nun. Ich versuchte geduldig zu sein, wie mich mein Vater gebeten hatte. Ich wartete darauf aufzuwachen. Jaja, ich weiß schon: voll das Klischee. Das muss ein Traum sein. Du redest es dir immer wieder ein, vielleicht kneifst du dich sogar, obwohl du weißt, es ist nur ein billiger Trick, denn schon der Versuch beweist schließlich, dass es kein Traum ist. In einem Traum stellst du die Wirklichkeit nie infrage. In einem Traum verschwinden Menschen, Gebäude tauchen auf, Schauplätze ändern sich, du fliegst. Du fällst. Und alles erscheint völlig logisch. Nur im Wachzustand wehrt man sich gegen seltsame Dinge. Ich wartete also darauf, aufzuwachen. Der große Schock: Ich wachte nicht auf. Phase eins: Leugnen. Erledigt. Als mein Großvater starb, hörte ich zum ersten Mal von den fünf Phasen des Trauerns. Nicht dass ich sie wirklich durchlebt hätte. Nicht dass ich wirklich um einen Typ getrauert hätte, den ich nur zweimal getroffen hatte und den mein Vater ganz offensichtlich verabscheute und von dem meine Mutter, immerhin seine einzige Tochter, behauptete, sie könne sich kaum an ihn erinnern. Sie heulte trotzdem und mein Vater ertrug es, jedenfalls ein paar Tage lang. Wir ertrugen es alle. Er schenkte ihr Blumen. Ich verdrehte nicht einmal dann die Augen, wenn sie beim Abendessen ihr Glas zum dritten Mal mit diesem nervtötenden Ach-bin-ich-ungeschickt-Kichern umwarf. Zo stöberte im Network herum und entdeckte die fünf Phasen der Trauer. Leugnen. Wut. Verhandeln. Depression. Akzeptanz. Da ich also tot war – genau genommen toter als tot, nämlich lebendig in einem Körper begraben, der ebenso gut ein Sarg hätte sein können, auch wenn er mir die Freuden des Erstickens verweigerte –, kam ich zu dem Schluss, dass ich ein Recht darauf hatte, zu trauern. Nein, nicht trauern. Das war das falsche Wort. Wut. Ich hasste jeden. Alles. Das Auto für den Unfall. Meinen Körper dafür, dass er verbrannte und kaputtging. Zo für die Tatsache, dass sie mich an ihrer Stelle geschickt hatte. Dass sie lebte, atmete, irgendwo Partys feierte, wo keine Dunkelheit herrschte, in einem funktionierenden Körper. Ich hasste Walker dafür, dass er mich vergessen würde, für die Mädchen, mit denen er ausgehen und die er vögeln würde, und das Mädchen, mit dem er eng umschlungen im Bett liegen würde, das er in seinen Armen halten würde, während er ihr flüsternd versprach, dass sie die Einzige für ihn sei. Ich hasste die Ärzte, die ein und aus gingen, meine Augen aufrissen, mich mit ihren Stableuchten blendeten, mir zuzwinkerten, mich anstarrten und auf ein Zeichen warteten, das ich ihnen nicht geben konnte, obwohl ich die ganze Zeit innerlich schrie: Ich bin wach Ich lebe Hört ihr mich Helft mir. Am Ende würden mich die Lider wieder in die Schwärze einsperren. Mein Vater blieb bei mir. Er war der Einzige, der mit mir redete. Es war eine endlose, monotone Litanei: Hab Geduld, Lia. Versuche, aufzuwachen, Lia. Versuche dich zu bewegen, Lia. Alles wird gut, Lia. Streng dich an, Lia. Du schaffst es. Ich wollte ihm glauben, weil ich ihm immer geglaubt hatte. Ich wollte daran glauben, dass er alles in Ordnung bringen würde, so wie er immer alles in Ordnung gebracht hatte. Ich wollte ihm glauben, aber ich konnte es nicht, und dafür hasste ich ihn am meisten. Danach kam die Phase des Verhandelns. Es gab zwar niemanden, den ich um etwas hätte bitten können, aber ich bettelte trotzdem. Zuerst bat ich darum, einfach aufzuwachen – meine Augen öffnen, mich aufsetzen und meine Beine aus dem Bett schwingen zu können. So wie es aussah, ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Also versuchte ich es mit einem Kompromiss: Lass mich bloß die Augen öffnen, mach, dass ich sprechen und mich bewegen und etwas spüren kann. Lass das hier nicht für immer sein. Lass mich wieder gesund werden. Später, als sich immer noch nichts geändert hatte, als es immer noch keinen Hoffnungsschimmer gab: Lass mich meine Augen öffnen. Lass mich sprechen. Verschone mich. Das war, bevor der Schmerz kam. Genau wie die Ärzte gab er sich keine Mühe, sich langsam an mich heranzupirschen. Er explodierte einfach, eine Supernova in der Schwärze. Ich lebte in diesem Schmerz, er war alles, was ich war, er war zeitlos, er war ewig – und dann war er plötzlich vorbei. Das war der Anfang. Ein unglaubliches Wohlbefinden, eine Wärme breitete sich aus, sie steigerte sich zu einem Feuer, das kaum zu ertragen war. Beißende Kälte. Glühende Hitze. Elend. Eine übersprudelnde Fröhlichkeit, die sich nach Lachen sehnte. Angst – nein, nacktes Grauen. Empfindungen tauchten aus dem Nichts auf und überfluteten mich, ebenso schnell verschwanden sie wieder, ohne Grund, ohne Muster, ohne Vorwarnung. Und schließlich – er verschwand nie für lange, bevor er mir den nächsten Besuch abstattete – der Schmerz. Ich schlief niemals. Ich konnte fühlen, wie die Zeit verging, konnte von dem, was die Ärzte sich zuraunten, darauf schließen, dass die Tage verstrichen, aber ich verlor niemals das Bewusstsein. Wenn die Wellen kamen, verlor ich die Kontrolle, ich verlor den Verstand und verlor mich selbst in bodenlosen Empfindungen, doch sosehr ich es mir auch wünschte, sie rissen mich niemals mit sich fort. In den Momenten zwischen den Wellen, wenn die dunklen Wasser ruhig und ich ich selbst war, fing ich wieder an zu verhandeln. Lass mich schlafen. Lass mich sterben. »Ich mach es – aber dann schuldest du mir etwas«, hatte ich zu Zo gesagt. Bevor es passierte. Sie hatte mich ignoriert und ihr Haar zu einem lockeren Knoten gedreht und ihn im Nacken festgesteckt. Ihre Haare waren blond, wie meine, allerdings glänzten meine, sie waren dicht und wippten auf der Schulter, wenn ich lachte. Ihre hingegen wirkten struppig und kraftlos, und egal, was sie mit ihnen anstellte, sie sahen immer ungewaschen aus. Ich habe ihr immer gesagt, dass sie ebenso hübsch wäre wie ich, doch wir kannten beide die Wahrheit. »Vergiss es. Du schuldest mir etwas«, sagte sie schließlich und zog ein ausgeblichenes braunes Sweatshirt an, in dem sie wie eine Kartoffel aussah. Ich sagte nichts dazu. Unsere Eltern hatten sich für Mädchen entschieden, für blondes Haar, blaue Augen; für einen niedrigen Body-Mass-Index und einen einigermaßen hohen Intelligenzquotienten hatten sie sogar zusätzlich bezahlt, aber Faulheit war nicht einfach ein Gen, das man hätte eliminieren können – kein noch so bedeutender Geldbetrag konnte eine Zo garantieren, die all die genetischen Vorzüge, die man ihr mit auf den Weg gegeben hatte, schätzen würde. »Du möchtest bestimmt nicht, dass ich Dad erzähle, wo du dieses Wochenende wirklich warst, oder? Er freut sich sicher, wenn er hört, dass du den Kopf nicht in die Schulbücher gesteckt hast, wie du behauptest, sondern zwischen Walkers –« »Ich hab dir schon gesagt, dass ich es mache, Zoie.« Sie hasste den Namen. Ich riss ihr die Schlüsselkarte aus der Hand. »Dürfte ich vielleicht erfahren, wo du dich rumtreibst, während ich für dich Windeln wechsle und Rotz abwische?« »Nein.« Keine von uns musste arbeiten. In Anbetracht des Bonus auf dem Konto unserer Eltern würde keine von uns beiden jemals arbeiten müssen. Aber unser Vater war ein überzeugter Anhänger von Produktivität. »Arbeit macht frei«, pflegte er zu zitieren, als wir Kinder waren. Meine Urururgroßeltern kamen aus Deutschland. Ich war zwölf, als ich dies eines Tages einer Lehrerin gegenüber wiederholte. Sie gab mir eine Ohrfeige. Dann erklärte sie mir, woher der Spruch kam. Die Nazis hatten ihn den KZ-Häftlingen gepredigt. Bevor sie dafür sorgten, dass sie sich zu Tode schufteten. »Längst vergangene Geschichte«, antwortete mein Vater, als ich ihm die Hiobsbotschaft überbrachte. »Die Verjährungsfrist für Befindlichkeiten beträgt hundert Jahre.« Er sorgte dafür, dass die Lehrerin gefeuert wurde. Weil ich Sportlerin war, musste ich keinen Job annehmen. Eine Siegerin, bemerkte mein Vater jedes Mal, wenn ich nach einem Wettlauf einen weiteren Pokal nach Hause brachte. Eine Arbeiterin. Er kam nie zu den Wettkämpfen, aber die Pokale für den ersten Platz standen in Reih und Glied auf einem Bücherregal in seinem Büro. Die zweiten Plätze blieben in meinem Zimmer. Alle anderen wanderten in den Müll. Zo trieb keinen Sport. Soweit ich es beurteilen konnte, hing sie den ganzen Tag mit ihren Loserfreunden auf Parkplätzen ab und dröhnte sich mit Dozers zu. Sie nahmen irgendeine neue Sorte, die stinkende Rauchwolken aufsteigen ließ, wenn man sie lutschte; auf die Art konnte man sich wie ein Retro aus den guten alten Tagen vor dem Nikotinverbot fühlen. »Erklär mir, warum es cool ist, wie Oma auszusehen«, fragte ich sie einmal. »Ich mache Dinge nicht, weil sie cool sind«, gab Zo patzig zurück. »Dafür bist du zuständig.« Nur um das mal festzuhalten, ich tat nichts, nur weil es cool war. Dinge waren cool, weil ich sie tat. Ich rannte also jeden Tag zehn Meilen, während Zo ihre von Dad verordnete Schicht in der Kindertagesstätte schob, Rotznasen abwischte und vollgeschissene Windeln wechselte; die Tage, an denen sie mich rumkriegte, für sie zu arbeiten, natürlich ausgenommen. »Schon gut«, besänftigte ich Zo. »Aber ich schwör dir, es ist das letzte Mal.« Es war das letzte Mal. Das Ziel war schon im Auto einprogrammiert. Unser Vater würde abends kontrollieren, ob es das vorgegebene Ziel angesteuert hatte, er konnte jedoch nicht herausfinden, welche von uns Schwestern gefahren war. Ich gab »KinderParadies« ein und warf mich auf die Rückbank. Walker konnte es kaum erwarten, achtzehn zu werden, damit er endlich manuell fahren durfte, was ich echt nicht verstehen konnte. Es war doch viel bequemer, sich auszustrecken, während sich der Sitz meinem Körper anpasste, ein Magazin zu hören, mich mit Walker zu verlinken und ihn an die Party abends zu erinnern, durchs Network zu zappen und mich zu vergewissern, dass keiner meiner Freunde Bilder von irgendetwas gepostet hatte, was ich auf keinen Fall hätte verpassen sollen (eigentlich war das unmöglich, denn es bestand allgemeine Übereinstimmung, dass alles, was ich verpasste, sowieso nicht zählte). An diesem Tag aber unterbrach ich den Link. Keine Chats, keine Links, keine Vids, keine Musik, absolut nichts. Stille. Ich schloss die Augen. Dieses Gefühl hatte ich sonst nur, wenn ich schon ein paar Meilen gerannt war und die erste Welle der Erschöpfung nachgelassen hatte, wenn die Welt zusammenschrumpfte auf das Laufgeräusch meiner Füße auf dem Asphalt und das Summen in meinen Ohren und die Luft, die durch meine Lungen pfiff – es war eigentlich kein Gefühl, sondern das Fehlen eines Gefühls, das Fehlen eines Ichs. So als existierte ich nicht mehr. Jedenfalls nicht als Lia Kahn; als sei ich nur noch eine verschwommene Masse aus Armen und Beinen, Röcheln, pulsierendem Blut, bis zum Reißen angespannten Muskeln, Wind. Nur Körper, keine Gedanken. Als ich an jenem Tag mit geschlossenen Augen dort lag, hätte sich dieses Gefühl eigentlich nicht einstellen sollen, aber aus irgendeinem Grund war es da. Aus irgendeinem Grund war ich – leer. Frei von Sorgen, frei von Gedanken. Versunken in der Schwärze hinter meinen Lidern. Als ob ein Teil von mir geahnt hätte, was passieren würde. Als ob es mich nicht überrascht hätte, als plötzlich alles durcheinanderflog und das kreischende Geräusch von Metall auf Metall die Stille zerriss, als die Welt um mich herumwirbelte, Erde über Himmel über Erde über Himmel, und als mich schließlich ein zerbeultes Dach mit einem gewaltigen Schlag und dem Knirschen von Glas und Stahl auf den völlig ausgebrannten Boden schmetterte. Ich erzähle den Leuten, dass ich mich nicht erinnern kann, was danach geschah. Ich erzähle ihnen, dass ich mit dem Kopf aufschlug und danach alles schwarz wurde. Sie glauben mir. Sie wollen mir glauben. Sie wollen nichts davon hören, wie ich dort eingeklemmt lag, wie sich Metallkrallen knirschend in meine Haut gruben; die Beine taub, abwesend, als endete das Universum an meiner Taille; die Arme aus den Gelenken gerissen, verdreht, weißglühend vor Schmerz. Sie wollen nicht hören, dass hinter all dem Blut mein eines Auge blind war, das andere jedoch alles deutlich erkennen konnte: schwarzen Rauch, einen Streifen Blau durch das zerborstene Fenster, sommersprossige Haut mit roten Spritzern, das weiße Schimmern von Knochen. Ein orangefarbenes Flimmern. Sie wollen nicht hören, wie es sich anfühlte, als ich anfing zu brennen. Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass mein Leben im Zeitraffer vor meinen Augen ablief, als ich an jenes Bett gefesselt war. Vielleicht hätte das die ganze Sache interessanter gemacht. Ich versuchte es zu erzwingen. Ich dachte, wenn ich mich an alles erinnern könnte, was bisher in meinem Leben passiert war, an jeden einzelnen Augenblick, dann würde es sich vielleicht anfühlen, als lebte ich wieder. Wenn ich Lia Kahns Glanzmomente noch einmal durchleben würde, könnte ich immerhin ein paar Stunden totschlagen, vielleicht sogar ein paar Tage. Aber es war sinnlos. Jedes Mal begann ich mit dem ersten Ereignis, an das ich mich erinnern konnte – nämlich wie mich das schmerzhafte Piken der Lanzette bei meinem ersten morgendlichen MedCheck dazu gebracht hatte, wie am Spieß zu brüllen, weil mein kindlicher Verstand fest davon überzeugt gewesen war, die winzige Silberspitze würde mein ganzes Blut aussaugen, wie mir meine Mutter dabei über das Haar strich, mich bat, mit dem Weinen aufzuhören, und mir einen Keks, einen Lutscher, einen Welpen versprach, Hauptsache, ich würde zu heulen aufhören, bevor mein Vater kam. Ich erinnerte mich daran, wie die Tränen über mein Gesicht rannen, und an den Abscheu, der meinem Vater ins Gesicht geschrieben stand. Ich dachte darüber nach, dass tägliche MedChecks und DNA-personalisierte Medikamente uns eigentlich Gesundheit, Sicherheit und ein nahezu ewiges Leben garantieren sollten, dass dieses »Nahezu« allerdings nicht ausreichte, wenn das Navigationssystem in deinem Auto den Geist aufgab und dich in einen Laster oder gegen einen Baum rammte, dich in die Luft schleuderte und anschließend Hackfleisch aus dir machte. Immer wieder erinnerte ich mich an die Hand meiner Mutter auf meiner Stirn und fragte mich, warum ich ihre Stimme nie in meinem Zimmer hörte. Tage vergingen. Ich machte Listen. Von Leuten, die ich kannte. Von Leuten, die ich nicht leiden konnte. Von Wörtern, die mit dem Buchstaben Q begannen. Ich versuchte, eine Liste aller ViMs aufzustellen, die ich je besessen hatte, angefangen bei meiner allerersten pinkfarbenen VirtualMachine mit den übergroßen Knöpfen und dem kindersicheren Bildschirm bis hin zu meinem momentanen Favoriten, der neonblauen NanoViM, die man an der Kleidung befestigen konnte oder am Handgelenk oder sogar am Hintern, falls man gerade in der Stimmung war, Vids abzuspielen, während man den Gang hinuntertänzelte. Nicht dass ich das ausprobiert hätte – nach diesem einen Mal. Aber etwa bei der Hälfte der Liste wurde es immer schwammig. Es waren zu viele ViMs gewesen, um sich an jede einzelne zu erinnern, denn wenn man wie ich genügend Bonus hatte, konnte man aus fast allem einen virtuellen Computer bauen, mit dem man sich ins Network einlinkte. Ich sang mir selbst Lieder vor. Ich übte die Verse, die ich für den Englischunterricht hatte auswendig lernen müssen, denn nach Ansicht meines Lehrers, der null Ahnung hatte, »mag das Theater tot sein, Shakespeare jedoch ist unsterblich«. Sterben – schlafen – nichts weiter! – Und zu wissen, daß ein Schlaf das Herzweh und die tausend Stöße endet, die unsers Fleisches Erbteil – ’s ist ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Was auch immer das bedeutete. Walker hatte mit Happy Tanzen, die die Julia spielte, eine Stelle aus Romeo und Julia vorgetragen und ich fragte mich, ob Happy wohl diejenige – oder, wenn man ihre D-Körbchen mitzählte, die drei – wäre, die meinen Platz einnehmen würde. Ich hörte den Ärzten zu und hoffte, sie würden zufällig etwas aus ihrem Privatleben ausplaudern oder wenigstens irgendetwas anderes sagen als »Deltawellen abfallend«, »Anstieg Alphafrequenz«, »Rhythmus im Normalbereich« oder einen der anderen Ausdrücke, mit denen sie ständig um sich warfen. Ich versuchte meine Arme und Beine zu bewegen; ich versuchte sie zu spüren. Wenn sie meine Augen öffneten, merkte ich, dass ich auf dem Rücken lag. Das hieß, unter mir mussten ein Bett und irgendwelche Laken sein. Also versuchte ich mir vorzustellen, dass meine Finger auf der kratzigen Baumwolle lagen. Aber je mehr Zeit verging, umso weniger konnte ich mir vorstellen, dass ich überhaupt Finger hatte. Soweit ich es beurteilen konnte, hatte ich keine. Ich gab jeden Versuch auf. Ich hörte auf zu denken. Ich schwebte in einer grauen Wolke durch die Tage, wach und doch nicht wach, reglos, aber gleichgültig. Als es schließlich passierte, geschah es ohne mein Zutun. Ich hatte es nicht versucht. Mir war nicht einmal klar, was ich da eigentlich tat. Es passierte einfach. Augen geschlossen, Augen geschlossen, Augen geschlossen – Augen geöffnet. Jemand schrie, vielleicht einer der Ärzte, vielleicht mein Vater, ich konnte es nicht unterscheiden, denn ich starrte an die graue Decke, aber ich hatte es getan, ich hatte irgendwie meine Augen selbstständig geöffnet und sie blieben geöffnet. Noch etwas anderes bewegte sich. Ein Arm. Mein Arm. Für einen Augenblick vergaß ich in dieser Welle grenzenloser Erleichterung alles andere: mein Arm. Unversehrt. Ich konnte ihn nicht fühlen, unternahm auch keinen Versuch, ihn zu bewegen, aber ich sah ihn. Sah, wie er durch mein Blickfeld nach oben schnellte und schließlich mit einem dumpfen Schlag hart aufs Bett zurückfiel. Dann der andere Arm. Hoch. Runter. Dumpfer Schlag. Und meine Beine … Es mussten meine Beine gewesen sein. Ich konnte sie nicht fühlen, ich konnte sie auch nicht sehen, aber ich hörte, wie sie auf die Matratze knallten, wie Trommelschläge, bumm, bumm, bumm. Mein Hals bog sich nach hinten und die Decke begann sich zu drehen, ich flog, und schließlich ein dumpfes Geräusch, laut, als poltere ein Körper auf den Boden. Klong, klong, klong, als mein Kopf auf die Fliesen knallte, immer und immer wieder aufprallte. Es verursachte viel Krach, aber es tat nicht weh. Und dann stürmten zwei Füße auf mich zu und ich wollte eigentlich nur wieder reglos im Dunkeln liegen, aber nun konnte ich meine Augen nicht mehr schließen. Zwei dickliche weiße, weiche Hände packten meinen Kopf und hielten ihn fest, und zum ersten Mal, seitdem ich aufgewacht war, kam alles zum Stillstand. Schlafen. Vielleicht auch träumen. © 2010, by Robin Wasserman. | Deutsche Übersetzung: Claudia Max. Online- Publikation der übersetzten Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des script 5. Publication of translated excerpts by courtesy of the script 5.
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    Robin Wasserman | Skinned
    April 1, 2015
    Aus dem Amerikanischen von Claudia Max. ab 16 | erschienen Januar 2010, Script 5 | 376 Seiten | ISBN 978-3-8390-0106-6 Als Taschenbuchausgabe bei Ravensburger | 384 Seiten | ISBN-13: 978-3473584499 Keywords: Science Fiction, Dystopie, Coming of Age, Bildungsroman, Gesellschaftsroman, Jugendliteratur Inhalt: Lia Kahn ist reich, schön und beliebt – bis ein Unfall sie beinahe tötet. Im Krankenhaus wacht sie in einem perfekten künstlichen Körper auf. Lia wird nie wieder Schmerz empfinden, sie wird nicht altern und nicht sterben. Doch der Preis dafür ist hoch: Ihre Freunde misstrauen ihr, ihr Freund betrügt sie und alles, was ihr wichtig war, wandelt sich in einen Albtraum. Hin- und hergerissen zwischen dem Leben, das sie einmal kannte, und einer neuen, aufregenden Existenz, lernt Lia bald die bitterste Lektion: Niemand kann ihr die Entscheidung abnehmen, die sie treffen muss, um sich selbst zu schützen. Robin Wassermann: Biographie | Homepage | Amazon | Wikipedia [Textprobe PDF] | Buchtrailer Der erste Tag »Was letzte Tage angeht, meiner war beschissen.« Lia Kahn ist tot. Ich bin Lia Kahn. Deshalb – denn das ist ja wohl ein logisches Problem, das sogar ein minderbemitteltes Kind lösen könnte – bin ich tot. Da ist nur eine Sache: Ich bin es nicht. »Keine Angst.« Es war die Stimme meines Vaters. Sie war es – und war es auch nicht. Sie klang komisch. Gedämpft und blechern und gleichzeitig irgendwie zu klar und zu deutlich. Ich hatte keine Schmerzen. Aber ich wusste – und zwar bevor ich überhaupt begriff, was mit mir los war –, ich wusste, dass ich Schmerzen hätte haben müssen. Etwas riss meine Augen auf. Die Welt war ein Kaleidoskop, Formen und Farben wirbelten durcheinander, sinnlos, ohne Muster, bis meine Augen schließlich ohne Vorwarnung wieder zuklappten; dann war alles vorbei. Kein Schmerz, kein Gefühl, keine Ahnung, ob ich lag oder stand. Es war nicht so, dass ich meine Beine nicht bewegen konnte. Es war nicht mal so, dass ich meine Beine nicht spüren konnte. Mit geschlossenen Augen konnte ich nicht mal sagen, ob ich überhaupt Beine hatte. Oder Arme. Oder irgendetwas anderes. Ich denke, also bin ich, dachte ich in einem Anflug von Hysterie. Am liebsten hätte ich gekichert, aber ich konnte meinen Mund nicht spüren. Ich bekam Panik. Gelähmt. Ich konnte mich an ein Auto erinnern. Und an ein kreischendes Geräusch, das wie ein Schrei klang, andererseits auch wieder nicht. Nicht Mensch, nicht Tier. Und Feuer. Etwas brannte. Der Geruch von etwas Brennendem. Daran erinnerte ich mich. Ich wollte mich nicht daran erinnern. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nicht sprechen. Ich konnte meine Augen nicht öffnen. Sie wissen nicht, dass ich hier drin wach bin. In Gedanken hörte ich den hämmernden Herzschlag, den ich nicht mehr spüren konnte, fühlte, wie sich imaginäre Lungen vor Entsetzen zusammenzogen, schmeckte das Salz unsichtbarer Tränen. Sie können es einfach nicht wissen. Für meinen Vater, für meine Mutter, die sich in meiner Vorstellung vor dem Krankenzimmer aneinanderklammerten und weinten, unfähig, hereinzukommen; für die Ärzte, die mein Vater sicherlich aus der ganzen Welt hatte einfliegen lassen; für Zoie, die eigentlich im Auto hätte sitzen sollen, die es eigentlich hätte treffen sollen – Für sie alle schien ich bewusstlos zu sein. Ahnungslos. Ich konnte mir vorstellen, wie die Zeit verging und die Stimme des Arztes das Schluchzen meiner Mutter übertönte. Noch immer keine Reaktion. Noch immer keine Bewegung, kein Laut, keine Augenreflexe. Noch immer kein Lebenszeichen. Meine Augen wurden wieder geöffnet, dieses Mal für längere Zeit. Die Farben flossen ineinander, lösten sich in verschwommene Formen auf, eine Unterwasserwelt. Am oberen Rand meines Blickfeldes entdeckte ich etwas Knolliges, Fleischiges, Finger, die meine Augenlider auseinanderzerrten. Über mir schwebte eine dunkle, unscharfe Gestalt, die mit der Stimme meines Vaters sprach. »Ich weiß nicht, ob du mich schon hören kannst.« Seine Stimme klang ruhig, seine Worte unbeholfen. »Es wird alles gut, ich verspreche es dir. Versuche, geduldig zu sein.« Mein Vater nahm seine Hand von meinem Gesicht, meine Lider klappten wieder herunter und sperrten mich hinter einer schwarzen Wand ein. Er blieb. Ich wusste es, denn ich konnte ihn atmen hören – nur mich selbst nicht. Was letzte Tage angeht, meiner war beschissen. Hätte ich mir einen letzten Tag aussuchen können – einen letzten Tag, wie ich ihn wirklich verdient hätte –, wäre auf jeden Fall mehr Schokolade im Spiel gewesen. Wesentlich mehr. Dunkle. Vollmilch. Weiße. Zartbitter. Mit Olivenstückchen. Karamellgefüllt. Trüffel. Ganache. Und Käse hätte es gegeben, weich, schmelzend, die Sorte, die im ganzen Zimmer stinkt, während sie dir die Kehle hinunterrinnt. Ich hätte den ganzen Tag im Bett gelegen und all das gegessen, was ich jetzt nicht mehr essen kann, hätte die Musik gehört, die mir mittlerweile egal geworden ist, hätte gefühlt. Die kratzige Baumwolle des Bettlakens. Das Kopfkissen, bei der ersten Berührung kühl, aber nach einer Weile warm an meine Wange geschmiegt. Den Mief aus der Lüftung, der mir den Pony in die Stirn gepustet hätte. Und Walker – hätte ich gewusst, was passieren würde, dann hätte ich ihn gefragt, ob er herüberkommt. Ich hätte gesagt: »Scheiß auf meine Eltern, vergiss meine Schwester, sei einfach hier, bei mir, heute.« Ich hätte die flaumigen Haare auf seinen Armen gefühlt und die kratzigen Bartstoppeln an seinem Kinn, denn er war zu faul, sich mehr als einmal pro Woche zu rasieren, da konnte ich sagen, was ich wollte. Ich hätte seine Fingerspitzen auf meiner Haut gespürt, ein Kitzeln, ein Streicheln, so leicht, dass es fast wehtat, weil es nur versprach und nichts davon einhalten wollte. Ich hätte Pfefferminz auf seinen Lippen geschmeckt und gewusst, dass er an diesem Morgen wieder einmal den Kaugummi der Zahncreme vorgezogen hatte; ich hätte ihn dazu gebracht, seine kurzen Nägel in meine Haut zu graben, nicht nur weil ich wollte, dass er mich festhielt, sondern weil ich im letzten schönen Moment meines Lebens auch noch ein letztes Mal Schmerz hätte fühlen wollen. Das kann einfach nicht passiert sein. Nicht mir. Da lag ich nun. Ich versuchte geduldig zu sein, wie mich mein Vater gebeten hatte. Ich wartete darauf aufzuwachen. Jaja, ich weiß schon: voll das Klischee. Das muss ein Traum sein. Du redest es dir immer wieder ein, vielleicht kneifst du dich sogar, obwohl du weißt, es ist nur ein billiger Trick, denn schon der Versuch beweist schließlich, dass es kein Traum ist. In einem Traum stellst du die Wirklichkeit nie infrage. In einem Traum verschwinden Menschen, Gebäude tauchen auf, Schauplätze ändern sich, du fliegst. Du fällst. Und alles erscheint völlig logisch. Nur im Wachzustand wehrt man sich gegen seltsame Dinge. Ich wartete also darauf, aufzuwachen. Der große Schock: Ich wachte nicht auf. Phase eins: Leugnen. Erledigt. Als mein Großvater starb, hörte ich zum ersten Mal von den fünf Phasen des Trauerns. Nicht dass ich sie wirklich durchlebt hätte. Nicht dass ich wirklich um einen Typ getrauert hätte, den ich nur zweimal getroffen hatte und den mein Vater ganz offensichtlich verabscheute und von dem meine Mutter, immerhin seine einzige Tochter, behauptete, sie könne sich kaum an ihn erinnern. Sie heulte trotzdem und mein Vater ertrug es, jedenfalls ein paar Tage lang. Wir ertrugen es alle. Er schenkte ihr Blumen. Ich verdrehte nicht einmal dann die Augen, wenn sie beim Abendessen ihr Glas zum dritten Mal mit diesem nervtötenden Ach-bin-ich-ungeschickt-Kichern umwarf. Zo stöberte im Network herum und entdeckte die fünf Phasen der Trauer. Leugnen. Wut. Verhandeln. Depression. Akzeptanz. Da ich also tot war – genau genommen toter als tot, nämlich lebendig in einem Körper begraben, der ebenso gut ein Sarg hätte sein können, auch wenn er mir die Freuden des Erstickens verweigerte –, kam ich zu dem Schluss, dass ich ein Recht darauf hatte, zu trauern. Nein, nicht trauern. Das war das falsche Wort. Wut. Ich hasste jeden. Alles. Das Auto für den Unfall. Meinen Körper dafür, dass er verbrannte und kaputtging. Zo für die Tatsache, dass sie mich an ihrer Stelle geschickt hatte. Dass sie lebte, atmete, irgendwo Partys feierte, wo keine Dunkelheit herrschte, in einem funktionierenden Körper. Ich hasste Walker dafür, dass er mich vergessen würde, für die Mädchen, mit denen er ausgehen und die er vögeln würde, und das Mädchen, mit dem er eng umschlungen im Bett liegen würde, das er in seinen Armen halten würde, während er ihr flüsternd versprach, dass sie die Einzige für ihn sei. Ich hasste die Ärzte, die ein und aus gingen, meine Augen aufrissen, mich mit ihren Stableuchten blendeten, mir zuzwinkerten, mich anstarrten und auf ein Zeichen warteten, das ich ihnen nicht geben konnte, obwohl ich die ganze Zeit innerlich schrie: Ich bin wach Ich lebe Hört ihr mich Helft mir. Am Ende würden mich die Lider wieder in die Schwärze einsperren. Mein Vater blieb bei mir. Er war der Einzige, der mit mir redete. Es war eine endlose, monotone Litanei: Hab Geduld, Lia. Versuche, aufzuwachen, Lia. Versuche dich zu bewegen, Lia. Alles wird gut, Lia. Streng dich an, Lia. Du schaffst es. Ich wollte ihm glauben, weil ich ihm immer geglaubt hatte. Ich wollte daran glauben, dass er alles in Ordnung bringen würde, so wie er immer alles in Ordnung gebracht hatte. Ich wollte ihm glauben, aber ich konnte es nicht, und dafür hasste ich ihn am meisten. Danach kam die Phase des Verhandelns. Es gab zwar niemanden, den ich um etwas hätte bitten können, aber ich bettelte trotzdem. Zuerst bat ich darum, einfach aufzuwachen – meine Augen öffnen, mich aufsetzen und meine Beine aus dem Bett schwingen zu können. So wie es aussah, ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Also versuchte ich es mit einem Kompromiss: Lass mich bloß die Augen öffnen, mach, dass ich sprechen und mich bewegen und etwas spüren kann. Lass das hier nicht für immer sein. Lass mich wieder gesund werden. Später, als sich immer noch nichts geändert hatte, als es immer noch keinen Hoffnungsschimmer gab: Lass mich meine Augen öffnen. Lass mich sprechen. Verschone mich. Das war, bevor der Schmerz kam. Genau wie die Ärzte gab er sich keine Mühe, sich langsam an mich heranzupirschen. Er explodierte einfach, eine Supernova in der Schwärze. Ich lebte in diesem Schmerz, er war alles, was ich war, er war zeitlos, er war ewig – und dann war er plötzlich vorbei. Das war der Anfang. Ein unglaubliches Wohlbefinden, eine Wärme breitete sich aus, sie steigerte sich zu einem Feuer, das kaum zu ertragen war. Beißende Kälte. Glühende Hitze. Elend. Eine übersprudelnde Fröhlichkeit, die sich nach Lachen sehnte. Angst – nein, nacktes Grauen. Empfindungen tauchten aus dem Nichts auf und überfluteten mich, ebenso schnell verschwanden sie wieder, ohne Grund, ohne Muster, ohne Vorwarnung. Und schließlich – er verschwand nie für lange, bevor er mir den nächsten Besuch abstattete – der Schmerz. Ich schlief niemals. Ich konnte fühlen, wie die Zeit verging, konnte von dem, was die Ärzte sich zuraunten, darauf schließen, dass die Tage verstrichen, aber ich verlor niemals das Bewusstsein. Wenn die Wellen kamen, verlor ich die Kontrolle, ich verlor den Verstand und verlor mich selbst in bodenlosen Empfindungen, doch sosehr ich es mir auch wünschte, sie rissen mich niemals mit sich fort. In den Momenten zwischen den Wellen, wenn die dunklen Wasser ruhig und ich ich selbst war, fing ich wieder an zu verhandeln. Lass mich schlafen. Lass mich sterben. »Ich mach es – aber dann schuldest du mir etwas«, hatte ich zu Zo gesagt. Bevor es passierte. Sie hatte mich ignoriert und ihr Haar zu einem lockeren Knoten gedreht und ihn im Nacken festgesteckt. Ihre Haare waren blond, wie meine, allerdings glänzten meine, sie waren dicht und wippten auf der Schulter, wenn ich lachte. Ihre hingegen wirkten struppig und kraftlos, und egal, was sie mit ihnen anstellte, sie sahen immer ungewaschen aus. Ich habe ihr immer gesagt, dass sie ebenso hübsch wäre wie ich, doch wir kannten beide die Wahrheit. »Vergiss es. Du schuldest mir etwas«, sagte sie schließlich und zog ein ausgeblichenes braunes Sweatshirt an, in dem sie wie eine Kartoffel aussah. Ich sagte nichts dazu. Unsere Eltern hatten sich für Mädchen entschieden, für blondes Haar, blaue Augen; für einen niedrigen Body-Mass-Index und einen einigermaßen hohen Intelligenzquotienten hatten sie sogar zusätzlich bezahlt, aber Faulheit war nicht einfach ein Gen, das man hätte eliminieren können – kein noch so bedeutender Geldbetrag konnte eine Zo garantieren, die all die genetischen Vorzüge, die man ihr mit auf den Weg gegeben hatte, schätzen würde. »Du möchtest bestimmt nicht, dass ich Dad erzähle, wo du dieses Wochenende wirklich warst, oder? Er freut sich sicher, wenn er hört, dass du den Kopf nicht in die Schulbücher gesteckt hast, wie du behauptest, sondern zwischen Walkers –« »Ich hab dir schon gesagt, dass ich es mache, Zoie.« Sie hasste den Namen. Ich riss ihr die Schlüsselkarte aus der Hand. »Dürfte ich vielleicht erfahren, wo du dich rumtreibst, während ich für dich Windeln wechsle und Rotz abwische?« »Nein.« Keine von uns musste arbeiten. In Anbetracht des Bonus auf dem Konto unserer Eltern würde keine von uns beiden jemals arbeiten müssen. Aber unser Vater war ein überzeugter Anhänger von Produktivität. »Arbeit macht frei«, pflegte er zu zitieren, als wir Kinder waren. Meine Urururgroßeltern kamen aus Deutschland. Ich war zwölf, als ich dies eines Tages einer Lehrerin gegenüber wiederholte. Sie gab mir eine Ohrfeige. Dann erklärte sie mir, woher der Spruch kam. Die Nazis hatten ihn den KZ-Häftlingen gepredigt. Bevor sie dafür sorgten, dass sie sich zu Tode schufteten. »Längst vergangene Geschichte«, antwortete mein Vater, als ich ihm die Hiobsbotschaft überbrachte. »Die Verjährungsfrist für Befindlichkeiten beträgt hundert Jahre.« Er sorgte dafür, dass die Lehrerin gefeuert wurde. Weil ich Sportlerin war, musste ich keinen Job annehmen. Eine Siegerin, bemerkte mein Vater jedes Mal, wenn ich nach einem Wettlauf einen weiteren Pokal nach Hause brachte. Eine Arbeiterin. Er kam nie zu den Wettkämpfen, aber die Pokale für den ersten Platz standen in Reih und Glied auf einem Bücherregal in seinem Büro. Die zweiten Plätze blieben in meinem Zimmer. Alle anderen wanderten in den Müll. Zo trieb keinen Sport. Soweit ich es beurteilen konnte, hing sie den ganzen Tag mit ihren Loserfreunden auf Parkplätzen ab und dröhnte sich mit Dozers zu. Sie nahmen irgendeine neue Sorte, die stinkende Rauchwolken aufsteigen ließ, wenn man sie lutschte; auf die Art konnte man sich wie ein Retro aus den guten alten Tagen vor dem Nikotinverbot fühlen. »Erklär mir, warum es cool ist, wie Oma auszusehen«, fragte ich sie einmal. »Ich mache Dinge nicht, weil sie cool sind«, gab Zo patzig zurück. »Dafür bist du zuständig.« Nur um das mal festzuhalten, ich tat nichts, nur weil es cool war. Dinge waren cool, weil ich sie tat. Ich rannte also jeden Tag zehn Meilen, während Zo ihre von Dad verordnete Schicht in der Kindertagesstätte schob, Rotznasen abwischte und vollgeschissene Windeln wechselte; die Tage, an denen sie mich rumkriegte, für sie zu arbeiten, natürlich ausgenommen. »Schon gut«, besänftigte ich Zo. »Aber ich schwör dir, es ist das letzte Mal.« Es war das letzte Mal. Das Ziel war schon im Auto einprogrammiert. Unser Vater würde abends kontrollieren, ob es das vorgegebene Ziel angesteuert hatte, er konnte jedoch nicht herausfinden, welche von uns Schwestern gefahren war. Ich gab »KinderParadies« ein und warf mich auf die Rückbank. Walker konnte es kaum erwarten, achtzehn zu werden, damit er endlich manuell fahren durfte, was ich echt nicht verstehen konnte. Es war doch viel bequemer, sich auszustrecken, während sich der Sitz meinem Körper anpasste, ein Magazin zu hören, mich mit Walker zu verlinken und ihn an die Party abends zu erinnern, durchs Network zu zappen und mich zu vergewissern, dass keiner meiner Freunde Bilder von irgendetwas gepostet hatte, was ich auf keinen Fall hätte verpassen sollen (eigentlich war das unmöglich, denn es bestand allgemeine Übereinstimmung, dass alles, was ich verpasste, sowieso nicht zählte). An diesem Tag aber unterbrach ich den Link. Keine Chats, keine Links, keine Vids, keine Musik, absolut nichts. Stille. Ich schloss die Augen. Dieses Gefühl hatte ich sonst nur, wenn ich schon ein paar Meilen gerannt war und die erste Welle der Erschöpfung nachgelassen hatte, wenn die Welt zusammenschrumpfte auf das Laufgeräusch meiner Füße auf dem Asphalt und das Summen in meinen Ohren und die Luft, die durch meine Lungen pfiff – es war eigentlich kein Gefühl, sondern das Fehlen eines Gefühls, das Fehlen eines Ichs. So als existierte ich nicht mehr. Jedenfalls nicht als Lia Kahn; als sei ich nur noch eine verschwommene Masse aus Armen und Beinen, Röcheln, pulsierendem Blut, bis zum Reißen angespannten Muskeln, Wind. Nur Körper, keine Gedanken. Als ich an jenem Tag mit geschlossenen Augen dort lag, hätte sich dieses Gefühl eigentlich nicht einstellen sollen, aber aus irgendeinem Grund war es da. Aus irgendeinem Grund war ich – leer. Frei von Sorgen, frei von Gedanken. Versunken in der Schwärze hinter meinen Lidern. Als ob ein Teil von mir geahnt hätte, was passieren würde. Als ob es mich nicht überrascht hätte, als plötzlich alles durcheinanderflog und das kreischende Geräusch von Metall auf Metall die Stille zerriss, als die Welt um mich herumwirbelte, Erde über Himmel über Erde über Himmel, und als mich schließlich ein zerbeultes Dach mit einem gewaltigen Schlag und dem Knirschen von Glas und Stahl auf den völlig ausgebrannten Boden schmetterte. Ich erzähle den Leuten, dass ich mich nicht erinnern kann, was danach geschah. Ich erzähle ihnen, dass ich mit dem Kopf aufschlug und danach alles schwarz wurde. Sie glauben mir. Sie wollen mir glauben. Sie wollen nichts davon hören, wie ich dort eingeklemmt lag, wie sich Metallkrallen knirschend in meine Haut gruben; die Beine taub, abwesend, als endete das Universum an meiner Taille; die Arme aus den Gelenken gerissen, verdreht, weißglühend vor Schmerz. Sie wollen nicht hören, dass hinter all dem Blut mein eines Auge blind war, das andere jedoch alles deutlich erkennen konnte: schwarzen Rauch, einen Streifen Blau durch das zerborstene Fenster, sommersprossige Haut mit roten Spritzern, das weiße Schimmern von Knochen. Ein orangefarbenes Flimmern. Sie wollen nicht hören, wie es sich anfühlte, als ich anfing zu brennen. Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass mein Leben im Zeitraffer vor meinen Augen ablief, als ich an jenes Bett gefesselt war. Vielleicht hätte das die ganze Sache interessanter gemacht. Ich versuchte es zu erzwingen. Ich dachte, wenn ich mich an alles erinnern könnte, was bisher in meinem Leben passiert war, an jeden einzelnen Augenblick, dann würde es sich vielleicht anfühlen, als lebte ich wieder. Wenn ich Lia Kahns Glanzmomente noch einmal durchleben würde, könnte ich immerhin ein paar Stunden totschlagen, vielleicht sogar ein paar Tage. Aber es war sinnlos. Jedes Mal begann ich mit dem ersten Ereignis, an das ich mich erinnern konnte – nämlich wie mich das schmerzhafte Piken der Lanzette bei meinem ersten morgendlichen MedCheck dazu gebracht hatte, wie am Spieß zu brüllen, weil mein kindlicher Verstand fest davon überzeugt gewesen war, die winzige Silberspitze würde mein ganzes Blut aussaugen, wie mir meine Mutter dabei über das Haar strich, mich bat, mit dem Weinen aufzuhören, und mir einen Keks, einen Lutscher, einen Welpen versprach, Hauptsache, ich würde zu heulen aufhören, bevor mein Vater kam. Ich erinnerte mich daran, wie die Tränen über mein Gesicht rannen, und an den Abscheu, der meinem Vater ins Gesicht geschrieben stand. Ich dachte darüber nach, dass tägliche MedChecks und DNA-personalisierte Medikamente uns eigentlich Gesundheit, Sicherheit und ein nahezu ewiges Leben garantieren sollten, dass dieses »Nahezu« allerdings nicht ausreichte, wenn das Navigationssystem in deinem Auto den Geist aufgab und dich in einen Laster oder gegen einen Baum rammte, dich in die Luft schleuderte und anschließend Hackfleisch aus dir machte. Immer wieder erinnerte ich mich an die Hand meiner Mutter auf meiner Stirn und fragte mich, warum ich ihre Stimme nie in meinem Zimmer hörte. Tage vergingen. Ich machte Listen. Von Leuten, die ich kannte. Von Leuten, die ich nicht leiden konnte. Von Wörtern, die mit dem Buchstaben Q begannen. Ich versuchte, eine Liste aller ViMs aufzustellen, die ich je besessen hatte, angefangen bei meiner allerersten pinkfarbenen VirtualMachine mit den übergroßen Knöpfen und dem kindersicheren Bildschirm bis hin zu meinem momentanen Favoriten, der neonblauen NanoViM, die man an der Kleidung befestigen konnte oder am Handgelenk oder sogar am Hintern, falls man gerade in der Stimmung war, Vids abzuspielen, während man den Gang hinuntertänzelte. Nicht dass ich das ausprobiert hätte – nach diesem einen Mal. Aber etwa bei der Hälfte der Liste wurde es immer schwammig. Es waren zu viele ViMs gewesen, um sich an jede einzelne zu erinnern, denn wenn man wie ich genügend Bonus hatte, konnte man aus fast allem einen virtuellen Computer bauen, mit dem man sich ins Network einlinkte. Ich sang mir selbst Lieder vor. Ich übte die Verse, die ich für den Englischunterricht hatte auswendig lernen müssen, denn nach Ansicht meines Lehrers, der null Ahnung hatte, »mag das Theater tot sein, Shakespeare jedoch ist unsterblich«. Sterben – schlafen – nichts weiter! – Und zu wissen, daß ein Schlaf das Herzweh und die tausend Stöße endet, die unsers Fleisches Erbteil – ’s ist ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Was auch immer das bedeutete. Walker hatte mit Happy Tanzen, die die Julia spielte, eine Stelle aus Romeo und Julia vorgetragen und ich fragte mich, ob Happy wohl diejenige – oder, wenn man ihre D-Körbchen mitzählte, die drei – wäre, die meinen Platz einnehmen würde. Ich hörte den Ärzten zu und hoffte, sie würden zufällig etwas aus ihrem Privatleben ausplaudern oder wenigstens irgendetwas anderes sagen als »Deltawellen abfallend«, »Anstieg Alphafrequenz«, »Rhythmus im Normalbereich« oder einen der anderen Ausdrücke, mit denen sie ständig um sich warfen. Ich versuchte meine Arme und Beine zu bewegen; ich versuchte sie zu spüren. Wenn sie meine Augen öffneten, merkte ich, dass ich auf dem Rücken lag. Das hieß, unter mir mussten ein Bett und irgendwelche Laken sein. Also versuchte ich mir vorzustellen, dass meine Finger auf der kratzigen Baumwolle lagen. Aber je mehr Zeit verging, umso weniger konnte ich mir vorstellen, dass ich überhaupt Finger hatte. Soweit ich es beurteilen konnte, hatte ich keine. Ich gab jeden Versuch auf. Ich hörte auf zu denken. Ich schwebte in einer grauen Wolke durch die Tage, wach und doch nicht wach, reglos, aber gleichgültig. Als es schließlich passierte, geschah es ohne mein Zutun. Ich hatte es nicht versucht. Mir war nicht einmal klar, was ich da eigentlich tat. Es passierte einfach. Augen geschlossen, Augen geschlossen, Augen geschlossen – Augen geöffnet. Jemand schrie, vielleicht einer der Ärzte, vielleicht mein Vater, ich konnte es nicht unterscheiden, denn ich starrte an die graue Decke, aber ich hatte es getan, ich hatte irgendwie meine Augen selbstständig geöffnet und sie blieben geöffnet. Noch etwas anderes bewegte sich. Ein Arm. Mein Arm. Für einen Augenblick vergaß ich in dieser Welle grenzenloser Erleichterung alles andere: mein Arm. Unversehrt. Ich konnte ihn nicht fühlen, unternahm auch keinen Versuch, ihn zu bewegen, aber ich sah ihn. Sah, wie er durch mein Blickfeld nach oben schnellte und schließlich mit einem dumpfen Schlag hart aufs Bett zurückfiel. Dann der andere Arm. Hoch. Runter. Dumpfer Schlag. Und meine Beine … Es mussten meine Beine gewesen sein. Ich konnte sie nicht fühlen, ich konnte sie auch nicht sehen, aber ich hörte, wie sie auf die Matratze knallten, wie Trommelschläge, bumm, bumm, bumm. Mein Hals bog sich nach hinten und die Decke begann sich zu drehen, ich flog, und schließlich ein dumpfes Geräusch, laut, als poltere ein Körper auf den Boden. Klong, klong, klong, als mein Kopf auf die Fliesen knallte, immer und immer wieder aufprallte. Es verursachte viel Krach, aber es tat nicht weh. Und dann stürmten zwei Füße auf mich zu und ich wollte eigentlich nur wieder reglos im Dunkeln liegen, aber nun konnte ich meine Augen nicht mehr schließen. Zwei dickliche weiße, weiche Hände packten meinen Kopf und hielten ihn fest, und zum ersten Mal, seitdem ich aufgewacht war, kam alles zum Stillstand. Schlafen. Vielleicht auch träumen. © 2010, by Robin Wasserman. | Deutsche Übersetzung: Claudia Max. Online- Publikation der übersetzten Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des script 5. Publication of translated excerpts by courtesy of the script 5.